How to write a novel? Teil 4 – Die erste eigene Überarbeitung des Manuskripts

Im vierten Teil unserer Serie „How to write a novel“ werden wir uns mit der ersten eigenen Überarbeitung des Manuskripts beschäftigen. Und hierbei trifft folgender Spruch wie die Faust aufs Auge: „Wenn du denkst, du bist zu 95% fertig, bis du eigentlich erst zu 50% fertig“. Denn die letzten 5 % aus dem bereits geschriebenen Manuskript herauszuholen, kann gut und gerne noch einmal 50% des Zeitaufwands bedeuten, der für das Schreiben bereits angefallen ist. Aber was macht die Überarbeitung eines Manuskripts so aufwändig?

In diesem Teil probiere ich eine möglichst vollständige Auflistung der verschiedenen Checks zu geben, die ich in der Prüfung meiner Manuskripte normalerweise durchlaufe. Bei den Vorbereitungen zu diesem Blogbeitrag bin ich insgesamt auf 8 verschiedene Checks gekommen, die zumindest für mich unerlässlich sind. Eine veränderte Reihenfolge und Zusammenfassung von mehreren Check in einem Durchgang ist sicherlich möglich. Ich persönlich versuche die Checks jedoch so gut es geht zu trennen, um nichts zu übersehen, aber da gibt es sicherlich auch Leute die etwas besser im Multi-Tasking sind. 😊 Fangen wir einmal mit dem ersten Check an.

Check Nr. 1: Der Formalien-Check

Wir starten direkt mit der Formatierung Deines Word Dokuments. Die „perfekte“ Formatierung könnt Ihr natürlich auch schon vor dem ersten geschriebenen Satz vornehmen. Erfahrungsgemäß passiert das jedoch beim ersten Roman eher selten, da die meisten Erstautoren einfach voller Enthusiasmus losschreiben, ohne sich Gedanken um die Formatierung zu machen. Das ist auch keineswegs schlecht; wenn die Sätze raus wollen, dann sollte man sich meiner Meinung nach auch nicht im kreativen Moment mit Formalitäten auseinandersetzen. Ich selbst habe überhaupt erst erfahren, dass es so etwas wie eine Normseite gibt, als mein Manuskript schon im ersten Entwurf runtergeschrieben war. Früher oder später kommt dann aber doch die Erkenntnis, dass die richtige Formatierung einen bestimmten Sinn erfüllt. Also was genau ist diese Normseite und wofür ist sie eigentlich gut?

Eine Normseite hat exakt 30 Zeilen mit 60 Anschlägen, also 1800 Anschläge (Zeichen inklusive Leerzeichen) pro Seite. Für eine solche Formatierung müsst ihr die Schriftgröße 12 mit der Schriftart Courier New einstellen, den Zeilenabstand auf 11/2-zeilig setzen und folgende Seitenränder einstellen (oben: 4,5 cm, unten: 2,7 cm, links: 2 cm, rechts: 4 cm). Aber wofür der ganze Aufwand? Die einfache Antwort: Eine Normseite entspricht in etwa einer Buchseite, somit kann der Autor absehen, wie viel Seiten sein Werk in gedruckter Form aufweist. Zudem dient die Vereinheitlichung von Manuskripten Verlagen, Literaturagenten und Lektoren dazu, Romanlängen vergleichbar zu machen.

Ein weiterer psychologisch wichtiger Effekt ist, dass man auf Normseiten bereit eine ähnliche „Umblättergeschwindigkeit“ wie bei einem echten Buch erreicht und nicht zu lange auf einer Seite verharrt. Somit entsteht ein realistischeres Leseerlebnis des Manuskripts für den Autor, den Probeleser und den Lektor/Verlag.

Wo wir gerade dabei sind, um Probelesern die Angabe von Fehlern zu erleichtern, solltet ihr ebenfalls Zeilennummerierungen einfügen, die bei Word recht einfach über „Seite einrichten“ -> „Seitenlayout“ und „Zeilennummern“ eingestellt werden können. In Kombination mit der Angabe der Seitenzahl, im besten Fall in folgender Form „Seite X von X“, kann nun eine eindeutige Angabe gemacht werden.

