How to write a novel? Teil 7 – Von der Entscheidung zur Veröffentlichung

Nun sind wir schon bei Teil 7 unserer Serie angelangt, in dem wir uns mit den letzten Schritten kurz vor der Veröffentlichung beschäftigen. Für Verlagsautoren bedeutet das, sich mit dem Autorenvertrag ausgiebig auseinanderzusetzen, Verhandlungen zu führen und die Zusammenarbeit mit dem Verlag im Vorfeld abzusprechen. Für Selfpublisher bedeutet das, abzuwägen, ob neben der eigenen Prüfung des Manuskriptes noch einmal ein professionelles Lektorat und Korrektorat herangezogen werden sollte, wie das Buchcover erstellt werden sollte und noch ein paar weitere Dinge, auf die ich im Laufe näher eingehen werde.

Ihr seid also gefühlt nur noch einen Wimpernschlag von der Veröffentlichung entfernt. Nichtsdestotrotz solltet Ihr in dieser Phase sehr wachsam sein, da einige Fehler in den letzten Entscheidungen weitreichende Konsequenzen haben können.

Für angehende Verlagsautoren

Fangen wir einmal mit der Situation an, dass Du Dich für einen Verlag entschieden hast, der dein Manuskript eingängig geprüft und für gut befunden hat. Üblicherweise setzt ein Mitarbeiter vom Verlag oder die Rechtsabteilung nun einen Vertrag für Dich auf. Der Autorenvertrag regelt jedes Detail der Zusammenarbeit und ist nach Unterschrift rechtlich bindet. Was auch immer ihr hier unterschreibt, gilt also für viele Jahre und ist nicht so einfach rückgängig zu machen. Was steht eigentlich in solch einem Autorenvertrag und worauf sollte man achten? Gehen wir einmal die verschiedenen Absätze durch, mit denen ich in meinem Autorenvertrag konfrontiert war. Selbstverständlich können andere Verträge auch noch zusätzliche Abmachungen enthalten oder einige Punkte gar nicht aufgreifen, ich berichte lediglich auf Basis des Vertrags, den ich im Herbst 2019 vorgelegt bekommen haben.

  1. Der Vertragsgegenstand:

Hier wird festgehalten, dass ihr dem Verlag das Manuskript zur Veröffentlichung überlasst und ACHTUNG auch meist das Recht abgegeben, den Titel und das Cover frei bestimmen zu können. Dies wird meist etwas freundlicher ausgedrückt, bspw. durch den Wortlaut „… wobei dem Verlag im Falle von Meinungsverschiedenheiten das Recht zur letzten Entscheidung zusteht.“, meint aber nichts anderes. Um die Situation allerding einmal zu relativieren, als Sicht des Verlages macht es vollkommen Sinn, dieses Passus hier einzubauen. Autoren sind nun einmal in den meisten Fällen recht spezielle Vögeln, wenn nun jemand in einer nächtlichen Erleuchtung das Buch gerne: „Das Buch der Bücher, welches in jedes Regal gehört“ nennen möchte, muss sich der Verlag, dessen wirtschaftliche Existenz von guten Verkaufszahlen abhängig, selbstverständlich davor schützen. In kleinen Verlagen ist es oft so, dass gemeinsam nach einem Titel gesucht wird. Ihr dürft dabei nicht vergessen, dass der Vertrag nur für den Streitfall herangezogen wird. Wenn Euer Buchtitel gefällt und nicht zu ausgefallen ist, habt ihr gute Chancen, dass der Verlag von diesem Passus gar nicht erst gebrauch macht, er KANN aber.

  1. Werkumfang und Ablieferung:

Innerhalb des zweiten Absatzes, wird sowohl die Länge des Werkes als auch das Datum der Lieferung des vollständigen Manuskriptes festgehalten. Falls das Manuskript noch nicht ganz fertig ist oder von Euch für die Veröffentlichung überarbeitet werden soll, dann wird hier quasi die Deadline spezifiziert und was in dem Fall passieren soll, wenn Ihr die Deadline nicht einhalten könnt. Beim ersten Roman ist es allerdings meist der Fall, dass das Manuskript bereits vorliegt.

  1. Rechtseinräumung:

Hier räumt der Autor dem Verlag die Nutzungsrechte in allen Nutzungsarten ein. Aber was bedeutet das genau? Das bedeutet, dass der Verlag über alle Vertreibungsmöglichkeiten (egal ob Print oder elektronisch) bestimmen und ausdifferenzieren kann. Zudem sind auch zukünftige Verbreitungsmöglichkeiten, wie bspw. Übersetzungen in andere Sprachen, Hörbuchversionen, Vorträge zum Roman, Theaterstücke oder Verfilmungen gemeint. Das Ganze geht soweit, dass sich der Verlag sogar Merchandising-Rechte sichert. Hier wird dem Verlag meist auch das Recht eingeräumt Nutzungsrechte an Dritte weiterzuverkaufen, falls bspw. eine Verfilmung nicht vom Verlag selbst durchgeführt werden kann, sondern von anderen Unternehmen. Hier habt ihr ebenfalls etwas Spielraum für Verhandlungen, um bspw. eine Abtretung der Rechte zur Verfilmung rausstreichen zu lassen. Auch wenn sich dies erst einmal dramatisch anhört, ist es doch so, dass der Verlag und der Autor doch in einem Boot sitzen. Beide wollen das Buch möglichst umfangreich an den Mann bringen. Jedoch müsst ihr Euch das so vorstellen, dass ihr in diesem Vergleich eher der Schiffsbauer seid, der das Boot zusammengeschustert hat, nun aber aber auf der Rückbank Platz genommen habt, während der Verlag mit erheblich mehr Erfahrung das Boot steuert. Dem Steuermann könnt ihr natürlich als Passagier etwas zurufen, aber am Ende des Tages entscheidet er alleine wo die Reise hingeht. Ihr solltet aber trotzdem immer beide gleichermaßen beteiligt sein, sodass der Verlag, wenn er seinen Gewinn maximieren möchte, auch gleichzeitig Euren Gewinn maximiert. Und damit kommen wir schon zum Absatz Nr. 4.

  1. Honorar und Abrechnung

Wahrscheinlich einer der spannendsten Teile. Hier geht es ums Geld, den Zaster, die Kohle. Zum einen in Form eines evtl. gezahlten Vorschusses, den Euch der Verlag gewehrt. Der Vorschluss wird meist bei Veröffentlichung des Werks an Euch ausgezahlt und mit den späteren Buchverkäufen verrechnet. Hier ist darauf zu achten, dass der Vorschluss als „nicht rückzahlbar“ betitelt ist, ansonsten kann es passieren, dass ihr das Geld wieder rausrücken müsste, falls der „worst case“ Eintritt: Nämlich, dass sich nicht genug Bücher verkaufen, um den Vorschuss aufzuwiegen (was wir natürlich nicht hoffen). Zudem ist der Verlag natürlich motivierter, Euer Buch mit voller Power zu bewerben, wenn er weiß, dass er ansonsten den Vorschluss nicht wiedersehen wird. Also zwei gute Gründe, auf diese zwei wichtigen Worte in diesem Absatz zu achten. Zum anderen werden hier aber auch die Provisionssätze festgehalten. Wie ihr überall im Internet nachlesen könnt, schwanken die Provisionssätze von Verlag zu Verlag, sind aber dennoch meist in folgender Spannweite zu finden:

Taschenbuch: ca. 5-8%

Handcover: ca. 8-10%

eBooks: ca. 20-30%

Je nach Absatzmenge, können die Prozente sich noch einmal etwas verändern. Autoren kriegen oft für den ersten 5.000 Exemplare etwas weniger und für alles was die 5000er Marke überschreitet etwas mehr. Es wird sozusagen eine Staffelung vorgenommen. Dies kann individuell mit dem Verlag ausgehandelt werden.

Bspw. beim Taschenbuch

5 Prozent von 1 bis 5.000 Exemplare

6 Prozent ab 5.001 bis 10.000 Exemplare

7 Prozent ab 10.001 Exemplare

In diesem Bereich habt ihr das größte Potenzial für Verhandlungen. Wenn ihr Euch geschickt anstellt, ist zumindest das ein oder andere Prozentchen noch mal drin, wenn auch nicht bei den ersten 5000 Exemplaren, aber zumindest ab Auflage Nr. 2, wenn der Verlag sieht, dass Euer Buch gefragt ist.

  1. Rechte und Pflichten des Verlags

Nicht nur ihr habt bestimmte Pflichten, sondern auch der Verlag. In diesem Bereich verpflichtet sich nämlich der Verlag zur Vervielfältigung und Verbreitung Eures Romans. Ihr habt richtig gehört, er VERPFLICHTET sich! Somit ist es vertraglich nicht nur die Aufgabe eines Verlags Dein Roman unter das Volk zu bringen, sondern seine Pflicht, der er bestmöglich nachkommen MUSS. Ob der Roman von den Lesern am Ende des Tages angenommen wird, ist eine ganz andere Frage, aber der Verlag ist zumindest verpflichtet den Roman allen zugänglich zu machen. Dies kann sogar aktiv eingefordert werden, falls der Verlag dieser Pflicht nicht nachkommt. Endlich mal ein Absatz zu Euren Gunsten. 😊

  1. Pflichten des Autors

Im Gegenzug verpflichtest du Dich, dem Verlag Dein Werk zur Vervielfältigung und Verbreitung zu überlassen. Drüber hinaus wir vertraglich festgehalten, dass du selbst sicherstellen musst, dass innerhalb des abgelieferten Textes keine Urheberrechtsverletzungen stattfinden und du keine Koautoren verschweigst, die ebenfalls an dem Text mitgearbeitet haben. Als letztes verpflichtet man sich, das Werk nicht anderweitig zu verwerten. Ich dürfte also ab der Unterschrift meinen Roman nicht mehr einem anderen Verlag anbieten und dort zeitgleich veröffentlichen lassen oder im Selfpublishing selbst aktiv werden.

  1. Belegexemplare

Hier wird geregelt, wie viele Freiexemplare du erhält und ob Belegexemplare zu einem Vorzugspreis an dich übergeben werden sollen. Diese Exemplare sind meist mit einem Rabatt von 50% versehen und können sehr gut von Dir als Freiexemplare für Freunde, Familie, Bekannte oder auch zu Werbezwecken genutzt werden. Hier sollte man auf jeden Fall zuschlagen. Es schadet nicht so 10-20 Bücher zuhause zu haben.

  1. Verramschung und Makulierung

Bei der Verramschung geht es um das Vorgehen, falls Dein Roman irgendwann ein Ladenhüter werden sollte. Was macht der Verlag nun mit der bereits gedruckten Restauflage, die in seinem Lager wertvollen Platz wegnimmt? Da die Bücher in solch einem Fall nicht mehr zum Normalpreis verkauft werden können, behält sich der Verlag die Möglichkeit vor, zu einem erheblich niedrigeren Preis an Restpostenhändler zu verkaufen oder im schlimmsten Fall die Bücher zu verschenken/vernichten. Hier sollte man etwas auf die Bedingung achten, ab wann eine Verramschung möglich ist. Wenn der Absatz des Buches in zwei aufeinanderfolgenden Jahren unter 200 Exemplaren liegt, erscheint ein realistischer Wert.

