How to write a novel? Teil 6 – Ein Verlag muss her oder doch nicht

In der heutigen Woche wartet Teil 6 unserer Serie „How to write a novel“ auf Euch, in dem wir uns mit dem Thema „Ein Verlag muss her oder doch nicht“ auseinandersetzen. Sicherlich ein Thema, an dem kein angehender Autor vorbeikommt. Das Ziel dieses Beitrags ist es nicht den perfekten Weg aufzuzeigen, sondern vielmehr die Erfahrungen mit Euch zu teilen, die ich in den letzten Jahren gemacht habe, sowohl im Selfpublishing, als auch als Verlagsautor. Zudem glaube ich, dass es zunächst einmal wichtig ist, einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten zu bieten, um abschätzen zu können, welcher Weg für Dein Projekt der Richtige sein könnte.

Wir gehen also davon aus, dass Dein Roman und die wichtigsten Nebentexte (siehe Teil 5 – Das Exposé und vieles mehr) bereits fertiggestellt, richtig formatiert und bis zur Perfektion überarbeitet sind. Der nächste Schritt heißt also: Die Veröffentlichung!

Was für Möglichkeiten habe ich denn? Für wen lohnt sich Selfpublishing und für wen eher ein Verlag? Und welche konkreten Herangehensweisen gibt es, um den einen oder den anderen Weg zu gehen? Diese drei Fragen stehen im Zentrum des heutigen Blogbeitrags. Ich freue mich sehr, dass wir zudem einen echten Profi als Gast für diesen Beitrag gewinnen konnte: Kim Walla vom renommierten Kamphausen.Media Verlag hat tiefgreifende Erfahrung im Selfpublishing und im Verlagswesen gemacht und teilt ihre Erfahrung mit uns.

„Selfpublishing hat mich ein gutes Jahr lang begleitet – nicht als Autorin, sondern als Autorenbetreuerin. Tagtäglich durfte ich in unserem ehemaligen Selfpublishing-Bereich tao.de Menschen dabei helfen, ihr eigenes Buch in die Welt zu bringen – eine schöne Erfahrung, die aber oftmals durch die Überforderung der Selfpublisher getrübt wurde. Mittlerweile bin ich für das Online-Marketing und den Social Media Bereich bei Kamphausen Media zuständig, um dort Titel zu vermarkten, die Teil unseres Verlagsprogramms sind. Mir sind also beide Arten der Veröffentlichung bekannt und ich konnte in den letzten zwei Jahren immer wieder die positiven, aber auch negativen Seiten beider Varianten erleben und hinterfragen.“

Ab dem zweiten Teil dieses Beitrags, findet ihr Kommentare von Kim, die ihr daran erkennt, dass sie eingerückt und in Anführungsstriche gesetzt sind. Ich freue mich sehr über ihre Expertise und bedanke mich bereits an dieser Stelle ganz herzlich!

 

Aller Anfang ist schwer

Ich erinnere mich noch genau, wie viele Fragezeichen über meinem Kopf herumschwirrten, als mein Manuskript endlich fertig war und ich mich auf die Suche nach Möglichkeiten für eine Veröffentlichung gemacht habe. Die Online-Foren sind voll mit Beiträgen von schlauen Menschen, die Dir natürlich alle mit 100% Genauigkeit sagen können, dass Selfpublishing oder das Verlagswesen das einzig wahre sei. Sinn und Zweck dieses Blogbeitrags ist es nicht, das nächste von tausend Plädoyers für die eine oder die andere Seite zu halten, sondern angehende Schriftsteller zu informieren und von meiner direkten, eigenen Erfahrung zu berichten. Fangen wir also einmal mit den Verlagen an, denn dies war damals meine erste Anlaufstelle, um meinen Roman zu veröffentlichen.

Der Verlag

Ein Verlag ist nichts weiter als ein Wirtschaftsunternehmen, das (literarische) Werke vervielfältigt und verbreitet. Der erste Vorteil den solch ein Verlag für Euch bietet, ist die volle Kostenübernahme. Alle anstehenden Dienstleistungen, um einen Roman für die Bücherregale aufzubereiten und zu bewerben, werden von ernstzunehmenden Verlagen ausnahmslos getragen. Falls ein Verlag dies nicht bieten kann, solltet Ihr ihn unbedingt von Eurer Liste streichen! Hier reden wir von folgenden Dingen: Lektorat (für die sprachliche Perfektion), Korrektorat (um letzte Fehler in Rechtschreibung und Grammatik auszubessern) und Coverdesign, damit das Buch überhaupt erscheinen kann. Darüber hinaus wird auch das Werbebudget (Online und Offline Marketing) und die Vertreterreisen in Buchhandlungen (Direktvertrieb) vom Verlag übernommen. Hier sprechen wir von Kosten, die alleine einen hohen vierstelligen Betrag ausmachen können. Unter dem Punkt „Selfpublishing – Nachteile“ mache ich gerne noch einmal eine detaillierte Rechnung für Euch auf. Meine Hauptmotivation bei der möglichen Veröffentlichung über einen Verlag war es also, die hohen Anfangsinvestitionen (welche ich als Studenten damals schlechtweg nicht aufbringen konnte) nicht tragen zu müssen.

