How to write a novel? Teil 1: Von der Idee zur Struktur

Für alle, die sich schon einmal gefragt haben, wie eigentlich ein Roman entsteht, startet hiermit Teil 1 unserer großen Serie „How to write a novel“, die für Euch ab jetzt wöchentlich im Blogformat erscheinen wird.

Von der Idee über die Veröffentlichung bis hin zur Buchpromotion ist es ein ziemlich weiter weg. Meist einer, der sich über mehrere Jahre hinwegzieht und mit einigen Fallstricken gepflastert ist. Wir werden die einzelnen Schritte für Euch einmal genauer betrachten und Euch damit einen Blick hinter die Kulissen der Schriftstellerei geben.

Zunächst fängt natürlich alles mit der Idee an und ich bin mir sicher, dass jeder von Euch schon einmal eine ziemlich geniale Idee für eine Romangeschichte hatte. Ich möchte daher an dieser Stelle nicht darauf eingehen, wie man gute Ideen generiert, da dies glaube ich eine sehr persönliche und individuelle Sache ist. Manche haben ihre „hellen Momente“ unter der Dusche, andere beim Sport und wieder andere bei monotonen Tätigkeiten, wie Albert Einstein bei seiner Arbeit im Patentamt. Wie ihr Eure Idee findet ist, meiner Meinung nach, eigentlich relativ egal und die Tatsache, dass wahrscheinlich jeder schon einmal eine gute Idee hatte, zeigt ja auch recht deutlich, dass hier meist gar nicht das größte Problem lieg. Die Schwierigkeit beginnt viel mehr bei der Frage: Wie kriege ich diese Geschichte vernünftig auf Papier gebracht? Und dies ist keineswegs alleine eine Motivationsfrage, sondern hat darüber hinaus ziemlich viel mit guter Organisation und Struktur zu tun, die ich gerne für Euch einmal ein bisschen stärker beleuchten möchte. Vielleicht ist der ein oder andere Tipp dabei, der Euch dabei helfen kann, Euer eigenes Buchprojekt besser zu realisieren.

Wahrscheinlich habt ihr schon einmal gehört, dass viele Autoren mit einem „Storybuch“ und einem „Charakterbuch“ arbeiten, um sich zu strukturieren. Aber was genau steckt hinter diesen beiden Begriffen? Bei meiner Recherche, fand ich die abenteuerlichsten Forumsbeiträge, die mir noch einmal deutlich gemacht haben, dass es Zeit wird, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. Fangen wir einmal mit dem ersten Begriff „Storybuch“ an. Im Rahmen eines Storybuchs probiert man als Schriftsteller seine Idee in verschiedene Abschnitte (erst grob, dann immer feiner) und anschließend bereits in klar unterteilte Kapitel einzuordnen. Das Storybuch lässt sich also als eine Art Zusammenfassung und Unterteilung des Buchinhalts verstehen. Hierbei habe ich mir persönlich angewöhnt, bereits zu jedem Abschnitt oder Kapitel einige Stichpunkte aufzulisten, was genau an dieser Stelle des Buchs passieren soll. Dies bedeutet keinesfalls, dass nicht im Schreibprozess noch das ein oder andere Kapitel hinzukommen kann, oder sich die Story nicht doch noch einmal ändern könnte. Das Storybuch gibt dem Autor aber zumindest am Anfang eine gewisse Richtung, damit er den Faden nicht verliert. Falls sich die Geschichte am Ende doch noch einmal ändern sollte, wird das Storybuch kurzerhand angepasst. Hierdurch ist es ebenfalls möglich, Änderungen und ihre Auswirkungen auf den Rest der Geschichte besser abschätzen. Nichtsdestotrotz hilft es, wenn der Anfang und das Ende mehr oder weniger gesetzt sind, damit man sich nicht zu sehr verläuft und ein klares Ziel vor Augen hat, auf das man in der Handlung zusteuert. Dazwischen hat sich bei mir eigentlich immer der ein oder andere Umweg oder auch manche Storyveränderung ergeben, was den Schreibprozess auch für den Schriftsteller immer wieder spannend und ein wenig unberechenbar macht. Dies auch zuzulassen und nicht „zu streng“ zu sein, ist meiner Meinung nach wichtig, da das Schreiben ja genau von dieser Kreativität und Freiheit der Gedanken lebt. Ein Storybuch sollte also niemals die Kreativität des Schriftstellers einschränken oder beschneiden, sondern eher die oftmals etwas zerstreuten Gedanken (ich spreche aus eigener Erfahrung) des Autors auf eine gute und stringente Storyline fokussieren.