  1. Vertragsbeendigung

Wie lang soll der Vertrag laufen? Der Vertrag kann unbefristet laufen oder man legt eine Laufzeit von (meist 5, 10 oder 15 Jahren) fest. Der Vorteil einer Laufzeit, falls Euer Buch durch die Decke geht, könnt ihr nach auslaufen des Vertrags nachverhandeln und evtl. etwas bessere Konditionen rausholen. Der Nachteil, der Verlag kommt nach der Laufzeit einfach aus dem Vertrag raus, wenn Euer Buch zu dem Zeitpunkt doch nicht so gut läuft. Ich habe mich für eine Laufzeit von 10 Jahren bei meinem ersten Vertrag entschieden, aber ich glaube, dass nicht jeder Verlag dem Autor überhaupt die Möglichkeit bietet hier mitzureden. Fragt einfach mal nach oder schmeißt selbstbewusst eine Zahl in die Runde, mal schauen was passiert. 😊

Wenn du einen Autorenvertrag vorliegen hast, empfehle ich Dir in jedem Fall diesen mit einem Fachanwalt durchzugehen. Es gibt einfach zu viele Feinheiten und individuelle Gegebenheiten, die man nicht pauschal thematisieren kann. Da es um etwas geht, das man nicht so einfach wieder rückgängig machen kann, lohnt sich diese Investition in jedem Fall! Ist der Autorenvertrag nun nach Euren Vorstellungen, empfehle ich Euch, die Zusammenarbeit mit dem Verlag einmal zu besprechen. Macht einen Termin aus und setzt Euch mit den Vertretern zusammen, um nachzufragen, was ihr aktiv tun könnt, um den Verlag zu unterstützen. Das signalisiert Eure Einsatzbereitschaft und sorgt im besten Fall sogar dafür, dass der Verlag etwas mehr Geld in die Hand nimmt als geplant. Besprecht auch, wie das Lektorat, Korrektorat und die Grafikgestaltung für Euer Buch geplant ist. Oft seid ihr im Prozess des Lektorats noch einmal selbst gefragt, wenn der Lektor gerne einige Bereiche streichen oder umschreiben möchte. Hier lohnt es sich noch einmal mit dem Verlag Rücksprache zu halten, wie viel Einfluss man auf den Prozess nehmen kann, oder zumindest gefragt/informiert wird. Während Eurer gesamten Autorenkarriere solltet ihr niemals den Kontakt zum Verlag einschlafen lassen. Es ist ganz wichtig, dass ihr immer im Gespräch bleibt und signalisiert, dass ihr das Buch weiter pushen möchtet, ansonsten wird auch der Verlag einen Gang zurückschalten, garantiert.

 

Für angehende Selfpublisher

Wir gehen jetzt hier einmal von der Situation aus, dass ihr NICHT von einem Verlag abhängig sein wollt und Euch für das Selfpublishing entschieden habt, dennoch aber ein gleichermaßen professionelles Buch wie ein Verlagsautor rausbringen möchtet. Hierfür ist ein professionelles Lektorat meiner Meinung nach absolut unerlässlich. Lektoren tun den ganzen Tag nichts anderes, als Text zu verbessern, unlogische Passagen aufzudecken und den roten Faden zu optimieren. Wenn Du als Erstautor der Meinung bist, dass du ein besseres Gefühl für den Text hast als ein guter Lektor, dann kann ich dir an dieser Stelle bescheinigen, dass du nicht nur unter Größenwahn leidest, sondern auch das Potenzial Deines Textes nicht ausschöpfst. Bevor ich mein Manuskript ins Lektorat gebracht habe, habe ich das Feedback von 5 Testlesern detailliert eingebaut, danach habe ich den Text so lange optimiert, bis jedes Wort für mich an der richtigen Stelle saß (6 Monate lang). Als nun mein Manuskript aus dem Lektorat wiederkam und trotzdem in fast jedem zweiten Satz deutliche Änderungen vorgenommen wurden, war ich zuerst geschockt. Anschließend war ich etwas sauer und dann überwog die Neugierde. Ich nahm mir vor, eine Nacht über den Schock zu schlafen und am nächsten Tag tiefer in den Text hineinanzugehen. Und siehe da: Die Lektorin hatte Dinge verändert, für die mir längst der Weitblick fehlte, die man nur mit viel Erfahrung und einem frischen Auge überarbeiten konnte. Dinge, die den Text in 99% der Fälle erheblich bessert haben und zur Lesbarkeit beigetragen haben. Daher war es für mich eine ziemlich prägende Erfahrung, einmal am eigenen Leib zu erfahren, dass es immer noch Profis gibt, die bestimmte Dinge am Ende des Tages doch noch einmal besser drauf haben, als ich als Autor. Dies ist allerdings nur möglich, wenn Ihr auch wirklich die beste Version abgeht, zu der ihr in der Lage seid. Ansonsten arbeitet sich der Profi an Dingen ab, für die man eigentlich keinen Profi braucht (bspw. die richtige Zeit zu wählen, Absätze zu machen, usw.). Was sehr schade wäre, wenn man einmal bedenkt, dass ein guter Lektor ein paar tausend Euro für ein Manuskript ansetzt. Aber glaubt mir, wenn ihr es richtig anstellt, ist ein Lektor jeden Cent wert! Also an dieser Stelle eine absolute Empfehlung, falls das Finanzielle es zulässt!

Das Korrektorat ist hingegen etwas günstiger, da hier wirklich ausschließlich nach Rechtschreib- und Grammatikfehlern geschaut wird. Dies ist weniger die Kreativ- und mehr die Fleißarbeit, die allerdings genauso wichtig ist. Wenn ihr auf jeder dritten Seite einen Fehler in Eurem Roman habt, dann wird das definitiv den Lesefluss stören und manchen Leser vielleicht sogar dazu bringen, Euer Buch abzubrechen.

Also für beide Bereiche würde ich nicht am falschen Ende sparen und jemanden suchen, der Erfahrung in deinem Genre hat und bereit ist, sich während des Prozesses intensiv mit dir auszutauschen. Im Zweifel sollte man nach der ersten Überarbeitung noch eine zweite Runde mit Lektor und Korrektor vereinbaren, damit man wirklich das Meiste aus dem Manuskript rausholen kann. Am Ende des Tages natürlich auch wieder eine Frage des Geldbeutels.

Im letzten Schritt haben wir dann den Prozess des Grafikdesigns, der sich aus zwei Bereichen zusammensetzt. Zum einen aus der Gestaltung des Buchinnensatzes und zum anderen aus der Covergestaltung. Einen Buchinnensatz zu formatieren, wenn das gesamte Manuskript bereits fertig ist, hört sich auf den ersten Blick gar nicht so kompliziert an. Wenn man jedoch bedenkt, dass bestimmte Sicherheitsabstände eingehalten werden müssen und jede Seite einzeln kontrolliert werden sollte, macht es auch hierfür Sinn einen Profi an der Hand zu haben.

Die Covergestaltung fand ich persönlich ein sehr heikles Thema, da jeder Autor schon eine recht genaue Vorstellung davon hat, wie sein Buch später aussehen sollte. Um diese Beschreibung auch wirklich umsetzten zu können, bedarf es einer Menge Geduld und Feingefühl auf beiden Seiten: Sowohl beim Grafikdesigner, als auch beim Autor. Ich bin glücklicherweise an eine sehr talentierte und freundliche Designerin geraten, mit der dies erstaunlich reibungslos funktioniert hat. Ich würde Euch aber raten, trefft Euch auf jeden Fall vorher zu einem Vorgespräch, um ein Gespür dafür zu bekommen, ob Eure Wahl die Richtige ist und vor allem, was genau im Leistungsumfang enthalten ist (also wie viele Überarbeitungsrunden). Wenn ihr das Grafikdesign selbst in die Hand nehmen wollt würde ich Euch dennoch empfehlen, zumindest eine Person, die vom Fach ist, während des Prozesses drüber gucken zu lassen, ob das Format, die Abstände und Puffer stimmen, bevor es ein böses Erwachen gibt. Ich habe schon öfter mitbekommen, dass große Verlage im Vorfeld Marktforschungsstudien machen, um herauszufinden, welcher Titel und welches Cover für den meisten Umsatz sorgen. Dies kann man als Selfpublisher für sich im Kleinen ebenfalls nutzen. Wenn ich 20 meiner Freunde Cover A zeige, das ich designt habe und 20 weiteren Cover B (mein Alternativcover) und beide Gruppen Frage: Würdet ihr das Buch mit diesem Cover kaufen? Kann ich mich einer Marktforschung annähern und ebenfalls mögliche Covervarianten im Vorfeld testen. Ansonsten gibt es auch kostenlose Möglichkeiten Onlinebefragungen zu erstellen (bspw. auf Surveymonkey), die per Link an alle Freunde herausgeschickt werden kann. Hier gibt es die Möglichkeit, dass den Befragten per Zufall eine von beliebig vielen Covervariaten angezeigt wird und sie dann bestimmte Fragen dazu beantworten (wie ansprechend finden Sie das gesehene Cover? Wie neugierig macht Sie das Cover? Würden Sie das Buch mit diesem Cover kaufen? usw.). Es macht durchaus Sinn solche kleinen Tests durchzuführen, um wenigstens etwas objektiver entscheiden zu können. Denn ihr dürft niemals vergessen, ihr seid als Autor so tief drin, dass es einfach schwer ist sich vorzustellen, wie ein potenzieller Leser das Cover wahrnehmen würde. Durch diese einfachen Tests bekommt ihr wieder ein Gespür dafür, was der Leser wirklich möchte und wo Ihr Euch vielleicht doch ein wenig verzettelt habt.

Wenn nun Euren Text poliert habt, der Innensatz und das Cover stimmen, dann geht’s jetzt auf die Suchen nach einem Selfpublishingportal. Hier gibt’s beispielsweise die Möglichkeit über Amazon direkt zu veröffentlichen (KCP und CreatSpace) oder einen Anbieter zu wählen, der zwar auch das Buch bei Amazon für Dich listet, aber nicht direkt zum Konzernriesen gehört (BoD, ePubli oder Tredition). BoD (Books on Demand) gilt dabei als europäischer Marktführer in der Kategorie Publikationsdienstleister. Tredition war jedoch der Anbieter meiner Wahl, da hier die Servicedienstleistungen Rund um die Veröffentlichung etwas vielfältiger waren. Hier lohnt es sich den gängigen Anbietern mal einen Besuch abzustatten und die Angebote für Deinen spezifischen Fall (Seitenzahl, gewünschter Buchpreis, benötigte Zusatzunterstützung, usw.) zu vergleichen. Alle Anbieter haben eins gemeinsam, ihr braucht kein großes Vorwissen und der Prozess geht recht zügig. Preislich zeigen sich jedoch schon einige Unterschiede, also nicht direkt beim Erstbesten hochladen.