Zur besseren Orientierung, würde ich Euch zudem empfehlen, in der Kopfziele (links) den Titel des Romans und die Angabe der Seitenzahl (rechts) hinzuzufügen. In der Fußzeile reicht normalerweise der Name des Autors (also dein Name oder dein Pseudonym, hierzu mehr im nächsten Teil unserer Serie). Schon sieht Euer Dokument deutlich aufgehübscht aus.

Zudem würde ich Euch empfehlen ein automatisches Inhaltsverzeichnis anzulegen. Hiermit können Leser oder der Lektor mit nur einem Klick in verschiedene Kapitel springen. Zudem sieht man direkt am Anfang Eures Buchs, wie der Roman aufgebaut ist. Außerdem wirkt es erheblich professioneller, als ein Roman der sofort loslegt und keine vorherige Struktur offenlegt. Ob das Inhaltsverzeichnis später im veröffentlichten Roman bestehen bleibt oder nicht, ist eine ganz andere Frage. Hier geht es erst einmal darum, es Dir, dem Leser, Literaturagenten und einem möglichen Verlag möglichst einfach zu machen.

Nun ist das Grunddokument fertig formatiert und wir können tiefer in die Formatierung des Textes hineingehen. Hier gilt es gleiche Zeilenabstände nach Überschriften oder Absätzen zu beachten. Zudem sollte man schauen welche Art von Anführungszeichen („“ oder ‚‘ oder ´´´´ oder „„`) man genau verwenden möchte und ob diese auch wirklich konsistent eingehalten werden. Hierbei hilft vor allem die „Suchen und Ersetzen“ Funktion von Word wahre Wunder! Was übrigens für einige der Checks gilt: zuerst nach einer technischen Lösung in Word suchen, erst danach händisch alles durchgehen. Dies spart in vielen Fällen enorm viel Zeit, ist aber leider nicht immer möglich.

Im Text selber ist es zudem wichtig, die Absätze an der richtigen Stelle zu setzen, da dies ebenfalls zu einem guten Lesefluss und der Wirkung von Textpassagen beitragen kann. Also überleg dir, an welcher Stelle Szenenwechsel stattfinden und setze dann die Absätze clever als stilistisches Mittel ein, um Deinen Text besser zu unterteilen und zu strukturieren. Und schon sehen die Formalien gar nicht mal so schlecht aus und wir können zum nächsten Check übergehen.

Check Nr. 2: Der Konsistenz-Check

Ist die Formatierung des Dokuments und des Textes erst einmal abgeschlossen würde ich anfangen alle möglichen Namen und Benennungen auf Konsistenz zu überprüfen. Angefangen von Charakternamen (heißt ein Charakter vorne genauso wie in der Mitte und Hinten in der Story), über Straßennamen, die benutzt werden, Wohnviertel, Markennamen, Beschreibungen von Orten, usw. Auch hier kann man teilweise mit der Suchenfunktion von Word viel Zeit sparen, aber eben nur teilweise. Komplexere Konsistenzchecks wie die Fragen: Widersprechen sich Details, die ich über eine Charakterbeschreibung gebe mit Beschreibungen desselben Charakters im Laufe des Romans? Stimmen nach Zeitsprüngen Beschreibungen von Charakteren und Orten, die sich ja zwangsläufig in irgendeiner Form verändert haben müssen, aber trotzdem eine gewisse Grundkonstanz haben. Eine weitere wichtige Frage, die ich in meinem Roman „Notizen eines Gewinners“ in der ersten Version gründlich verbockt habe: Passen die ausgewählten Namen überhaupt mit dem gewählten Ort des Geschehens zusammen? In der ersten Version meines Romans fand die Handlung noch in Wien statt, trotzdem hatten meine Charaktere irische Namen wie „Paulo McComan“, die einfach nicht zu der Stadt passten. Erst dem Lektorat ist der Fehler aufgefallen und ich konnte die Stadt noch einmal ändern. Aber genau das ist mit Konsistenz gemeint. Passt alles innerhalb der Geschichte miteinander zusammen?