Als zweiten Grund wollte ich neben den Kosten ebenfalls Zeit sparen. Wie schön es doch ist, sich in seiner Freizeit ausschließlich auf das zu konzentrieren, was man gerne macht, nämlich das Schreiben. Sich neben dem Studium keine zweite Verpflichtung mit Buchmarketing und Buchvertrieb aufzubürden und dafür vielleicht sogar schneller mit dem nächsten Roman fertig zu werden. Der Verlag wird schon alles regeln, dafür kriegt er ja auch ein Stück von Kuchen. Sicherlich stimmt diese Argumentation teilweise, dennoch ist sie im Rückblick doch etwas naiv von mir gewesen. Angetrieben von der Euphorie, die so ein fertiggestelltes Buch mit sich bringt, wollte ich die wirklich schwere und zeitintensive Arbeit (nämlich die Vermarktung) einfach auslagern. Ich finde es wichtig, dies so ehrlich und selbstreflektiert wie möglich zu sagen, da viele die Autorenschaft im Verlag so wahrnehmen, als wenn der Schriftsteller nichts mehr tun müsse, außer Schreiben und sich zurücklehnen. Dies entspricht allerdings absolut nicht der Realität (oder besser gesagt: sollte nicht der Realität entsprechen). Was der Verlag Euch realistisch gesehen bieten kann, sind folgende 3 Dinge:

  1. Viel spezifisches Knowhow (bspw. im Marketing und Vertrieb),
  2. Ein Netzwerk (bspw. durch große Mailverteiler oder Pressekontakten)
  3. Manpower (bspw. im Direktvertrieb).

Was ihr allerdings daraus macht, liegt bei Euch. Fangen wir mal mit Punkt 1 an, denn es gibt einfach Dinge, von denen man als normaler Autor keinen blassen Schimmer hat. Zum Beispiel rechtliche Fragen (Wann liegen Urheberrechtsverletzungen vor? Welche Buchtitel sind bereits geschützt?), Fragen zum Vertrieb (Wie komme ich an die großen Buchhändler ran?) oder zum Marketing (Wie kann ich effizientes Online und Offline Marketing betreiben?). Bei all diesen Dingen liegt die Expertise ganz klar bei dem Verlag, da dieser sich seit seiner Gründung Tag für Tag um nichts anderes kümmert. Von diesem Knowhow kann man selbstverständlich als Verlagsautor enorm profitieren. Punkt 2, das Netzwerk ist entscheidend, wenn es darum geht, den Roman bekannt zu machen. Verlage können mit nur einer Mail oder mit nur einem Newsletter zehntausende Kontakte erreichen, die meist sogar noch zielgruppenspezifisch sind. Zudem haben Verlage meist Kontakt zu sogenannten Multiplikatoren, die einen Roman schnell bekannt machen können (bspw. Influencer, Buchkritiker, usw.), dies ist ohne Verlag meist nur sehr eingeschränkt möglich. Und Punkt Nr. 3, die Manpower im Direktvertrieb (Vertreter die von Buchhandlung zu Buchhandlung gehen) als entscheidender Faktor. Hier arbeiten nun viele sehr gut ausgebildete Personen gleichzeitig daran, Dein Buch in den Buchhandlungen zu platzieren. Diese Personen haben oft jahrelange Beziehungen zu den Buchhandlungen etabliert und verkaufen Deinen Roman ohne große Mühe, während man als unbekannter Autor bei Buchhandlungen meist auf Granit beißt (siehe Nachteile Selfpublishing). Darüber hinaus ist der Autor oft alleine, während die Vertriebler im Verlag ein ganzes Team bilden und somit oftmals den gesamten deutschsprachigen Raum im Direktvertrieb abdecken können.