Ihr seht an diesen kurzen Abriss, dass sowohl in der Welt der Verlage als auch im Selfpublishing auf den letzten Metern noch einige Entscheidungen zu treffen sind, die sich maßgeblich auf die Zukunft Eures Romans auswirken. Ich hoffe, dass Euch dieser Beitrag auf die ein oder andere Stolperfalle aufmerksam machen konnte.

Liebe Grüße und viel Spaß beim Veröffentlichungsprozess! Wir sehen uns in der nächsten Wochen zum Thema „Die perfekte Außendarstellung“, in wir uns zum ersten mal der Zeit nach der Veröffentlichung widmen und schauen, wie Ihr Euren Roman erfolgreichen machen könnt.

Gerrit C. Paulson

How to write a novel? Teil 6 – Ein Verlag muss her oder doch nicht

In der heutigen Woche wartet Teil 6 unserer Serie „How to write a novel“ auf Euch, in dem wir uns mit dem Thema „Ein Verlag muss her oder doch nicht“ auseinandersetzen. Sicherlich ein Thema, an dem kein angehender Autor vorbeikommt. Das Ziel dieses Beitrags ist es nicht den perfekten Weg aufzuzeigen, sondern vielmehr die Erfahrungen mit Euch zu teilen, die ich in den letzten Jahren gemacht habe, sowohl im Selfpublishing, als auch als Verlagsautor. Zudem glaube ich, dass es zunächst einmal wichtig ist, einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten zu bieten, um abschätzen zu können, welcher Weg für Dein Projekt der Richtige sein könnte.

Wir gehen also davon aus, dass Dein Roman und die wichtigsten Nebentexte (siehe Teil 5 – Das Exposé und vieles mehr) bereits fertiggestellt, richtig formatiert und bis zur Perfektion überarbeitet sind. Der nächste Schritt heißt also: Die Veröffentlichung!

Was für Möglichkeiten habe ich denn? Für wen lohnt sich Selfpublishing und für wen eher ein Verlag? Und welche konkreten Herangehensweisen gibt es, um den einen oder den anderen Weg zu gehen? Diese drei Fragen stehen im Zentrum des heutigen Blogbeitrags. Ich freue mich sehr, dass wir zudem einen echten Profi als Gast für diesen Beitrag gewinnen konnte: Kim Walla vom renommierten Kamphausen.Media Verlag hat tiefgreifende Erfahrung im Selfpublishing und im Verlagswesen gemacht und teilt ihre Erfahrung mit uns.

„Selfpublishing hat mich ein gutes Jahr lang begleitet – nicht als Autorin, sondern als Autorenbetreuerin. Tagtäglich durfte ich in unserem ehemaligen Selfpublishing-Bereich tao.de Menschen dabei helfen, ihr eigenes Buch in die Welt zu bringen – eine schöne Erfahrung, die aber oftmals durch die Überforderung der Selfpublisher getrübt wurde. Mittlerweile bin ich für das Online-Marketing und den Social Media Bereich bei Kamphausen Media zuständig, um dort Titel zu vermarkten, die Teil unseres Verlagsprogramms sind. Mir sind also beide Arten der Veröffentlichung bekannt und ich konnte in den letzten zwei Jahren immer wieder die positiven, aber auch negativen Seiten beider Varianten erleben und hinterfragen.“

Ab dem zweiten Teil dieses Beitrags, findet ihr Kommentare von Kim, die ihr daran erkennt, dass sie eingerückt und in Anführungsstriche gesetzt sind. Ich freue mich sehr über ihre Expertise und bedanke mich bereits an dieser Stelle ganz herzlich!

 

Aller Anfang ist schwer

Ich erinnere mich noch genau, wie viele Fragezeichen über meinem Kopf herumschwirrten, als mein Manuskript endlich fertig war und ich mich auf die Suche nach Möglichkeiten für eine Veröffentlichung gemacht habe. Die Online-Foren sind voll mit Beiträgen von schlauen Menschen, die Dir natürlich alle mit 100% Genauigkeit sagen können, dass Selfpublishing oder das Verlagswesen das einzig wahre sei. Sinn und Zweck dieses Blogbeitrags ist es nicht, das nächste von tausend Plädoyers für die eine oder die andere Seite zu halten, sondern angehende Schriftsteller zu informieren und von meiner direkten, eigenen Erfahrung zu berichten. Fangen wir also einmal mit den Verlagen an, denn dies war damals meine erste Anlaufstelle, um meinen Roman zu veröffentlichen.

Der Verlag

Ein Verlag ist nichts weiter als ein Wirtschaftsunternehmen, das (literarische) Werke vervielfältigt und verbreitet. Der erste Vorteil den solch ein Verlag für Euch bietet, ist die volle Kostenübernahme. Alle anstehenden Dienstleistungen, um einen Roman für die Bücherregale aufzubereiten und zu bewerben, werden von ernstzunehmenden Verlagen ausnahmslos getragen. Falls ein Verlag dies nicht bieten kann, solltet Ihr ihn unbedingt von Eurer Liste streichen! Hier reden wir von folgenden Dingen: Lektorat (für die sprachliche Perfektion), Korrektorat (um letzte Fehler in Rechtschreibung und Grammatik auszubessern) und Coverdesign, damit das Buch überhaupt erscheinen kann. Darüber hinaus wird auch das Werbebudget (Online und Offline Marketing) und die Vertreterreisen in Buchhandlungen (Direktvertrieb) vom Verlag übernommen. Hier sprechen wir von Kosten, die alleine einen hohen vierstelligen Betrag ausmachen können. Unter dem Punkt „Selfpublishing – Nachteile“ mache ich gerne noch einmal eine detaillierte Rechnung für Euch auf. Meine Hauptmotivation bei der möglichen Veröffentlichung über einen Verlag war es also, die hohen Anfangsinvestitionen (welche ich als Studenten damals schlechtweg nicht aufbringen konnte) nicht tragen zu müssen.

Als zweiten Grund wollte ich neben den Kosten ebenfalls Zeit sparen. Wie schön es doch ist, sich in seiner Freizeit ausschließlich auf das zu konzentrieren, was man gerne macht, nämlich das Schreiben. Sich neben dem Studium keine zweite Verpflichtung mit Buchmarketing und Buchvertrieb aufzubürden und dafür vielleicht sogar schneller mit dem nächsten Roman fertig zu werden. Der Verlag wird schon alles regeln, dafür kriegt er ja auch ein Stück von Kuchen. Sicherlich stimmt diese Argumentation teilweise, dennoch ist sie im Rückblick doch etwas naiv von mir gewesen. Angetrieben von der Euphorie, die so ein fertiggestelltes Buch mit sich bringt, wollte ich die wirklich schwere und zeitintensive Arbeit (nämlich die Vermarktung) einfach auslagern. Ich finde es wichtig, dies so ehrlich und selbstreflektiert wie möglich zu sagen, da viele die Autorenschaft im Verlag so wahrnehmen, als wenn der Schriftsteller nichts mehr tun müsse, außer Schreiben und sich zurücklehnen. Dies entspricht allerdings absolut nicht der Realität (oder besser gesagt: sollte nicht der Realität entsprechen). Was der Verlag Euch realistisch gesehen bieten kann, sind folgende 3 Dinge:

  1. Viel spezifisches Knowhow (bspw. im Marketing und Vertrieb),
  2. Ein Netzwerk (bspw. durch große Mailverteiler oder Pressekontakten)
  3. Manpower (bspw. im Direktvertrieb).

Was ihr allerdings daraus macht, liegt bei Euch. Fangen wir mal mit Punkt 1 an, denn es gibt einfach Dinge, von denen man als normaler Autor keinen blassen Schimmer hat. Zum Beispiel rechtliche Fragen (Wann liegen Urheberrechtsverletzungen vor? Welche Buchtitel sind bereits geschützt?), Fragen zum Vertrieb (Wie komme ich an die großen Buchhändler ran?) oder zum Marketing (Wie kann ich effizientes Online und Offline Marketing betreiben?). Bei all diesen Dingen liegt die Expertise ganz klar bei dem Verlag, da dieser sich seit seiner Gründung Tag für Tag um nichts anderes kümmert. Von diesem Knowhow kann man selbstverständlich als Verlagsautor enorm profitieren. Punkt 2, das Netzwerk ist entscheidend, wenn es darum geht, den Roman bekannt zu machen. Verlage können mit nur einer Mail oder mit nur einem Newsletter zehntausende Kontakte erreichen, die meist sogar noch zielgruppenspezifisch sind. Zudem haben Verlage meist Kontakt zu sogenannten Multiplikatoren, die einen Roman schnell bekannt machen können (bspw. Influencer, Buchkritiker, usw.), dies ist ohne Verlag meist nur sehr eingeschränkt möglich. Und Punkt Nr. 3, die Manpower im Direktvertrieb (Vertreter die von Buchhandlung zu Buchhandlung gehen) als entscheidender Faktor. Hier arbeiten nun viele sehr gut ausgebildete Personen gleichzeitig daran, Dein Buch in den Buchhandlungen zu platzieren. Diese Personen haben oft jahrelange Beziehungen zu den Buchhandlungen etabliert und verkaufen Deinen Roman ohne große Mühe, während man als unbekannter Autor bei Buchhandlungen meist auf Granit beißt (siehe Nachteile Selfpublishing). Darüber hinaus ist der Autor oft alleine, während die Vertriebler im Verlag ein ganzes Team bilden und somit oftmals den gesamten deutschsprachigen Raum im Direktvertrieb abdecken können.

Wenn wir uns allerdings einmal die Nachteile eines Verlags anschauen, sehen wir schnell, dass wir diesen erheblichen Mehrwert nicht geschenkt bekommen. Als Verlagsautor gibt es zum einen Einschränkungen in der künstlerischen Freiheit und zum anderen solltet ihr einiges in der Zusammenarbeit mit Verlagen auf dem Schirm haben. Dies alles natürlich unter der Voraussetzung, dass ihr überhaupt die Möglichkeit bekommt, mit einem Verlag zusammenzuarbeiten.

Und dort liegt auch schon der erste Nachteil. Ein Verlag kriegt einfach verdammt viele Manuskripte! Bei den großen Verlagen sicherlich ein paar hundert im Monat. Nun stellt Euch mal einen Lektor vor, der nach zwei Wochen Urlaub zurück ins Büro kommt und 50 Einreichungen auf seinem Schreibtisch liegen hat, die jeweils aus 1 Seite Anschreiben, 1 Seite Exposé und 20 Seiten Leseprobe bestehen. Sprich 1.100 Seiten und täglich kommen 2 neue Manuskripte hereingeflattert, während man den riesigen Berg vor sich gerade erst abarbeitet. Hierdurch bekommst Du vielleicht einen kleinen Eindruck, weshalb manche Verlage auf ihrer Homepage schreiben „Bitte melden Sie sich nicht bei uns, wir melden uns bei Ihnen“. Mehr dazu weiter unten im Text, wenn wir uns anschauen, wie man am besten mit Verlagen umgehen sollte. Dieses kleine Rechenbeispiel zeigt deutlich, dass Du nicht der einzige bist, der sein Manuskript einreicht und erklärt ganz gut, weshalb auch großartige Geschichten wie „Harry Potter“ manchmal nicht richtig eingeschätzt und gescoutet werden. Zusammengefasst: die Chance, dass der Verlag Deine Bewerbung wirklich ausführlich prüft und dann das gesamte Manuskript anfordert, ist aus zweierlei Gründen recht gering: 1. Verlage haben viel zu wenig Zeit für viel zu viele Manuskripte 2. Die Konkurrenz ist extrem groß und sorgt für eine Überflutung des Angebots. Die Situation mag bei kleineren Verlagen etwas weniger dramatisch sein, es handelt sich aber dennoch um ein verlagsübergreifendes Problem, dessen sich jeder Autor bewusst sein sollte.