Check Nr. 3: Roterfaden Check

Und auf zum Check Nr. 3. Meist probiert ein Autor in der ersten Hälfte des Romans bewusst oder teilweise auch unbewusst bestimmt Fragen aufzuwerfen, die anschließend im zweiten Teil des Romans beantwortet werden. Bei dem Roterfaden-Check geht es darum, herauszufinden, ob diese Fragen auch wirklich beantwortet werden oder einfach in der Versenkung verschwinden. Damit das Gefühl eines roten Fadens entsteht, muss ein Autor eine „große Klammer“ um sein Werk spannen. Wenn ich im ersten Kapitel fragen aufwerfe, die in den weiteren Kapiteln vollständig beantwortet werden, wird beim Leser automatisch das Gefühl eines roten Fadens entstehen. Dieser Check ist einer der Schwierigsten, weil man als Autor oft zu tief in seinem Text drinsteckt und gewisse Fragen, die man unbewusst aufgemacht hat, gar nicht mehr „sieht“. Werden diese am Ende nicht gut oder gar nicht beantwortet, bleibt der Leser fragend zurück, der rote Faden reißt. Fragen an denen man sich orientieren kann wären: „Haben alle Charaktere die auftauchen auch einen Sinn und bringen die Charaktere die Geschichte wirklich voran?“, „Gibt es Personen, Gegenstände, Orte, die plötzlich verschwinden, ohne ersichtlichen Grund?“, „Sind alle Personen, Gegenstände, Orte, der Geschichte zuträglich und fügen Sie sich am Ende des Romans in ein Gesamtbild ein?“ Ich probiere mich bei diesem Check noch einmal zu fragen: „Was soll genau die Hauptfrage sein, die ich aufmache und am Ende beantworten möchte?“ Meist ist es für den Leser angenehmer, wenn sich der Roman um ein großes Thema dreht und alle anderen Fragen, eher Unterfragen oder Fassetten der Hauptfrage darstellen. Man spricht von einem roten Faden, wenn diese eine Frage am Ende wieder sauber zugemacht wird, indem Beschreibungen von Personen, Gegenstände und Orte im Laufe der Geschichte dazu beitragen, genau diese Thematik und Auseinandersetzung direkt oder indirekt (bspw. über Charakterentwicklung) voranzutreiben. Am Ende des Tages würde ich hierzu das Zitat von einem meiner Lieblingsschriftsteller Antoine de Saint-Exupéry unterschreiben: „Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn es nichts mehr hinzuzufügen gibt, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann.“ Wenn also Personen, Orte oder Gegenstände auftauchen, die in keinster Weise die von Euch aufgeworfenen Fragen und ihre Beantwortung vorantreiben, sollte ihr mit dem Gedanken spielen diese im Sinne des roten Fadens einfach aus der Geschichte zu schmeißen, so schwer dies auch manchmal fällt.