Wenn wir uns allerdings einmal die Nachteile eines Verlags anschauen, sehen wir schnell, dass wir diesen erheblichen Mehrwert nicht geschenkt bekommen. Als Verlagsautor gibt es zum einen Einschränkungen in der künstlerischen Freiheit und zum anderen solltet ihr einiges in der Zusammenarbeit mit Verlagen auf dem Schirm haben. Dies alles natürlich unter der Voraussetzung, dass ihr überhaupt die Möglichkeit bekommt, mit einem Verlag zusammenzuarbeiten.

Und dort liegt auch schon der erste Nachteil. Ein Verlag kriegt einfach verdammt viele Manuskripte! Bei den großen Verlagen sicherlich ein paar hundert im Monat. Nun stellt Euch mal einen Lektor vor, der nach zwei Wochen Urlaub zurück ins Büro kommt und 50 Einreichungen auf seinem Schreibtisch liegen hat, die jeweils aus 1 Seite Anschreiben, 1 Seite Exposé und 20 Seiten Leseprobe bestehen. Sprich 1.100 Seiten und täglich kommen 2 neue Manuskripte hereingeflattert, während man den riesigen Berg vor sich gerade erst abarbeitet. Hierdurch bekommst Du vielleicht einen kleinen Eindruck, weshalb manche Verlage auf ihrer Homepage schreiben „Bitte melden Sie sich nicht bei uns, wir melden uns bei Ihnen“. Mehr dazu weiter unten im Text, wenn wir uns anschauen, wie man am besten mit Verlagen umgehen sollte. Dieses kleine Rechenbeispiel zeigt deutlich, dass Du nicht der einzige bist, der sein Manuskript einreicht und erklärt ganz gut, weshalb auch großartige Geschichten wie „Harry Potter“ manchmal nicht richtig eingeschätzt und gescoutet werden. Zusammengefasst: die Chance, dass der Verlag Deine Bewerbung wirklich ausführlich prüft und dann das gesamte Manuskript anfordert, ist aus zweierlei Gründen recht gering: 1. Verlage haben viel zu wenig Zeit für viel zu viele Manuskripte 2. Die Konkurrenz ist extrem groß und sorgt für eine Überflutung des Angebots. Die Situation mag bei kleineren Verlagen etwas weniger dramatisch sein, es handelt sich aber dennoch um ein verlagsübergreifendes Problem, dessen sich jeder Autor bewusst sein sollte.

Realistisch gesehen ist es also schwierig, aber nicht unmöglich, diese erste Hürde zu nehmen. Wenn die Geschichte direkt überzeugt, den Nerv der Zeit trifft und man an den richtigen Lektor gerät, eröffnet sich das ein oder andere mal jedoch die Chance, das gesamte Manuskript einzuschicken. Nimmt der Verlag das Manuskript nach einer ausführlichen Prüfung an, kann die Reise losgehen. Und sie startet üblicherweise mit einem Autorenvertrag (mehr dazu im Teil 7 unserer Serie), der nicht nur die Honorare regelt, sondern auch in der Regel dafür sorgt, dass Du einige Mitbestimmungsrechte für bestimmte Ausgestaltungsmöglichkeiten deines Romans verlierst. Hierbei geht es meist um das Coverdesign oder den Buchtitel. Also mit einer gewissen Einschränkung Eurer künstlerischen und unternehmerischen Freiheit solltet ihr an dieser Stelle rechnen (bspw. wird es nicht möglich sein, dass ihr den Preis eures Romans noch frei bestimmen könnt). Hier kommt es allerdings sehr stark auf den jeweiligen Verlag an, wie viel du selbst noch in der Hand hast (mehr dazu bei den Vorteilen des Selfpublishings).