Realistisch gesehen ist es also schwierig, aber nicht unmöglich, diese erste Hürde zu nehmen. Wenn die Geschichte direkt überzeugt, den Nerv der Zeit trifft und man an den richtigen Lektor gerät, eröffnet sich das ein oder andere mal jedoch die Chance, das gesamte Manuskript einzuschicken. Nimmt der Verlag das Manuskript nach einer ausführlichen Prüfung an, kann die Reise losgehen. Und sie startet üblicherweise mit einem Autorenvertrag (mehr dazu im Teil 7 unserer Serie), der nicht nur die Honorare regelt, sondern auch in der Regel dafür sorgt, dass Du einige Mitbestimmungsrechte für bestimmte Ausgestaltungsmöglichkeiten deines Romans verlierst. Hierbei geht es meist um das Coverdesign oder den Buchtitel. Also mit einer gewissen Einschränkung Eurer künstlerischen und unternehmerischen Freiheit solltet ihr an dieser Stelle rechnen (bspw. wird es nicht möglich sein, dass ihr den Preis eures Romans noch frei bestimmen könnt). Hier kommt es allerdings sehr stark auf den jeweiligen Verlag an, wie viel du selbst noch in der Hand hast (mehr dazu bei den Vorteilen des Selfpublishings).

An dieser Stelle ist es mir ebenfalls noch einmal wichtig, in einem weiteren Punkt Erwartungsmanagement zu betreiben. Die Aufnahme in einen Verlag bedeutet keineswegs, dass dein Buch automatisch erfolgreich wird. Dir muss klar sein, dass du ein Buchtitel unter hunderten oder tausenden bist, die vom Verlag vertreten werden. Realistisch gesehen wirst du also 1/1000, bei Neuerscheinungen vllt. für eine kurze Zeit 1/20 der Aufmerksamkeit bekommen, die der Verlag bieten kann. Das heißt ein Online Marketing Manager wird sich rein rechnerisch 0,3 von 365 Tagen im Jahr um Dein Buch kümmern können. Gibt es in deinem Verlag drei Online Marketing Manager immerhin fast 1 von 365 Tagen usw.. Was ich mit dieser (sicherlich etwas übertriebenen) Darstellung sagen möchte: Ein Verlag hat viele Pferde im Stall. Dem Verlag zu zeigen, dass Euer Pferd es wert ist, darauf zu setzen, bedarf Eigeninitiative (bspw. die Organisation von eigenen Lesungen, die vom Verlag unterstützt werden, oder selbstorganisierte Presseartikel, die im Veralgsnewsletter aufgenommen werden, usw.). Du solltest (und musst) also auch als Verlagsautor weiter aktiv sein und kannst dich keinesfalls zurücklehnen. Nur ganz wenige Autoren sind in der luxuriösen Situation, nur noch schreiben zu können und diese haben die harte Arbeit ganz sicher Jahre zuvor bereits ziemlich intensiv betrieben. Wenn es Dein einziger Anspruch ist, das Buch für dein eigenes Bücherregal geschrieben zu haben, ist das vollkommen legitim und dann brauchst du dir selbstverständlich keinen Arm ausreißen. Ich gehe aber für diesen Beitrag eher vom Normalfall aus, dass Du ein Autor bist, der sein Buch unter die Menschen bringen möchte. Denn in diesen Fall, gibt es nur den etwas steinigen Weg, der selbst als Verlagsautor viel Eigeninitiative verlangt.

Wenn wir auf die finanzielle Seite zu sprechen kommen, ist es ganz klar, dass ein Verlag auch an Deinem Titel Geld verdienen möchte. Der Verlag stellt also, wie oben beschrieben, das 1. Knowhow, 2. das Netzwerk und 3. die Manpower und behält dafür einen Teil vom Nettoladenpreises ein. Wenn wir einmal eine vereinfachte Rechnung für meinen Roman „Notizen eines Gewinners“ exemplarisch aufmachen:

16,00 € Bruttoladenpreis

-1,22 € (9% Steuern)

=     14,88 € Nettoladenpreis

-2,00 € (Druckkosten)

-7,44 € (50% Marge der Buchhandlung und Versand)

-1,04 € (7% Autorenprovision)

=     4,40€

Dann sehen wir, dass am Ende gar nicht mehr so viel übrig bleibt. Von diesen 4,40€ pro Exemplar (ca. 30% des Nettoladenpreises) muss der Verlag nun alle Werbemaßnahmen, Personal, Büromiete, usw. bezahlen, die unerlässlich sind, damit Dein Buch beworben werden kann. Ich würde also schätzen, dass der Nettogewinn des Verlags kaum höher als die Autorenprovision von 7%-10% ist. Ich möchte daher den Umstand, dass man etwas an den Verlag abdrücken muss nicht als negativ bewerten, da ich glaube, dass die Leistung, die man im Gegenzug dafür erhält wirklich fair ist!

Um in einem Verlag aufgenommen zu werden, bedarf es also großer Anstrengung und sehr viel Durchhaltevermögen. Und selbst wenn diese beiden Dinge gegeben sind, klappt es oftmals trotzdem nicht auf Anhieb. Hier solltet ihr also Durchhaltevermögen in der Bewerbungsphase an den Tag legen.

Es gibt da allerdings noch eine weitere Möglichkeit, sich Verlagen indirekt anzunähern, und zwar über einen Literaturagenten. Literaturagenten sind sozusagen Vermittler zwischen Autoren und Verlagen, die sehr gute Kontakte haben. Die Bewerbung läuft fast äquivalent zu der Verlagsbewerbung ab, mit dem Unterschied, dass die Wahrscheinlichkeit bei einem Literaturagenten Gehör zu finden, gefühlt etwas größer ist. Manche Literaturagenten sind selbstständige Einzelpersonen, andere arbeiten in großen Agenturen, was natürlich ein Indiz dafür ist, dass ihr Netzwerk auch erheblich umfangreicher ausfällt. Durch dieses Netzwerk wissen die Agenten oft ganz genau, welcher Verlag gerade an welchen Themen interessiert ist. So können Sie beide Parteien zielgerichtet zusammenbringen. Aus Verlagssicht, liegt der Vorteil natürlich auch auf der Hand. Literaturagenten nehmen ein Vorscreening vor, was es den Verlagen bei der Vielzahl von Manuskripten einfacher macht, relevante Einreichungen zu identifizieren. Literaturagenten können aber nicht nur vermitteln, sondern auch bei den Vertragsverhandlungen helfen, da sie meist viel Erfahrungen mit den juristischen Feinheiten der Verträge haben. Es gibt also auch hier einige gute Gründe, weshalb dieser Weg eine weitere Option darstellen könnte. Natürlich sind diese ganzen Vorzüge nicht umsonst, Literaturagenten sind üblicherweise mit 10% bis 15% am Gewinn beteiligt.

Wie bewerbe ich mich bei Verlagen?

Der einfachste Weg geht über eine möglichst umfangreiche Verlagsliste (bspw. die des deutschen Schriftstellerforums), in der fast alle deutschsprachigen Verlage aufgeführt sind. Diese Liste solltet ihr einmal systematisch durchgehen und die passenden Verlage für Euch raussuchen. Relevante Kriterien sind, dass Euer Roman bestmöglich in das Programm passt, also das Genre vom jeweiligen Verlag abgedeckt wird und dass der Verlag aktuell überhaupt Manuskripte zur Prüfung annimmt. Sind diese beiden Kriterien erfüllt, solltet ihr die relevanten Verlage untereinander in eine Excelliste eintragen. Hab ihr nun alle Verlage aufgelistet, macht es Sinn die Verlage zu ranken: Welcher Verlag bietet die meisten Bücher meines Genres an? Welcher Verlag passt von der Größe her am besten zu mir? usw. . Nun habt ihr also eine Liste von relevanten Verlagen, geordnet nach Passgenauigkeit (ganz oben stehen die Verlage, die am besten zu Euch passen, ganz unten eher die Notlösungen). Anschließend empfehle ich Euch Gruppen zu bilden (von oben angefangen), die jeweils aus 5 bis maximal 10 Verlagen bestehen. Sucht Euch für alle Verlage, die in der ersten Gruppe (höchste Passgenauigkeit) sind, die Informationen zu den benötigten Dokumenten auf der Homepage heraus und stellt diese zusammen (siehe Teil 5: Das Exposé und vieles mehr). Alleine mit dieser ersten Gruppe werdet ihr etwas beschäftigt sein, weil jeder Verlag leider etwas andere Dokumente verlangt (oder zumindest andere Variationen). Nun fehlen lediglich die Adressen und Eure ersten Exposés und Leseproben machen sich auf den Weg. Jetzt heißt es warten, warten, warten. Im schlechtesten Fall (und das ist leider der Regelfall) kommt keine Reaktion, Ihr ruft nach ca. 4 Monaten noch einmal beim Verlag an, werden abgewimmelt und tragt in Eure Excel-liste dick und fett „ABSAGE“ ein. Mit ein bisschen Glück bekommt ihr allerdings auch das ein oder andere Mal eine Antwort, die entweder eine Absage beinhaltet (so gut wie immer ohne Begründung und mit explizitem Hinweis, bitte nicht weiter nachzufragen) oder es wartet der seltene Hauptgewinn: Der Verlag fordert das gesamte Manuskript an. Aus mehreren Gründen würde ich Euch empfehlen, das ganze Gruppenweise zu machen. 1. Man verliert ansonsten sehr schnell den Überblick. Da man nur eine Chance bei jedem Verlag hat, ist es sehr ärgerlich, wenn sich hier kleine Fehler einschleichen, die dazu führen, dass ihr direkt aussortiert werdet! 2. Die Situation, dass man aus der Not heraus einen Vertrag mit einem Verlag eingeht der nicht wirklich zu einem passt, obwohl ein Top Verlag Monate später ebenfalls ein Angebot unterbreitet hätte, kann man hiermit umgehen. (vllt. aber auch wieder etwas naiv von mir, gleich von zwei Zusagen gleichzeitig auszugehen. 😀 ) 3. Viele Verlage sehen es nicht gerne, wenn das Manuskript bei zu vielen Konkurrenten gleichzeitig unterwegs ist. In wenigen Fällen muss man sogar angeben, wo das Manuskript vorher eingereicht wurde oder ob es sich aktuell noch woanders in der Begutachtung befindet.