Check Nr. 4: Feintuning des Schreibstils

Nun sind wir schon bei Check Nr. 4. Innerhalb dieses Durchgangs würde ich zunächst checken, ob die verwendete Zeit überall stimmt. Dafür muss man sich natürlich erst einmal klar machen, welche Zeit man ursprünglich für welche Bereiche des Romans benutzen wollte. Bspw. für den Hauptteil das Präsens („ich schreibe einen Roman“) und für Rückblenden die Vergangenheit? Möchte ich in der Vergangenheit im Präteritum („Ich schrieb einen Roman“) oder im Perfekt („Ich habe einen Roman geschrieben“) bleiben? Wenn ich das alles noch einmal für mich zusammengefasst habe, was ich beim Schreiben eigentlich vorhatte, gilt es dies sorgfältig zu überprüfen. Ein praktischer Tipp, es kann helfen bei anderen Runde bereits einzelne Teile farblich zu markieren, die bspw. eine Rückblende darstellen, um nachher auch visuell Bereiche deutlich abgrenzen und überprüfen zu können, in denen die Zeit wechselt. Derselbe Check gilt für die Schreibgeschwindigkeit (Erklärung, siehe Teil 2 „Das Handwerk eines Schriftstellers“). Kommt die Geschichte an manchen Stellen ins Stocken, weil ich mich in Details verliere und die Geschwindigkeit zu langsam wird? Gibt es Stelle, die evtl. zu schnell abgearbeitet werden und die „sprachliche Perfektion“ etwas auf der Streckte bleibt? Oft macht es Sinn, den Text ein paar Wochen unberührt zu lassen, um solche Feinheiten besser sehen zu können. Hierbei steht auch die Frage im Raum: Finde ich ein gutes Mittelmaß zwischen stilistischen Mitteln und einer flüssigen Erzählung die vorangetrieben wird? Falls ihr länger an Eurem Roman schreibt, kann es auch vorkommen, dass sich Euer Sprachstil im Rahmen des Schreibprozesses spürbar weiterentwickelt. In diesem Fall würde ich Euch empfehlen, an dieser Stelle die ersten Kapitel noch einmal anzupassen, um das Gesamtwerk auf das bestmögliche Level zu heben. Was oft bereits unbewusst passiert, ist der konsistente Einsatz sehr charakteristischer stilistischer Mittel, die man mit Eurem individuellen Schreibstil in Verbindung bringen kann und die einen gewissen Wiedererkennungswert ausmachen (bspw. das wiederholte Arbeiten mit Anaphern, siehe Teil 3 „Das Handwerkszeug eines Schriftstellers“). Selbst wenn dies unbewusst stattfindet, kann man auch hier noch einmal bewusst darauf achten, was den eigenen Schreibstil eigentlich ausmacht und ob dieser konsistent eingesetzt wird.

Wie anfangs erwähnt, müssen die Checks nicht nacheinander und isoliert voneinander durchlaufen werden, die Unterteilung dient hier lediglich der Übersichtlichkeit. Nichtsdestotrotz möchte ich an dieser Stelle noch einmal erwähnen, dass es oft Sinn macht, sich in jedem Durchgang zumindest primär auf einen Check zu konzentrieren, sonst wird man nicht ganz so ordentlich arbeiten können. Wenn dann zufällig etwas anderes mit auffällt, dann kann man dies natürlich auch in einem Durchgang mit anmerken.

Check Nr. 5 & 6: Rechtsschreib- und Grammatikcheck

Nun ist der Text an sich konsistent, der rote Faden und Schreibstil angepasst. Da bis zu dieser Phase noch einige Änderungen im Text vorgenommen werden, würde ich erst nach diesen Anpassungen einen detaillierten Rechtschreib- und Grammatikcheck vornehmen. Selbstverständlich kontrolliert man diese zwei Sachen auch schon während des Schreibprozesses und wenn man einzelne Kapitel abgeschlossen hat, jedoch liegt hier der Teufel im Detail. Jeder der schon einmal einen Fehler in einem bereits veröffentlichten Buch eines renommierten Verlags entdeckt hat, kann sich ausmalen, dass selbst monatelange Checks nicht perfekt sind und man schlichtweg viele Dinge überliest. Ein paar kleinere Fehler werden wahrscheinlich gar nicht auffallen, aber unser eigener Anspruch ist und sollte es ja immer sein, ein möglichst fehlerfreies Buch zu veröffentlichen. Daher macht es an dieser Stelle Sinn, sich Kapitel für Kapitel vorzunehmen und noch einmal auf Fehlersuche zu gehen. Nutzt in jedem Fall das Internet und den Duden, wenn ihr Euch nicht 100% sicher seid. Als kleiner Tipp, es bietet sich an, die Kapitel auch einmal in zufälliger Reihenfolge aufzupicken. Wenn ihr immer ganz vorne mit der Fehlersuche anfangt und bspw. an einem Tag Kapitel 1-5 durchgeht und am nächsten 6-10, dann werdet ihr immer ab Kapitel 4 oder 5 und 9 oder 10 müde und unaufmerksam werden. Das heißt die Fehler in diesen Kapiteln werden signifikant häufiger übersehen. Also auch hier einfach mal mit Kapitel 4 anfangen oder mit Kapitel 9.