An dieser Stelle ist es mir ebenfalls noch einmal wichtig, in einem weiteren Punkt Erwartungsmanagement zu betreiben. Die Aufnahme in einen Verlag bedeutet keineswegs, dass dein Buch automatisch erfolgreich wird. Dir muss klar sein, dass du ein Buchtitel unter hunderten oder tausenden bist, die vom Verlag vertreten werden. Realistisch gesehen wirst du also 1/1000, bei Neuerscheinungen vllt. für eine kurze Zeit 1/20 der Aufmerksamkeit bekommen, die der Verlag bieten kann. Das heißt ein Online Marketing Manager wird sich rein rechnerisch 0,3 von 365 Tagen im Jahr um Dein Buch kümmern können. Gibt es in deinem Verlag drei Online Marketing Manager immerhin fast 1 von 365 Tagen usw.. Was ich mit dieser (sicherlich etwas übertriebenen) Darstellung sagen möchte: Ein Verlag hat viele Pferde im Stall. Dem Verlag zu zeigen, dass Euer Pferd es wert ist, darauf zu setzen, bedarf Eigeninitiative (bspw. die Organisation von eigenen Lesungen, die vom Verlag unterstützt werden, oder selbstorganisierte Presseartikel, die im Veralgsnewsletter aufgenommen werden, usw.). Du solltest (und musst) also auch als Verlagsautor weiter aktiv sein und kannst dich keinesfalls zurücklehnen. Nur ganz wenige Autoren sind in der luxuriösen Situation, nur noch schreiben zu können und diese haben die harte Arbeit ganz sicher Jahre zuvor bereits ziemlich intensiv betrieben. Wenn es Dein einziger Anspruch ist, das Buch für dein eigenes Bücherregal geschrieben zu haben, ist das vollkommen legitim und dann brauchst du dir selbstverständlich keinen Arm ausreißen. Ich gehe aber für diesen Beitrag eher vom Normalfall aus, dass Du ein Autor bist, der sein Buch unter die Menschen bringen möchte. Denn in diesen Fall, gibt es nur den etwas steinigen Weg, der selbst als Verlagsautor viel Eigeninitiative verlangt.

Wenn wir auf die finanzielle Seite zu sprechen kommen, ist es ganz klar, dass ein Verlag auch an Deinem Titel Geld verdienen möchte. Der Verlag stellt also, wie oben beschrieben, das 1. Knowhow, 2. das Netzwerk und 3. die Manpower und behält dafür einen Teil vom Nettoladenpreises ein. Wenn wir einmal eine vereinfachte Rechnung für meinen Roman „Notizen eines Gewinners“ exemplarisch aufmachen:

16,00 € Bruttoladenpreis

-1,22 € (9% Steuern)

=     14,88 € Nettoladenpreis

-2,00 € (Druckkosten)

-7,44 € (50% Marge der Buchhandlung und Versand)

-1,04 € (7% Autorenprovision)

=     4,40€

Dann sehen wir, dass am Ende gar nicht mehr so viel übrig bleibt. Von diesen 4,40€ pro Exemplar (ca. 30% des Nettoladenpreises) muss der Verlag nun alle Werbemaßnahmen, Personal, Büromiete, usw. bezahlen, die unerlässlich sind, damit Dein Buch beworben werden kann. Ich würde also schätzen, dass der Nettogewinn des Verlags kaum höher als die Autorenprovision von 7%-10% ist. Ich möchte daher den Umstand, dass man etwas an den Verlag abdrücken muss nicht als negativ bewerten, da ich glaube, dass die Leistung, die man im Gegenzug dafür erhält wirklich fair ist!

Um in einem Verlag aufgenommen zu werden, bedarf es also großer Anstrengung und sehr viel Durchhaltevermögen. Und selbst wenn diese beiden Dinge gegeben sind, klappt es oftmals trotzdem nicht auf Anhieb. Hier solltet ihr also Durchhaltevermögen in der Bewerbungsphase an den Tag legen.

Es gibt da allerdings noch eine weitere Möglichkeit, sich Verlagen indirekt anzunähern, und zwar über einen Literaturagenten. Literaturagenten sind sozusagen Vermittler zwischen Autoren und Verlagen, die sehr gute Kontakte haben. Die Bewerbung läuft fast äquivalent zu der Verlagsbewerbung ab, mit dem Unterschied, dass die Wahrscheinlichkeit bei einem Literaturagenten Gehör zu finden, gefühlt etwas größer ist. Manche Literaturagenten sind selbstständige Einzelpersonen, andere arbeiten in großen Agenturen, was natürlich ein Indiz dafür ist, dass ihr Netzwerk auch erheblich umfangreicher ausfällt. Durch dieses Netzwerk wissen die Agenten oft ganz genau, welcher Verlag gerade an welchen Themen interessiert ist. So können Sie beide Parteien zielgerichtet zusammenbringen. Aus Verlagssicht, liegt der Vorteil natürlich auch auf der Hand. Literaturagenten nehmen ein Vorscreening vor, was es den Verlagen bei der Vielzahl von Manuskripten einfacher macht, relevante Einreichungen zu identifizieren. Literaturagenten können aber nicht nur vermitteln, sondern auch bei den Vertragsverhandlungen helfen, da sie meist viel Erfahrungen mit den juristischen Feinheiten der Verträge haben. Es gibt also auch hier einige gute Gründe, weshalb dieser Weg eine weitere Option darstellen könnte. Natürlich sind diese ganzen Vorzüge nicht umsonst, Literaturagenten sind üblicherweise mit 10% bis 15% am Gewinn beteiligt.