Ich habe gute Erfahrung damit gemacht, vorher beim Verlag sehr nett und freundlich anzurufen und nachzufragen, ob ich mein Manuskript einreichen dürfte, wann denn der beste Zeitpunkt wäre oder ob es möglich wäre, sich auch einmal persönlich vorzustellen. Hier sollte man wirklich alle Register ziehen, um auf sich aufmerksam zu machen (jedoch auf keinen Fall auf eine Art und Weise, die als nervig empfunden wird. Hier ist Feingefühl entscheidet, sonst wandert Euer Manuskript direkt in die Papiertonne!).

Ist die erste Gruppe abgearbeitet, folgt Gruppe Nr. 2 usw. so kann sicherlich das ein oder andere Jahr verstreichen. Es kommt also ganz klar auf die Ausdauer an, wenn ihr Euch entscheidet auf einen Verlag zu setzten. Es soll Ausnahmefälle geben, aber in der Regel ist es ein recht langer Prozess.

Das Selfpublishing

Die Alternative, um Deinen Roman an den Mann zu bringen, ist also ganz klar das Selfpublishing. Aber was genau ist Selfpublishing? Es ist nichts weiter als die Veröffentlichung in einem Selbstverlag, wobei der Autor selbst als Verlag auftritt. Dies lässt sich am Einfachsten über Plattformen, wie bspw. Tredition oder Book on Demand, die gegen eine überschaubare Gebühr beim Veröffentlichungsprozess helfen, realisieren. Kim Walla, unsere Expertin vom Kamphausen.Media Verlag, sieht einige Vorteile, bei der Veröffentlichung im Selfverlag:

„Ein klarer Vorteil beim Selfpublishing ist natürlich: Im Prinzip kann jeder Autor sein. Man muss kein Standing in der Welt der Literatur vorweisen können, um sein Buch ohne Umwege veröffentlichen zu können. Während man sich als angehender Autor im Verlag auf eine oftmals mehrmonatige Prüfung des Manuskripts einstellen muss, ist die Veröffentlichung via Selfpublishing in wenigen Tagen bis Wochen realisierbar. Ein weiterer Vorteil darüber hinaus ist, dass einem niemand in die Gestaltung des eigenen Buchs reinredet. Cover und Innenteil können also genau so angefertigt werden, wie man es sich während des Schreibens immer vorgestellt hat. Im Verlag hat man in der Regel kein Mitspracherecht, was die Innen- und Außengestaltung des Buchs angeht. Die kleineren Verlage gehen durchaus noch auf Wünsche und Vorschläge der Autoren ein und halten regelmäßig Rücksprache, aber die größeren Verlage nehmen den grafischen Teil komplett selbst in die Hand. Je nachdem, wie die Verträge lauten, kann es sogar sein, dass der Verlag einen ganz anderen Titel für das Buch wählt – auch in der Hinsicht verliert man als Autor sehr viel Autonomie. Ein Entfremdungsprozess vom eigenen Buch ist also, insbesondere bei größeren Verlagen, kaum zu vermeiden.“

Was zudem ein Vorteil im Selfpublishing ist, meist sind die Provision etwas höher, da die oben errechneten ca. 30% an den Verlag ausbleiben. Darüber hinaus habe ich es als sehr spannend und erfrischend empfunden, einmal den gesamten Prozess einer Bucherstellung und Veröffentlichung hautnah mitzuerleben und in jeder Phase neue Themengebiete kennenzulernen. Selfpublishing heißt natürlich auch, in bestimmten Bereichen eine Expertise aufzubauen, mit denen man sich vorher so gut wie gar nicht beschäftigt hat (bspw. rechtliches zum Titel, Pseudonym, Copyrightverletzungen in Texten oder Bildern oder die Preisfindung für einen Roman). Wahrscheinlich ist das Resultat bei großen Verlagen etwas professioneller, aber man kann als Autors nur selten an dem gesamten Prozess teilhaben. Unsere Expertin Kim Walla, betont noch einmal, dass Zeit, Geld und die Fertigkeiten, die ein Autor mitbringt, im Selfpublishing entscheidende Größen sind:

„Die Fertigstellung eines Buchs erfordert extrem viel Zeit und kostet Geld. Wer Hilfe beim Innensatz und der Cover-Gestaltung braucht, muss auf jeden Fall Kosten für einen Grafiker und Lektor einplanen. Klar im Vorteil sind die Autoren, die sich mit Word und Bildbearbeitungsprogrammen gut auskennen und die jemanden in ihrem Umfeld haben, der sowohl eine formale als auch inhaltliche Korrektur vornehmen kann. An der Stelle können also einige Kosten gespart werden. Dennoch bleibt der Preis für das Veröffentlichungspaket, der – je nach Anbieter – ganz unterschiedlich ausfallen kann. Wer sein Buch im Verlag veröffentlicht, hat keinerlei Kosten zu tragen. Verlage arbeiten mit internen oder externen Grafikern, Herstellern und Lektoren zusammen, die sich um die Fertigstellung des Buchs kümmern.“

Hier zeigt sich der wohl größte Nachteil, mit dem ich ebenfalls bestens vertraut bin: Die hohe Anfangsinvestition (Zeit und Geld), um ein wirklich professionelles Buch hervorzubringen. Wenn ich einmal die Rechnung aufmache, wie viel Geld in die Vorarbeiten zur Veröffentlichung meines ersten Romans geflossen ist, dann sieht man recht schnell, dass es etwas dauert, bis die höhere Provision im Selfpublishings, die Startinvestition wieder reinholt:

Lektorat: 2000€

Korrektorat: 500€

Coverdesign: 2000€

Wenn du jetzt denkst, 4500€ sei viel Geld für eine Veröffentlichung, dann möchte ich an dieser Stelle noch einmal erwähnen, dass ein Marketingbudget als Selfpublisher von ca. 300€ im Monat (bspw. Drucken von Flyer, Organisieren von Lesungen, Freiexemplare an Multiplikatoren schicken, Internetseite einrichten, Online/Offline Werbung) noch recht knapp bemessen ist, sodass man grob mit 6000€ Anfangsinvestition für die ersten 6 Monate rechnen kann. Auch Kim Walla berichtet, dass der Kostenfaktor immens sein kann und der Weg über einen Verlag oft finanziell vorteilhafter sein kann, gerade wenn es um die Bekanntmachung des Buches geht:

„Der Kostenfaktor spielt dann später bei der Vermarktung des Buchs noch einmal eine ganz besonders große Rolle. Wenn ein Buch in das Verlagsprogramm aufgenommen wird, arbeitet die Marketingabteilung direkt an einer Kampagne. Für jeden Titel existiert ein festes Budget, das für unterschiedliche Werbemaßnahmen eingesetzt werden kann. Wer sein Buch selbst vermarktet, muss all diese Kosten selbst tragen. Und was noch hinzukommt: Es muss erst einmal ein Netzwerk aufgebaut werden. Als Selfpublisher muss ich mich also darauf einstellen, im Social Media Bereich aktiv zu sein, eine Homepage zu erstellen und Lesungen zu organisieren. Als Verlagsautor fallen diese drei großen Punkte zwar nicht weg, aber zumindest wird der Titel zusätzlich vom Verlag mitbeworben, sodass sogar im besten Fall ertragreiche Synergien entstehen. Und der Autor hat immer die Möglichkeit, auf Kontakte des Verlags zurückzugreifen und davon zu profitieren.“

Neben den immensen Kosten, spielt (wie bereits kurz erwähnt) die zur Verfügung stehende Zeit eine entscheidende Rolle. Falls du einen zeitintensiven Hauptberuf hast, ist es wahrscheinlich schon alleine von der Zeitkapazität her gar nicht möglich, im Selfpublishing die notwendige Manpower aufzubringen. Sind deine Wochenende frei, bist ein Student oder vllt. sogar bereits pensioniert, spielt die Zeit wahrscheinlich eher eine untergeordnete Rolle. Hier kommt es also ganz auf die persönliche Situation (und finanzielle Lage) an, mit welchem Model Du besser fährst. Zudem sollte man für das Selfpublishing auch ein Typ sein, der bereit ist, sein Produkt aktiv an den Mann zu bringen. So beschreibt auch unsere Expertin Kim Walla noch einmal, dass erfolgreiche Selfpublisher neben den Zeitressourcen bestimmte Persönlichkeitseigenschaften mitbringen müssen, vor allem wenn es um den Vertrieb des Buches geht:

„Als Selfpublisher bin ich größtenteils selbst gefragt, mein Buch in die Buchhandlungen zu bekommen. Wer sich für diesen Weg entscheidet, darf sich nicht davor scheuen, in Buchhandlungen aktiv und energisch Werbung für sein eigenes Buch zu machen. Im Verlag kümmern sich primär die Vertreter um den Verkauf des Buchs. Sie wenden sich mit der aktuellen Verlagsvorschau an Buchhändler und präsentieren ihnen die neuesten Titel. Zusätzlich werden regelmäßig Newsletter an ein (teilweise länderübergreifendes) Buchhändlernetzwerk versendet, die auf Neuerscheinungen, aber auch auf aktuelle Kampagnen und Veranstaltungen der Autoren Bezug nehmen. Das Netzwerk und die Werbemaßnahmen eines Verlags sind also nicht zu unterschätzen. Als Selfpublisher muss mir bewusst sein, dass die gesamte Vermarktung ganz allein bei mir liegt.“

Unsere Expertin fasst ihr Urteil folgendermaßen zusammen:

„Für kreative und kontaktfreudige Menschen, die sich gerne in den sozialen Netzwerken bewegen und Zeit für ein intensives Marketing haben, ist Selfpublishing eine gute und vielleicht sogar empfehlenswerte Alternative zum Verlagsprogramm. Allen anderen kann man aber eigentlich nur ans Herz legen, sich erst einmal an einen Verlag zu wenden.“

Und auch ich bin der Meinung, dass Selfpublishing sich eher für Menschen eignet, die etwas mehr Zeit zur Verfügung haben, Spaß daran haben, ein Netzwerk (sowohl Online als auch Offline) aufzubauen und offen dafür sind Kaltakquise zu betreiben. Zudem schadet es nicht, gewisse Fähigkeiten (bspw. Grafikdesign, Programmierkenntnisse zum eigenständigen Erstellen einer Homepage, usw.) und ein finanzielles Polster mitzubringen.

Falls ihr allerdings wenig Zeit habt und es für Euch nicht so tragisch ist, ein Stück vom Kuchen und (im Regelfall) ein bisschen künstlerische und unternehmerische Entfaltungsmöglichkeit abzugeben, sollte ein Verlag, mit seinem großen Netzwerk und der Manpower, eher das richtige für Euch sein.