Check Nr. 7: Flow der gesamten Geschichte

Jetzt habt ihr einen hoffentlich möglichst fehlerfreien Text, der sprachlich gut gestaltet und konsistent ist und zudem noch einen roten Faden aufweist.

Nun kommt die Königsdisziplin: Der Flow der gesamten Geschichte. Auch hier kann es nicht schaden, das Manuskript 2-3 Wochen liegen zu lassen, bevor ihr Euch an den nächsten Check wagt.

Also was genau ist nun unter „Flow“ zu verstehen? Um einmal das Gabler Wirtschaftslexikon zu zitieren: „[Flow ist ein] besonders positives emotionales Erleben bei einer Tätigkeit, das dadurch charakterisiert ist, dass eine Person ganz auf ihr Tun konzentriert ist und darin aufgeht, sich selbst dabei vergisst, das Zeitgefühl weitgehend verloren ist („Die Zeit vergeht wie im Flug”).“ Fast jeder kennt diesen Zustand, das Gefühl in einem Tunnel zu sein, alles außer der Tätigkeit selbst verschwimmt und wird unwichtig. Im wahrsten Sinne des Wortes sind die Scheuklappen aufgesetzt. Willkommen im „Flow“. Genau diesen Zustand soll der Leser Deines Buches möglichst von vorne bis hinten erreichen. Aber was sind Dinge, die den Flow hervorrufen? 1. Klarheiten und Konsistenzen in der Geschichte und im Schreibstil. 2. Ein einfaches Leseerlebnis durch unkomplizierte und klare Sätze, Storyelemente und Handlungen. Hierbei darf kompliziert nicht mit komplex verwechselt werden. Viele Geschichten werden erst durch ihre Komplexität besonders, aber sie sollten dabei niemals unnötig kompliziert sein (siehe Check Nr. 3). 3. Der Leser sollte sich in Deinen Text möglich gut einfühlen können. Hierbei sind der Schreibstil und die Lesegeschwindigkeit essentiell.

Als nächstes sollte in diesem Schritt noch einmal der Spannungsbogen gecheckt werden (siehe Teil 3: „Handwerkszeug eines Schriftstellers“). Wie viel Zeit vergeht am Anfang der Geschichte bis ein bestimmtes Spannungslevel aufgebaut ist? An welchem Punkt ist die Spannung am höchstens? Wie schnell fällt die Spannung nach dem Höhepunkt wieder ab? Auch hier gilt es den Leser bei Laune zu halten. Es geht also immer darum, dass die Geschichte spannend ist und sich trotzdem gleichzeitig mühelos und rund anfühlt. Hört sich kompliziert an? Ist es auch, denn oft fühlen sich einzelne Passagen gar nicht rund an, aber man weiß einfach nicht so genau weshalb. Es ist einfach ein Gefühl. In diesem Fall macht es Sinn andere Personen einmal Probelesen zu lassen und nach ihrer Meinung zu fragen.