Wie bewerbe ich mich bei Verlagen?

Der einfachste Weg geht über eine möglichst umfangreiche Verlagsliste (bspw. die des deutschen Schriftstellerforums), in der fast alle deutschsprachigen Verlage aufgeführt sind. Diese Liste solltet ihr einmal systematisch durchgehen und die passenden Verlage für Euch raussuchen. Relevante Kriterien sind, dass Euer Roman bestmöglich in das Programm passt, also das Genre vom jeweiligen Verlag abgedeckt wird und dass der Verlag aktuell überhaupt Manuskripte zur Prüfung annimmt. Sind diese beiden Kriterien erfüllt, solltet ihr die relevanten Verlage untereinander in eine Excelliste eintragen. Hab ihr nun alle Verlage aufgelistet, macht es Sinn die Verlage zu ranken: Welcher Verlag bietet die meisten Bücher meines Genres an? Welcher Verlag passt von der Größe her am besten zu mir? usw. . Nun habt ihr also eine Liste von relevanten Verlagen, geordnet nach Passgenauigkeit (ganz oben stehen die Verlage, die am besten zu Euch passen, ganz unten eher die Notlösungen). Anschließend empfehle ich Euch Gruppen zu bilden (von oben angefangen), die jeweils aus 5 bis maximal 10 Verlagen bestehen. Sucht Euch für alle Verlage, die in der ersten Gruppe (höchste Passgenauigkeit) sind, die Informationen zu den benötigten Dokumenten auf der Homepage heraus und stellt diese zusammen (siehe Teil 5: Das Exposé und vieles mehr). Alleine mit dieser ersten Gruppe werdet ihr etwas beschäftigt sein, weil jeder Verlag leider etwas andere Dokumente verlangt (oder zumindest andere Variationen). Nun fehlen lediglich die Adressen und Eure ersten Exposés und Leseproben machen sich auf den Weg. Jetzt heißt es warten, warten, warten. Im schlechtesten Fall (und das ist leider der Regelfall) kommt keine Reaktion, Ihr ruft nach ca. 4 Monaten noch einmal beim Verlag an, werden abgewimmelt und tragt in Eure Excel-liste dick und fett „ABSAGE“ ein. Mit ein bisschen Glück bekommt ihr allerdings auch das ein oder andere Mal eine Antwort, die entweder eine Absage beinhaltet (so gut wie immer ohne Begründung und mit explizitem Hinweis, bitte nicht weiter nachzufragen) oder es wartet der seltene Hauptgewinn: Der Verlag fordert das gesamte Manuskript an. Aus mehreren Gründen würde ich Euch empfehlen, das ganze Gruppenweise zu machen. 1. Man verliert ansonsten sehr schnell den Überblick. Da man nur eine Chance bei jedem Verlag hat, ist es sehr ärgerlich, wenn sich hier kleine Fehler einschleichen, die dazu führen, dass ihr direkt aussortiert werdet! 2. Die Situation, dass man aus der Not heraus einen Vertrag mit einem Verlag eingeht der nicht wirklich zu einem passt, obwohl ein Top Verlag Monate später ebenfalls ein Angebot unterbreitet hätte, kann man hiermit umgehen. (vllt. aber auch wieder etwas naiv von mir, gleich von zwei Zusagen gleichzeitig auszugehen. 😀 ) 3. Viele Verlage sehen es nicht gerne, wenn das Manuskript bei zu vielen Konkurrenten gleichzeitig unterwegs ist. In wenigen Fällen muss man sogar angeben, wo das Manuskript vorher eingereicht wurde oder ob es sich aktuell noch woanders in der Begutachtung befindet.

Ich habe gute Erfahrung damit gemacht, vorher beim Verlag sehr nett und freundlich anzurufen und nachzufragen, ob ich mein Manuskript einreichen dürfte, wann denn der beste Zeitpunkt wäre oder ob es möglich wäre, sich auch einmal persönlich vorzustellen. Hier sollte man wirklich alle Register ziehen, um auf sich aufmerksam zu machen (jedoch auf keinen Fall auf eine Art und Weise, die als nervig empfunden wird. Hier ist Feingefühl entscheidet, sonst wandert Euer Manuskript direkt in die Papiertonne!).

Ist die erste Gruppe abgearbeitet, folgt Gruppe Nr. 2 usw. so kann sicherlich das ein oder andere Jahr verstreichen. Es kommt also ganz klar auf die Ausdauer an, wenn ihr Euch entscheidet auf einen Verlag zu setzten. Es soll Ausnahmefälle geben, aber in der Regel ist es ein recht langer Prozess.