Meiner Einschätzung nach, besteht ein weiterer Unterschied darin, dass ihr beim Selfpublishing eine Menge Durchhaltevermögen für die Zeit nach der Veröffentlichung braucht, beim Verlag braucht ihr hingegen eher Durchhaltevermögen im Bewerbungsprozess. Beide Wege sind also alles andere als einfach, aber durchaus machbar.

Eine Möglichkeit, die ich gerne noch erwähnen möchte, um trotz knapper Zeitressourcen im Selfpublishing Fuß zu fassen: Stellt Euch ein Team zusammen, wenn ihr könnt! Falls ihr bereit seid eine etwas höhere Anfangsinvestition zu tätigen, ist es eine Überlegung wert, bestimmte Teilbereiche auszulagern und bspw. stundenweise einen Social Media Manger oder Vertriebler für die Buchhandlungen einzusetzen. Bis hin zum Aufbau eines kompletten Teams, das alle Bereiche (PR, Eventmanagement, Vertrieb, Online Marketing, usw.) abdeckt, sind dieser Idee keine Grenzen gesetzt.

Wie werde ich Selfpublisher?

Wie bereits beschrieben, gibt es im Selfpublishing keine eigentliche Bewerbung. Wenn Du mit Deinem Text, dem Titel und dem Cover zufrieden bist, suchst Du Dir eine geeignete Plattform aus und lädst Deinen Roman einfach hoch. So bist du innerhalb von wenigen Tagen gelisteter Autor.

Von Selfpublisher zum Verlagsautor

Um Euch mit meiner persönlichen Geschichte einmal ein konkretes Beispiel zu geben. Nachdem ich es zwei Jahre lang bei etlichen Verlagen probiert habe, jedoch nur sehr selten eine Rückmeldung bekommen habe, bin ich den Weg des Selfpublishings gegangen. Nach 6 Monaten harter Arbeit haben ich mir eine Social Media Präsenz, eine Homepage und eine Community mit über 1000 Mitgliedern aufgebaut, die dafür gesorgt hat, dass ein Verlag auf mich aufmerksam geworden ist. Ein paar Monate später unterschrieb ich meinen ersten Autorenvertrag. Dies war nur möglich, indem mir Freunde beim Vertrieb, Social Media und Eventmanagement geholfen haben. Ich habe also mit einem Team gearbeitet und einige Bereiche ausgegliedert, da es zeitlich für mich nicht anders möglich war.

Weshalb bin ich nicht beim Selfpublishing geblieben? Da ich lediglich nebenberuflich schreibe, war der Zeitaufwand im Selfpublishing auf Dauer einfach zu hoch. Man merkt schnell, dass man an seine Grenzen stößt. Vor allem der flächendeckende Offline-Buchvertrieb, ist ohne einen Verlag gar nicht zu realisieren.

Weshalb ist der Verlag auf mich zugekommen? Wenn Verlage sehen, dass Bücher bereits im Selfpublishing gut laufen, minimieren sie durch die Aufnahme des Buchs in ihr Programm natürlich ihr Risiko im Vergleich zu der Aufnahme eines noch nicht markterprobten Titels. Also eine echte Win-Win Situation.

Ich hoffe, ihr konntet wieder das ein oder andere für Eure Romanveröffentlichung mitnehmen und die Tipps und Erfahrungen auf Euren Roman übertragen. Und ich bin gespannt, wofür ihr Euch entscheidet: Verlag oder Selfpublishing?

Im nächsten Teil unserer großen Serie „How to write a Novel“ geht es um folgendes Thema „Von der Entscheidung zur Veröffentlichung“, bis dahin viel Spaß und Erfolg mit Euren Buchprojekten.

Euer

Gerrit C. Paulson

How to write a novel? Teil 5 – Das Exposé und vieles mehr

Heute wartet Teil 5 unserer Serie „How to write a novel“ auf Euch, in dem wir uns zum ersten Mal mit ein paar Sachen auseinandersetzen, die nicht den Roman selbst betreffen, sondern rund um das bereits geschriebene Buch stattfinden. Denn nach den letzten Teilen wisst Ihr nun, wie man einen Roman strukturiert (Teil 1 „Von der Idee zur Struktur“), motiviert für den Schreibprozess bleibt (Teil 2 „Motivation und Durchhaltevermögen“), handwerklich auf einem guten Level unterwegs ist (Teil 3 „Das Handwerkszeug eines Schriftstellers“) und anschließend alles überarbeiten kann (Teil 4 „Die erste eigene Überarbeitung des Manuskripts“).

Aber was tun, wenn das Manuskript überarbeitet ist, die Probeleser ihr Feedback gegeben haben und alles eingearbeitet ist? Nun sollte natürlich die Veröffentlichung ansteht, für die es vielfältige Möglichkeiten gibt.

Bevor es im nächsten Schritt also an die Frage geht: Suche ich mir jetzt einen Verlag oder probiere ich es doch lieber im Selfpublishing?, müssen wir erst einmal ein paar weitere Dokumente rund um den Roman anfertigten, die für die nächsten Schritte teilweise unerlässlich sind.

Da wäre zunächst der Text, der auf der Buchrückseite Eures Romans stehen soll. Ohne diese kleine Vorschau auf die Geschichte, kommt natürlich kein Buch aus, unabhängig davon, ob er gedruckt wird oder nur als eBook erscheinen wird. Hierbei ist zunächst zu erwähnen, dass in den meisten Ratgebern der Text auf der Buchrückseite mit dem Wort Klappentext gleichgesetzt wird. Für diesen Blogbeitrag würde ich gerne diese beiden Begriffe trennen, da sich der Klappentext für mich üblicherweise auf dem eingeklappten Ende des Schutzumschlags befindet und aufgrund des geringeren Platzes in vielen Fällen etwas anders strukturiert ist, als der Text auf der Buchrückseite. Aber keine Sorgen, den Klappentext werden wir ebenfalls später noch ganz kurz thematisieren. Also was gilt es zu beachten, wenn man die Buchrückseite vorbereiten möchte? Zu allererst ist es wichtig zu wissen, dass es sich hierbei keineswegs um eine Inhaltsangabe (das sog. Exposé) handelt. Vielmehr ist es ein Vorgeschmack auf das Buch, also ein Teaser, der Lust auf mehr machen sollen. Stell dir einmal vor, dass Du Dich an einem verregneten Samstagnachmittag mal wieder in deine Lieblingsbuchhandlung verirrt hast, ganz ohne Ziel und ganz ohne Eile. Zufällig läufst du an einem Regal vorbei, siehst ein Buch mit einem interessanten Titel und einem faszinierenden Cover, dass dich direkt in seinen Bann zieht (mehr dazu im nächsten Teil unserer Serie „Die Veröffentlichung“). Du nimmst es aus dem Regal und drehst es natürlich erst einmal instinktiv um. Was Du jetzt liest wird maßgeblich zu Deiner Entscheidung beitragen, das Buch mit nach Hause zu nehmen oder wieder in das Regal zurückzustellen. Dieser Text ist also sogar noch wichtig (zumindest für die impulsive Kaufentscheidung des Lesers) als der Roman selbst. Daher als ersten Tipp; dieser kurze Text (der ca. 400-750 Zeichen lang ist) sollte eine Menge Aufmerksamkeit, Liebe und Feinschliff von Dir abbekommen. Und der wichtigste Teil dieses Textes sind dabei die ersten Sätze. In einer Buchhandlung stehen tausende von verschiedenen Büchern; hast du Zeit alle Texte auf der Rückseite von allen Büchern vollständig zu lesen? Natürlich nicht! Und wenn Du schon ein Buch in der Hand hältst und dieses umdrehst, dann entscheiden die ersten zwei Sätze darüber, ob Du den Text auf dem Buchrücken überhaupt zu Ende lesen wirst. Also, die ersten Sätze ganz bewusst wählen und gut durchdenken. Allgemein gilt für den Text: Die Kunst Spannung aufzubauen, besteht darin, gerade genug Informationen zu geben, damit der Leser sich etwas unter Deinem Buch vorstellen kann, aber zeitgleich auch genug Informationen wegzulassen, sodass Du eine Ungewissheit schürst, die beim Leser das Bedürfnis weckt weiterzulesen. Man könnte bspw. den Konflikt von Charakteren thematisieren oder eine schwierige Situation, in die Dein Protagonist gerät aufgreifen. Dabei macht es Sinn, die Ereignisse nur anzureißen und niemals ganz offenzulegen. Zudem können direkte Fragen genutzt werden, um Spannung aufzubauen. Um dies hinzubekommen, solltet Ihr Euch noch einmal vor Augen führen, was überhaupt der Konflikt/das Problem in Eurem Roman ist. Was genau macht Euren Roman so spannend, neuartig und überraschend? Hier liegt der Kern des Textes für die Buchrückseite. Zwei Tipps habe ich darüber hinaus noch für Euch: 1. Die Erzählperspektive sollte im Normalfall in der 3 Person (Gegenwart) geschrieben sein, selbst wenn der Roman an sich eine andere Zeit nutzt. Lesern wird hierdurch eine gewisse „Sicht von oben“ ermöglichst, die es in kurzen Texten einfacher macht, sich einen Überblick zu verschaffen. Während es in der 1ten Person leichter ist, Gefühle zu transportieren, kommt es in der Kürze des Textes viel mehr darauf an, objektive Geschehnisse zu skizzieren und dem Leser eine schnelle Orientierung zu bieten. 2. Sucht Euch einfach 5-10 Texte auf dem Buchrücken von besonders guten und erfolgreichen Büchern raus, die aus Eurem Genre stammen. Was sich Gemeinsamkeiten, was sind Unterschiede? Was möchtet ihr für Euren Text übernehmen, was eher nicht? Schon seid ihr recht schnell bei ca. 150 Wörter angekommen und Euer Text für die Buchrückseite steht.

 

Um den Klappentext einmal kurz separat anzureißen, hierbei befinden wir uns prinzipiell in derselben Kategorie von Texten, nur meist in kürzerer Form und manchmal auch etwas unspezifischer. Ich persönlich finde es immer ganz schön, wenn sich der Text auf dem Buchrücken und der Klappentext deutlich voneinander unterscheidet. Ich gebe Euch hierfür gerne einmal ein Beispiel aus meinem Roman „Notizen eines Gewinners“:

Buchrücken:

Als Paulo McComen den Jackpot knackt, ist das der Anfang vom Ende seines beschaulichen Dachdeckerlebens. Der gigantische Gewinn bringt ihm die Erfüllung seiner größten Wünsche und stürzt ihn gleichzeitig in seine tiefste Lebenskrise. Er verliert sukzessive den Kontakt zur Außenwelt und schließt eine unheilvolle Freundschaft mit dem Alkohol. Eine Reihe mysteriöser Träume gibt ihm zudem scheinbar unlösbare Rätsel auf und treibt ihn in eine innere Zerreißprobe. Schließlich steht Paulo vor der letzten möglichen Wahl…

Eine abenteuerliche Geschichte vom trügerischen Glück der finanziellen Unabhängigkeit, von unbezahlbaren Werten, Euphorie und Größenwahn, der Sehnsucht nach Liebe und verlorenen Freundschaften, die zum Nachdenken anstiftet. Was hat echten Wert im Leben? Wie funktionieren Beziehungen? Und wonach sehnt sich am Ende das menschliche Herz wirklich?