Check Nr. 8: Flow der einzelnen Kapitel

Nun ist die Geschichte in sich in einem guten Flow! Meiner Erfahrung nach gibt es allerdings manchmal einen kleinen Zielkonflikt zwischen den „perfekten“ Kapiteln in einer isolierten Betrachtung und der „perfekten“ Story in ihrer Gesamtheit. Ihr können die Gesamtgeschichte so weit optimieren, dass es für ein Leseerlebnis am Stück eine super Geschichte ist, allerdings müsst ihr dabei berücksichtigen, dass nur die wenigstens Leser die Zeit oder Konzentrationsfähigkeit haben einen etwas längeren Roman an einem Stück zu lesen. Das heißt, wenn ihr jetzt alles in Bewegung gesetzt habt, um die Gesamtgeschichte zu optimieren, bleiben vllt. manchmal einzelne Kapitel etwas auf der Strecke. Nehmen wir nun einmal an, der durchschnittliche Leser liest zwischen 50 und 100 Seiten an einem Tag. Wie verhält es sich mit dem Flow, wenn der Leser hier stoppt und wie gut kommt er wieder in die Geschichte rein, wenn er 2-3 Tage später genau dort wieder ansetzt. Dies sind alles Fragen, die man im letzten Check noch einmal aufgreifen kann, um das bestmögliche Lesererlebnis hinzubekommen. Ich bin mir sicher, dass es auch andere Meinungen zu diesem Thema gibt, die sicherlich ebenfalls ihre begründeten Vor- und Nachteile haben, jedoch glaube ich persönlich, dass es hier auf ein gesundes Mittelmaß zwischen einem guten Flow der Einzelkapitel und der Gesamtgeschichte ankommt. Wenn Ihr nur die einzelnen Kapitel optimiert, kann dies auf Kosten der Gesamtgeschichte geben. Wenn ihr nur die Gesamtgeschichte optimiert, kann darunter das einzelne Kapitel leiden, was für eine normale Lesesession von vllt. 50 bis 100 Seiten nicht zu vernachlässigen ist. Im Zweifel würde ich immer zu Gunsten der Gesamtgeschichte entscheiden, jedoch sollte man es hier nicht übertreiben und auch berücksichtigen, dass Leser oftmals nach 3-4 Kapiteln den ersten Stopp machen, manch einer nimmt sich sogar vor, jeden Tag ein Kapitel zu lesen. Somit war es mir hier im letzten Check noch einmal wichtig für das Thema zu sensibilisieren.

Checkübergreifend ist natürlich noch einmal deutlich zu erwähnen, dass ich selbstverständlich auch während anderen Checks noch Rechtschreib- oder Grammatikfehler verbessere, wenn ich sie zufällig finde oder hier und da mal den Schreibstil anpasste. Aber die Idee an sich ist es, ein klares Hauptziel bei jedem Check zu haben und sich auf dieses Ziel primär zu fokussieren, was Eure Überarbeitung erheblich genauer und besser macht, als alles auf einmal zu wollen.

Wenn Ihr jetzt denkt: „Wow, das hätte ich mir irgendwie etwas einfacher vorgestellt!“ dann habe ich jetzt noch einen kleinen Tipp für Euch. Folgende Checks:

Check Nr. 3: Roterfaden Check

Check Nr. 4: Feintuning des Schreibstils

Check Nr. 7: Flow der gesamten Geschichte

Check Nr. 8: Flow der einzelnen Kapitel

können und sollten immer wieder in weiteren Runden erneut durchlaufen werden. Solange bis Du wirklich zufrieden bist. Erst wenn ihr denkt es gibt nicht besser, dann geht es ab an die Probeleser. Hier würde ich Euch ebenfalls empfehlen, sucht Euch für jeden Check einen anderen Probeleser, der nur auf diesen einen Check achten soll und in diesem Bereich Eurer Meinung nach besonders gut ist. Im Anschluss erst 1-2 richtige Probeleser, die, nach der Einarbeitung der entdeckten Fehler, wie „wirkliche Leser“ lesen. Es kann also nicht schaden einen großen Freundeskreis zu haben. 😊

Um Euch eine kleine Zeiteinschätzung zu geben. Die verschiedenen Checks und Probeleserunden haben bei meinem Roman „Notizen eines Gewinners“ etwas mehr als 2 Jahre in Anspruch genommen. Dies geht selbstverständlich schneller bei hauptberuflichen Schriftstellern oder mit etwas mehr Übung, aber schon alleine die Möglichkeit das Manuskript einmal 1-2 Monate unberührt liegen zu lassen und frisch in eine neue Checkrunde zu starten, verbessert die Qualität Eures Romans enorm.

Ich hoffe, ich konnte Euch auf dem Weg zu Eurem Roman mit dem heutigen Beitrag zur Manuskriptüberarbeitung etwas weiterhelfen. 😊

Liebe Grüße und bis zum nächsten Teil von „How to write a Novel“, in dem wir folgendes Thema etwas genauer beleuchten werden „Das Exposé und vieles mehr“.

Gerrit C. Paulson