Das Selfpublishing

Die Alternative, um Deinen Roman an den Mann zu bringen, ist also ganz klar das Selfpublishing. Aber was genau ist Selfpublishing? Es ist nichts weiter als die Veröffentlichung in einem Selbstverlag, wobei der Autor selbst als Verlag auftritt. Dies lässt sich am Einfachsten über Plattformen, wie bspw. Tredition oder Book on Demand, die gegen eine überschaubare Gebühr beim Veröffentlichungsprozess helfen, realisieren. Kim Walla, unsere Expertin vom Kamphausen.Media Verlag, sieht einige Vorteile, bei der Veröffentlichung im Selfverlag:

„Ein klarer Vorteil beim Selfpublishing ist natürlich: Im Prinzip kann jeder Autor sein. Man muss kein Standing in der Welt der Literatur vorweisen können, um sein Buch ohne Umwege veröffentlichen zu können. Während man sich als angehender Autor im Verlag auf eine oftmals mehrmonatige Prüfung des Manuskripts einstellen muss, ist die Veröffentlichung via Selfpublishing in wenigen Tagen bis Wochen realisierbar. Ein weiterer Vorteil darüber hinaus ist, dass einem niemand in die Gestaltung des eigenen Buchs reinredet. Cover und Innenteil können also genau so angefertigt werden, wie man es sich während des Schreibens immer vorgestellt hat. Im Verlag hat man in der Regel kein Mitspracherecht, was die Innen- und Außengestaltung des Buchs angeht. Die kleineren Verlage gehen durchaus noch auf Wünsche und Vorschläge der Autoren ein und halten regelmäßig Rücksprache, aber die größeren Verlage nehmen den grafischen Teil komplett selbst in die Hand. Je nachdem, wie die Verträge lauten, kann es sogar sein, dass der Verlag einen ganz anderen Titel für das Buch wählt – auch in der Hinsicht verliert man als Autor sehr viel Autonomie. Ein Entfremdungsprozess vom eigenen Buch ist also, insbesondere bei größeren Verlagen, kaum zu vermeiden.“

Was zudem ein Vorteil im Selfpublishing ist, meist sind die Provision etwas höher, da die oben errechneten ca. 30% an den Verlag ausbleiben. Darüber hinaus habe ich es als sehr spannend und erfrischend empfunden, einmal den gesamten Prozess einer Bucherstellung und Veröffentlichung hautnah mitzuerleben und in jeder Phase neue Themengebiete kennenzulernen. Selfpublishing heißt natürlich auch, in bestimmten Bereichen eine Expertise aufzubauen, mit denen man sich vorher so gut wie gar nicht beschäftigt hat (bspw. rechtliches zum Titel, Pseudonym, Copyrightverletzungen in Texten oder Bildern oder die Preisfindung für einen Roman). Wahrscheinlich ist das Resultat bei großen Verlagen etwas professioneller, aber man kann als Autors nur selten an dem gesamten Prozess teilhaben. Unsere Expertin Kim Walla, betont noch einmal, dass Zeit, Geld und die Fertigkeiten, die ein Autor mitbringt, im Selfpublishing entscheidende Größen sind:

„Die Fertigstellung eines Buchs erfordert extrem viel Zeit und kostet Geld. Wer Hilfe beim Innensatz und der Cover-Gestaltung braucht, muss auf jeden Fall Kosten für einen Grafiker und Lektor einplanen. Klar im Vorteil sind die Autoren, die sich mit Word und Bildbearbeitungsprogrammen gut auskennen und die jemanden in ihrem Umfeld haben, der sowohl eine formale als auch inhaltliche Korrektur vornehmen kann. An der Stelle können also einige Kosten gespart werden. Dennoch bleibt der Preis für das Veröffentlichungspaket, der – je nach Anbieter – ganz unterschiedlich ausfallen kann. Wer sein Buch im Verlag veröffentlicht, hat keinerlei Kosten zu tragen. Verlage arbeiten mit internen oder externen Grafikern, Herstellern und Lektoren zusammen, die sich um die Fertigstellung des Buchs kümmern.“

Hier zeigt sich der wohl größte Nachteil, mit dem ich ebenfalls bestens vertraut bin: Die hohe Anfangsinvestition (Zeit und Geld), um ein wirklich professionelles Buch hervorzubringen. Wenn ich einmal die Rechnung aufmache, wie viel Geld in die Vorarbeiten zur Veröffentlichung meines ersten Romans geflossen ist, dann sieht man recht schnell, dass es etwas dauert, bis die höhere Provision im Selfpublishings, die Startinvestition wieder reinholt:

Lektorat: 2000€

Korrektorat: 500€

Coverdesign: 2000€

Wenn du jetzt denkst, 4500€ sei viel Geld für eine Veröffentlichung, dann möchte ich an dieser Stelle noch einmal erwähnen, dass ein Marketingbudget als Selfpublisher von ca. 300€ im Monat (bspw. Drucken von Flyer, Organisieren von Lesungen, Freiexemplare an Multiplikatoren schicken, Internetseite einrichten, Online/Offline Werbung) noch recht knapp bemessen ist, sodass man grob mit 6000€ Anfangsinvestition für die ersten 6 Monate rechnen kann. Auch Kim Walla berichtet, dass der Kostenfaktor immens sein kann und der Weg über einen Verlag oft finanziell vorteilhafter sein kann, gerade wenn es um die Bekanntmachung des Buches geht:

„Der Kostenfaktor spielt dann später bei der Vermarktung des Buchs noch einmal eine ganz besonders große Rolle. Wenn ein Buch in das Verlagsprogramm aufgenommen wird, arbeitet die Marketingabteilung direkt an einer Kampagne. Für jeden Titel existiert ein festes Budget, das für unterschiedliche Werbemaßnahmen eingesetzt werden kann. Wer sein Buch selbst vermarktet, muss all diese Kosten selbst tragen. Und was noch hinzukommt: Es muss erst einmal ein Netzwerk aufgebaut werden. Als Selfpublisher muss ich mich also darauf einstellen, im Social Media Bereich aktiv zu sein, eine Homepage zu erstellen und Lesungen zu organisieren. Als Verlagsautor fallen diese drei großen Punkte zwar nicht weg, aber zumindest wird der Titel zusätzlich vom Verlag mitbeworben, sodass sogar im besten Fall ertragreiche Synergien entstehen. Und der Autor hat immer die Möglichkeit, auf Kontakte des Verlags zurückzugreifen und davon zu profitieren.“

Neben den immensen Kosten, spielt (wie bereits kurz erwähnt) die zur Verfügung stehende Zeit eine entscheidende Rolle. Falls du einen zeitintensiven Hauptberuf hast, ist es wahrscheinlich schon alleine von der Zeitkapazität her gar nicht möglich, im Selfpublishing die notwendige Manpower aufzubringen. Sind deine Wochenende frei, bist ein Student oder vllt. sogar bereits pensioniert, spielt die Zeit wahrscheinlich eher eine untergeordnete Rolle. Hier kommt es also ganz auf die persönliche Situation (und finanzielle Lage) an, mit welchem Model Du besser fährst. Zudem sollte man für das Selfpublishing auch ein Typ sein, der bereit ist, sein Produkt aktiv an den Mann zu bringen. So beschreibt auch unsere Expertin Kim Walla noch einmal, dass erfolgreiche Selfpublisher neben den Zeitressourcen bestimmte Persönlichkeitseigenschaften mitbringen müssen, vor allem wenn es um den Vertrieb des Buches geht:

„Als Selfpublisher bin ich größtenteils selbst gefragt, mein Buch in die Buchhandlungen zu bekommen. Wer sich für diesen Weg entscheidet, darf sich nicht davor scheuen, in Buchhandlungen aktiv und energisch Werbung für sein eigenes Buch zu machen. Im Verlag kümmern sich primär die Vertreter um den Verkauf des Buchs. Sie wenden sich mit der aktuellen Verlagsvorschau an Buchhändler und präsentieren ihnen die neuesten Titel. Zusätzlich werden regelmäßig Newsletter an ein (teilweise länderübergreifendes) Buchhändlernetzwerk versendet, die auf Neuerscheinungen, aber auch auf aktuelle Kampagnen und Veranstaltungen der Autoren Bezug nehmen. Das Netzwerk und die Werbemaßnahmen eines Verlags sind also nicht zu unterschätzen. Als Selfpublisher muss mir bewusst sein, dass die gesamte Vermarktung ganz allein bei mir liegt.“

Unsere Expertin fasst ihr Urteil folgendermaßen zusammen:

„Für kreative und kontaktfreudige Menschen, die sich gerne in den sozialen Netzwerken bewegen und Zeit für ein intensives Marketing haben, ist Selfpublishing eine gute und vielleicht sogar empfehlenswerte Alternative zum Verlagsprogramm. Allen anderen kann man aber eigentlich nur ans Herz legen, sich erst einmal an einen Verlag zu wenden.“

Und auch ich bin der Meinung, dass Selfpublishing sich eher für Menschen eignet, die etwas mehr Zeit zur Verfügung haben, Spaß daran haben, ein Netzwerk (sowohl Online als auch Offline) aufzubauen und offen dafür sind Kaltakquise zu betreiben. Zudem schadet es nicht, gewisse Fähigkeiten (bspw. Grafikdesign, Programmierkenntnisse zum eigenständigen Erstellen einer Homepage, usw.) und ein finanzielles Polster mitzubringen.