Klappentext:

Ein packender Roman, der an die tieferen seelischen Gründe im Menschen rührt und einen Blick in die Schattenwelt des Unbewussten wirft, aber auch die Hoffnung heraufbeschwört, dass der Mensch sich selbst finden und lieben kann.

 

Die Gestaltung dieser beiden Texte (oder die Option, nur einen dieser Texte anzufertigen) liegt natürlich ganz in Eurem ermessen. Zumindest, wenn du im Selfpublishing unterwegs sein möchtest, in einem Verlag wirst du meist gebeten, bestimmte Texte als Entwurf bereits mitzuliefern. Ich hoffe, ich konnte Dir mit der Beschreibung und den beiden Beispielen zumindest einen kleinen Eindruck geben, wie man es machen könnte. Eine mögliche Option von Vielen, Begrifflichkeiten zu definieren und die verschiedenen Texte auszuformulieren. Sicherlich findest du auch andere Möglichkeiten und Beschreibungen im Internet oder diversen anderen Quellen. Das hier war zumindest die Möglichkeit, die ich im Selfpublishing erfolgreich genutzt und später als Verlagsautor weiter verfeinert habe.

Ganz klar zu unterscheiden von dem Text auf der Buchrückseite und dem Klappentext ist allerdings das sogenannte Exposé, was einer Inhaltsangabe gleicht. Innerhalb dieser Inhaltsangabe ist es üblich, das gesamte Buch zu beschreiben, einschließlich dem Ende. Aber weshalb sollte man so etwas tun, irgendjemandem das Ende verraten und die Spannung rausnehmen? Ganz einfach: Ein Exposé ist nicht für den normalen Leser gedacht, sondern im Regelfall für Verlage und/oder Literaturagenten, die möglich schnell einschätzen möchten, ob das Buch etwas für sie ist oder nicht. Und mit „etwas für sie ist“ meine ich natürlich die nüchterne Einschätzung, ob das Buch sich gut verkaufen wird. Der Text auf der Buchrückseite ist meist nicht ganz so gut für diese Beurteilung geeignet, da hier der Fokus nicht auf der vollständigen Geschichte liegt, sondern auf dem Spannungsaufbau mit begrenzten Informationen, der für einen Verlag oder Literaturagenten erst einmal zweitrangig für die Bewertung Eurer Gesamtgeschichte ist. Ein Exposé kann es in ganz verschiedenen Längen geben, von einem kleinen Absatz, bis hin zu 10-seitigen detaillierten Ausarbeitungen. Es soll sogar Verlage geben, die eine kleine Inhaltsangabe pro Kapitel anfordert. Hier geht es also mehr darum, einen möglichst vollständigen Überblick über die Geschichte zu bekommen, um abzuwägen, ob Euer Manuskript ein Verkaufsschlager werden könnte oder eher ein Rohrkrepierer.

Ein weiterer Text, der sich entweder auf dem Buchrücken oder im inneren Teil des Schutzumschlags befindet, ist der Autorentext. Und hierfür stellt sich zunächst die Frage: Möchtest du überhaupt unter deinem bürgerlichen Namen schreiben und veröffentlichen oder nicht? Jetzt würden die meisten sicher sagen: Ja, natürlich, wieso denn nicht? Aber es lohnt sich, noch einmal in sich zu gehen und sich mit der Frage ernsthaft auseinanderzusetzten, ob ein Pseudonym auf dem Buchcover nicht doch sinnvoll sein könnte. Fangen wir einmal mit den Vorteilen an: Ein Pseudonym kann dich davor schützen, dass die Romaninhalte mit Deiner Person in Verbindung gebracht werden. Einfache Beispiele: Du schreibst an einem Erotikroman, in dem es so richtig heiß hergeht und arbeitest bei einem sehr konservativen Unternehmen. Hier könnte man sicherlich einigen bösen Blicken und evtl. sogar beruflichen Nachteilen entgehen, wenn man sich ein Pseudonym anlegt. Oder Dein Buch handelt hauptsächlich von wilden Drogenexzessen in Berliner Nachtleben und du möchtest auch in diesem Fall nicht, dass dieses Thema mit deiner „normalen“ Person in Verbindung gebracht wird. Ein drittes Beispiel, weshalb ich ebenfalls zu einem Pseudonym gegriffen habe; Du Veröffentlichst auch Beiträge oder Bücher in anderen Bereichen (bspw. wissenschaftliche Fachliteratur oder anderen belletristischen Genres) und möchtest diese beiden Bereiche nicht vermischen. Stellt Euch einmal vor, wie ihr reagieren würdet, wenn ihr den Namen Eures Lieblingskimiautors auf einmal auf einem Liebesroman entdecken würdet. Vielleicht würdet ihr das Buch sogar kaufen, in der Hoffnung, dass die liebenden Personen doch noch im Laufe der Geschichte kaltblütig ermordet werden. Bleibt dies jedoch aus, weil der Autor sind in einem anderen Genre ausprobieren möchte, sind deine Erwartungen, die du mit dem Namen des Autors verknüpft hast, nicht erfüllt worden und du wirst vielleicht nie wieder zu einem Buch desselben Autors greifen. In solch einem Fall hätte er besser ein weiteres Pseudonym angelegt. Es gibt also so einige sehr gute Gründe, um seinen „richtigen“ Namen nicht auf dem Buchcover auftauchen zu lassen oder sogar mehrere Pseudonyme zu führen. Ein Weitere wäre sicherlich, dass man sich den coolsten Namen der Welt aussuchen kann und in manchen Fällen auch dem Leser die Aussprache erleichtert, falls man sich für Euren bürgerlichen Namen eher die Zunge verknoten muss. Aber Achtung, bei der Wahl des Pseudonyms dürfen Namensrechte nicht verletzt werden! Ihr dürft Euch also nicht ohne weiteres „Justin Bieber“ nennen (falls ihr diesen Namen wirklich cool findet) und unter diesem Pseudonym Bücher veröffentlichen. Es gibt allerdings auch einige Nachteile. Einer wäre, dass der Start oft erheblich einfacher ist, wenn man unter seinem bürgerlichen Namen schreibt, da man meist in seiner Heimatstadt, Nachbarschaft, Gemeinde, Sportmannschaft, usw. ja unter genau diesem Namen bereits bekannt ist. Sieht nun jemand in der lokalen Buchhandlung Deinen Namen auf einem Buch, ist der erste Kauf schon so gut wie sicher. Falls man es in die lokale Presse schafft, wird der Name ebenfalls die ersten Verkäufe einspielen. Hier gilt es also sorgfältig abzuwägen, was in Eurem Fall mehr Sinn macht. Hast du die Frage erst einmal geklärt, ob sich ein Pseudonym in Deinem Fall anbietet oder eher nicht, geht es an den eigentlichen Text. Hier sind meist folgende vier Informationen enthalten: Name, Alter, Wohnort und Beruf des Autors. Es macht vor allem Sinn, diese Angaben auf irgendeine Weise mit dem Roman in Verbindung zu bringen. Bspw. wäre es eine interessante Information, wenn ein Diplom-Psychologe oder ein Profiler einen Kriminalroman schreiben würde, oder ein Wirtschaftswissenschafter sich mit dem Thema Geld auseinandersetzt. Somit gilt, die Informationen sollten nicht einfach wahllos sein, sondern immer mit bestimmten Aspekten des Romans indirekt in Verbindung gebracht werden, um das Leserinteresse auch hier anzufachen. Es geht also weniger um Selbstdarstellung, als darum sich in den Leser hineinzuversetzen und sich zu überlegen, welche Aspekte des Autors könnten potenzielle Leser interessieren und die Neugierde auf das Buch anfachen? Auch hier gilt; schaut Euch einfach mal den Autorentext auf anderen Bestsellern an und lasst Euch inspirieren. Ich stelle gerne den Autorentext als Beispiel zur Verfügung, der auf der Rückseite meines Romans zu finden ist, um eine grobe Idee zu geben, wie solch ein Text aussehen könnte.

Autorentext:

„Gerrit C. Paulson, geboren 1988, wuchs in einer Kleinstadt in der Nähe von Dortmund auf. Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften promovierte er im Fachbereich Marketing. Die Arbeiten an seinem Debütroman „Notizen eines Gewinners“, in dem er sich mit verschiedensten gesellschaftlichen und philosophischen Fragestellungen auseinandersetzt, schloss er im Sommer 2018 ab.“

 

Diese Texte können selbstverständlich für manche Anlässe etwas länger sein (bspw. für die Autorenbeschreibung bei Onlinehändlern) und für andere erheblich kürzer (bspw. die Beschreibung unter einem Zeitungsartikel oder Online Beitrag von Dir). Das gleiche gilt übrigens auch für den Text auf der Buchrückseite, der je nach Gelegenheit in verschiedenen Längen angepasst werden kann.

Falls ihr Euch entscheiden solltet, Euer Manuskript bei einem Verlag einzureichen, werden meist noch weitere Dokumente fällig. Um nur mal einen kleinen Überblick zu geben, während meiner Verlagsbewerbungszeit von ca. 1 Jahr ist folgendes Dokument eigentlich immer angefallen: Das Anschreiben. Hier gilt es kurz das Anliegen „Die Prüfung des Manuskriptes“, die Relevanz der Veröffentlichung (welchen Mehrwert bietet Dein Roman für den Verlag – selbstverständlich geht es hier um Umsatz!) und die Geschichte (in zwei Sätzen) zu skizzieren. Einige Verlage verlangen zudem eine Charakterübersicht, in der jede Figur aufgelistet und sorgsam beschrieben werden soll, einschließlich der Beziehungen untereinander, was schnell recht aufwendig werden kann. Zudem dürft Ihr nicht vergessen, dass Verlage Wirtschaftsunternehmen sind, somit wird auch das ein oder andere Mal eine Zielgruppenanalyse benötigt, in der Ihr die ökonomische Relevanz und mögliche Verkaufszahlen prognostizieren sollt. Allgemein kann ich Euch folgenden Tipp geben, falls ihr Unterlagen für einen Verlag oder einen Literaturagenten in dieser Phase zusammenstellen möchtet: Argumentiert nicht aus Eurer Sicht heraus, sondern probiert wie der Verlag selbst zu denken, der dieses Text später in der Hand halten soll und das Ziel verfolgt, als Unternehmen einen Gewinn zu erwirtschaften. So unromantisch sich dies auch anhört, aber ihr müsst probieren bei all diesen „Werbetexten“ nicht wie der Sender, sondern wie der Empfänger zu denken. Was ist das Ziel des Empfänger? Wie kann ich ihm mit meinem Angebot bei seinem Ziel unterstützen? Das gilt nicht nur für Verlage, sondern natürlich auch, für den Leser. Was ist das Ziel eines Lesers? Er möchte von Deinem Buch unterhalten werden! Also ist die Frage auch beim Text für den Buchrücken und den Autoreninformationen, wie könnt ihr dem Leser durch diese Texte das Gefühl vermitteln, Ihr Ziel mit dem Kauf Eures Buches zu erreichen.