Ein weiterer Vorteil neben der Strukturierung ist es, dass man im Schreibprozess eher kleine Happen als ein ganzes Buch „zu bewältigen“ hat. Mithilfe eines ausgearbeiteten Storybuchs fällt es dem Autor oft erheblich leichter, bestimmte Kapitel in einem Quartal oder einem Monat zu schreiben, was motivierender ist als sich das Ziel zu setzen, gleich das ganze Buch schreiben zu wollen. Die Ziele sollten also immer möglichst kurzfristig umgesetzt werden können und nicht zu abstrakt sein. Ein Storybuch hat also hier erhebliche Vorteile, um weiter motiviert zu bleiben und den Überblick nicht zu verlieren. Zudem bietet Euch dies auch die Möglichkeit, die komplette Geschichte mit Freunden, Kollegen und evtl. auch einem Verlag zu besprechen, was helfen kann kleinere Ungereimtheiten oder auch den Spannungsbogen zu optimieren. Innerhalb meines Storybuchs habe ich mir angewöhnt, zudem auf der ersten Seite einen Zeitstrahl der Geschichte aufzuzeichnen, der mir stets zeigt, wo und zu welcher Zeit bestimmte Ereignisse passieren. So ist es erheblich einfacher auch Rückblenden sauber in die Story einzubauen und nicht den Faden zu verlieren.

Neben dem Storybuch macht es meist auch Sinn ein Charakterbuch anzulegen. Während des Schreibprozesses, kann hier jeder einzelne Charakter, der im Zeitverlauf auftritt, beschrieben und klassifiziert werden. Essenzielle Informationen sind hierbei: Wann ist der Charakter das erste mal aufgetreten? Wie wurde sein Aussehen beschrieben? Wie wurde sein Charakter beschrieben? Wie und wodurch soll sich der Charakter im Laufe des Buchs wandeln/weiterentwickeln?  Mit wem steht der Charakter in welchem Verhältnis? Wie soll sich dieses Verhältnis im Laufe des Buchs wandeln/weiterentwickeln?

Dieses Charakterbuch füllt sich also parallel zum Schreibprozess und bieten ebenfalls eine gewisse Struktur, allerdings auf einer tieferen Ebene als das Storybuch. Konsistenz, Weitsicht und eine gute Charakterentwicklung gehören zu den wohl wichtigsten Eigenschaften, um dem Leser die nötige Tiefe zu vermitteln. Gerade das wiederaufgreifen von Informationen, die man dem Leser am Anfang des Buchs gegeben hat und die sich erst am Ende wie ein Puzzle zusammenfügen, sorgt für Spannung und das gewisse etwas. Dies fällt mit einem Charakterbuch auf der Ebene der auftretenden Personen erheblich einfacher.

Gerade wenn Ihr Euch vorstellt, dass viele Autoren jahrelang an einem Buch schreiben und dazu noch öfter mal eine kreative Schreibpause einlegen müssen, scheinen diese beiden Hilfsbücher essenziell, um eine Idee in einen guten Roman umzuwandeln. Eine befreundete Schriftstellerin hat einmal zu mir gesagt: Gerrit, wenn du einen Roman schreiben willst, dann musst du nicht ein Buch schreiben, sondern Drei. Vielleicht hilft auch Euch dieser kleine Tipp weiter, um Euer Buchprojekt zu realisieren.

Liebe Grüße und bis zur nächsten Woche, in der Teil 2 auf Euch wartet: „Motivation und Durchhaltevermögen“

Gerrit C. Paulson