Falls ihr allerdings wenig Zeit habt und es für Euch nicht so tragisch ist, ein Stück vom Kuchen und (im Regelfall) ein bisschen künstlerische und unternehmerische Entfaltungsmöglichkeit abzugeben, sollte ein Verlag, mit seinem großen Netzwerk und der Manpower, eher das richtige für Euch sein.

Meiner Einschätzung nach, besteht ein weiterer Unterschied darin, dass ihr beim Selfpublishing eine Menge Durchhaltevermögen für die Zeit nach der Veröffentlichung braucht, beim Verlag braucht ihr hingegen eher Durchhaltevermögen im Bewerbungsprozess. Beide Wege sind also alles andere als einfach, aber durchaus machbar.

Eine Möglichkeit, die ich gerne noch erwähnen möchte, um trotz knapper Zeitressourcen im Selfpublishing Fuß zu fassen: Stellt Euch ein Team zusammen, wenn ihr könnt! Falls ihr bereit seid eine etwas höhere Anfangsinvestition zu tätigen, ist es eine Überlegung wert, bestimmte Teilbereiche auszulagern und bspw. stundenweise einen Social Media Manger oder Vertriebler für die Buchhandlungen einzusetzen. Bis hin zum Aufbau eines kompletten Teams, das alle Bereiche (PR, Eventmanagement, Vertrieb, Online Marketing, usw.) abdeckt, sind dieser Idee keine Grenzen gesetzt.

Wie werde ich Selfpublisher?

Wie bereits beschrieben, gibt es im Selfpublishing keine eigentliche Bewerbung. Wenn Du mit Deinem Text, dem Titel und dem Cover zufrieden bist, suchst Du Dir eine geeignete Plattform aus und lädst Deinen Roman einfach hoch. So bist du innerhalb von wenigen Tagen gelisteter Autor.

Von Selfpublisher zum Verlagsautor

Um Euch mit meiner persönlichen Geschichte einmal ein konkretes Beispiel zu geben. Nachdem ich es zwei Jahre lang bei etlichen Verlagen probiert habe, jedoch nur sehr selten eine Rückmeldung bekommen habe, bin ich den Weg des Selfpublishings gegangen. Nach 6 Monaten harter Arbeit haben ich mir eine Social Media Präsenz, eine Homepage und eine Community mit über 1000 Mitgliedern aufgebaut, die dafür gesorgt hat, dass ein Verlag auf mich aufmerksam geworden ist. Ein paar Monate später unterschrieb ich meinen ersten Autorenvertrag. Dies war nur möglich, indem mir Freunde beim Vertrieb, Social Media und Eventmanagement geholfen haben. Ich habe also mit einem Team gearbeitet und einige Bereiche ausgegliedert, da es zeitlich für mich nicht anders möglich war.

Weshalb bin ich nicht beim Selfpublishing geblieben? Da ich lediglich nebenberuflich schreibe, war der Zeitaufwand im Selfpublishing auf Dauer einfach zu hoch. Man merkt schnell, dass man an seine Grenzen stößt. Vor allem der flächendeckende Offline-Buchvertrieb, ist ohne einen Verlag gar nicht zu realisieren.

Weshalb ist der Verlag auf mich zugekommen? Wenn Verlage sehen, dass Bücher bereits im Selfpublishing gut laufen, minimieren sie durch die Aufnahme des Buchs in ihr Programm natürlich ihr Risiko im Vergleich zu der Aufnahme eines noch nicht markterprobten Titels. Also eine echte Win-Win Situation.

Ich hoffe, ihr konntet wieder das ein oder andere für Eure Romanveröffentlichung mitnehmen und die Tipps und Erfahrungen auf Euren Roman übertragen. Und ich bin gespannt, wofür ihr Euch entscheidet: Verlag oder Selfpublishing?

Im nächsten Teil unserer großen Serie „How to write a Novel“ geht es um folgendes Thema „Von der Entscheidung zur Veröffentlichung“, bis dahin viel Spaß und Erfolg mit Euren Buchprojekten.

Euer

Gerrit C. Paulson