Wenn ihr all diese Dokumente vorbereitet habt, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. 😊

Liebe Grüße und ich hoffe, ihr konntet auch in dieser Woche einiges auf dem Weg zur Veröffentlichung mitnehmen. Wir sehen uns zum nächsten Teil von „How to write a Novel“, in dem wir uns mit folgendem Thema auseinandersetzten werden: „Die Veröffentlichung – Ein Verlag muss her oder doch nicht?“: Innerhalb des Beitrag konnten wir sogar Kim Walla, aus dem renomierten Kamphausen.Media Verlag für einen Gastkommentar gewinnen. Ihr könnt also gespannt sein!

Euer

Gerrit C. Paulson

How to write a novel? Teil 4 – Die erste eigene Überarbeitung des Manuskripts

Im vierten Teil unserer Serie „How to write a novel“ werden wir uns mit der ersten eigenen Überarbeitung des Manuskripts beschäftigen. Und hierbei trifft folgender Spruch wie die Faust aufs Auge: „Wenn du denkst, du bist zu 95% fertig, bis du eigentlich erst zu 50% fertig“. Denn die letzten 5 % aus dem bereits geschriebenen Manuskript herauszuholen, kann gut und gerne noch einmal 50% des Zeitaufwands bedeuten, der für das Schreiben bereits angefallen ist. Aber was macht die Überarbeitung eines Manuskripts so aufwändig?

In diesem Teil probiere ich eine möglichst vollständige Auflistung der verschiedenen Checks zu geben, die ich in der Prüfung meiner Manuskripte normalerweise durchlaufe. Bei den Vorbereitungen zu diesem Blogbeitrag bin ich insgesamt auf 8 verschiedene Checks gekommen, die zumindest für mich unerlässlich sind. Eine veränderte Reihenfolge und Zusammenfassung von mehreren Check in einem Durchgang ist sicherlich möglich. Ich persönlich versuche die Checks jedoch so gut es geht zu trennen, um nichts zu übersehen, aber da gibt es sicherlich auch Leute die etwas besser im Multi-Tasking sind. 😊 Fangen wir einmal mit dem ersten Check an.

Check Nr. 1: Der Formalien-Check

Wir starten direkt mit der Formatierung Deines Word Dokuments. Die „perfekte“ Formatierung könnt Ihr natürlich auch schon vor dem ersten geschriebenen Satz vornehmen. Erfahrungsgemäß passiert das jedoch beim ersten Roman eher selten, da die meisten Erstautoren einfach voller Enthusiasmus losschreiben, ohne sich Gedanken um die Formatierung zu machen. Das ist auch keineswegs schlecht; wenn die Sätze raus wollen, dann sollte man sich meiner Meinung nach auch nicht im kreativen Moment mit Formalitäten auseinandersetzen. Ich selbst habe überhaupt erst erfahren, dass es so etwas wie eine Normseite gibt, als mein Manuskript schon im ersten Entwurf runtergeschrieben war. Früher oder später kommt dann aber doch die Erkenntnis, dass die richtige Formatierung einen bestimmten Sinn erfüllt. Also was genau ist diese Normseite und wofür ist sie eigentlich gut?

Eine Normseite hat exakt 30 Zeilen mit 60 Anschlägen, also 1800 Anschläge (Zeichen inklusive Leerzeichen) pro Seite. Für eine solche Formatierung müsst ihr die Schriftgröße 12 mit der Schriftart Courier New einstellen, den Zeilenabstand auf 11/2-zeilig setzen und folgende Seitenränder einstellen (oben: 4,5 cm, unten: 2,7 cm, links: 2 cm, rechts: 4 cm). Aber wofür der ganze Aufwand? Die einfache Antwort: Eine Normseite entspricht in etwa einer Buchseite, somit kann der Autor absehen, wie viel Seiten sein Werk in gedruckter Form aufweist. Zudem dient die Vereinheitlichung von Manuskripten Verlagen, Literaturagenten und Lektoren dazu, Romanlängen vergleichbar zu machen.

Ein weiterer psychologisch wichtiger Effekt ist, dass man auf Normseiten bereit eine ähnliche „Umblättergeschwindigkeit“ wie bei einem echten Buch erreicht und nicht zu lange auf einer Seite verharrt. Somit entsteht ein realistischeres Leseerlebnis des Manuskripts für den Autor, den Probeleser und den Lektor/Verlag.

Wo wir gerade dabei sind, um Probelesern die Angabe von Fehlern zu erleichtern, solltet ihr ebenfalls Zeilennummerierungen einfügen, die bei Word recht einfach über „Seite einrichten“ -> „Seitenlayout“ und „Zeilennummern“ eingestellt werden können. In Kombination mit der Angabe der Seitenzahl, im besten Fall in folgender Form „Seite X von X“, kann nun eine eindeutige Angabe gemacht werden.

Zur besseren Orientierung, würde ich Euch zudem empfehlen, in der Kopfziele (links) den Titel des Romans und die Angabe der Seitenzahl (rechts) hinzuzufügen. In der Fußzeile reicht normalerweise der Name des Autors (also dein Name oder dein Pseudonym, hierzu mehr im nächsten Teil unserer Serie). Schon sieht Euer Dokument deutlich aufgehübscht aus.

Zudem würde ich Euch empfehlen ein automatisches Inhaltsverzeichnis anzulegen. Hiermit können Leser oder der Lektor mit nur einem Klick in verschiedene Kapitel springen. Zudem sieht man direkt am Anfang Eures Buchs, wie der Roman aufgebaut ist. Außerdem wirkt es erheblich professioneller, als ein Roman der sofort loslegt und keine vorherige Struktur offenlegt. Ob das Inhaltsverzeichnis später im veröffentlichten Roman bestehen bleibt oder nicht, ist eine ganz andere Frage. Hier geht es erst einmal darum, es Dir, dem Leser, Literaturagenten und einem möglichen Verlag möglichst einfach zu machen.

Nun ist das Grunddokument fertig formatiert und wir können tiefer in die Formatierung des Textes hineingehen. Hier gilt es gleiche Zeilenabstände nach Überschriften oder Absätzen zu beachten. Zudem sollte man schauen welche Art von Anführungszeichen („“ oder ‚‘ oder ´´´´ oder „„`) man genau verwenden möchte und ob diese auch wirklich konsistent eingehalten werden. Hierbei hilft vor allem die „Suchen und Ersetzen“ Funktion von Word wahre Wunder! Was übrigens für einige der Checks gilt: zuerst nach einer technischen Lösung in Word suchen, erst danach händisch alles durchgehen. Dies spart in vielen Fällen enorm viel Zeit, ist aber leider nicht immer möglich.

Im Text selber ist es zudem wichtig, die Absätze an der richtigen Stelle zu setzen, da dies ebenfalls zu einem guten Lesefluss und der Wirkung von Textpassagen beitragen kann. Also überleg dir, an welcher Stelle Szenenwechsel stattfinden und setze dann die Absätze clever als stilistisches Mittel ein, um Deinen Text besser zu unterteilen und zu strukturieren. Und schon sehen die Formalien gar nicht mal so schlecht aus und wir können zum nächsten Check übergehen.

Check Nr. 2: Der Konsistenz-Check

Ist die Formatierung des Dokuments und des Textes erst einmal abgeschlossen würde ich anfangen alle möglichen Namen und Benennungen auf Konsistenz zu überprüfen. Angefangen von Charakternamen (heißt ein Charakter vorne genauso wie in der Mitte und Hinten in der Story), über Straßennamen, die benutzt werden, Wohnviertel, Markennamen, Beschreibungen von Orten, usw. Auch hier kann man teilweise mit der Suchenfunktion von Word viel Zeit sparen, aber eben nur teilweise. Komplexere Konsistenzchecks wie die Fragen: Widersprechen sich Details, die ich über eine Charakterbeschreibung gebe mit Beschreibungen desselben Charakters im Laufe des Romans? Stimmen nach Zeitsprüngen Beschreibungen von Charakteren und Orten, die sich ja zwangsläufig in irgendeiner Form verändert haben müssen, aber trotzdem eine gewisse Grundkonstanz haben. Eine weitere wichtige Frage, die ich in meinem Roman „Notizen eines Gewinners“ in der ersten Version gründlich verbockt habe: Passen die ausgewählten Namen überhaupt mit dem gewählten Ort des Geschehens zusammen? In der ersten Version meines Romans fand die Handlung noch in Wien statt, trotzdem hatten meine Charaktere irische Namen wie „Paulo McComan“, die einfach nicht zu der Stadt passten. Erst dem Lektorat ist der Fehler aufgefallen und ich konnte die Stadt noch einmal ändern. Aber genau das ist mit Konsistenz gemeint. Passt alles innerhalb der Geschichte miteinander zusammen?

Check Nr. 3: Roterfaden Check

Und auf zum Check Nr. 3. Meist probiert ein Autor in der ersten Hälfte des Romans bewusst oder teilweise auch unbewusst bestimmt Fragen aufzuwerfen, die anschließend im zweiten Teil des Romans beantwortet werden. Bei dem Roterfaden-Check geht es darum, herauszufinden, ob diese Fragen auch wirklich beantwortet werden oder einfach in der Versenkung verschwinden. Damit das Gefühl eines roten Fadens entsteht, muss ein Autor eine „große Klammer“ um sein Werk spannen. Wenn ich im ersten Kapitel fragen aufwerfe, die in den weiteren Kapiteln vollständig beantwortet werden, wird beim Leser automatisch das Gefühl eines roten Fadens entstehen. Dieser Check ist einer der Schwierigsten, weil man als Autor oft zu tief in seinem Text drinsteckt und gewisse Fragen, die man unbewusst aufgemacht hat, gar nicht mehr „sieht“. Werden diese am Ende nicht gut oder gar nicht beantwortet, bleibt der Leser fragend zurück, der rote Faden reißt. Fragen an denen man sich orientieren kann wären: „Haben alle Charaktere die auftauchen auch einen Sinn und bringen die Charaktere die Geschichte wirklich voran?“, „Gibt es Personen, Gegenstände, Orte, die plötzlich verschwinden, ohne ersichtlichen Grund?“, „Sind alle Personen, Gegenstände, Orte, der Geschichte zuträglich und fügen Sie sich am Ende des Romans in ein Gesamtbild ein?“ Ich probiere mich bei diesem Check noch einmal zu fragen: „Was soll genau die Hauptfrage sein, die ich aufmache und am Ende beantworten möchte?“ Meist ist es für den Leser angenehmer, wenn sich der Roman um ein großes Thema dreht und alle anderen Fragen, eher Unterfragen oder Fassetten der Hauptfrage darstellen. Man spricht von einem roten Faden, wenn diese eine Frage am Ende wieder sauber zugemacht wird, indem Beschreibungen von Personen, Gegenstände und Orte im Laufe der Geschichte dazu beitragen, genau diese Thematik und Auseinandersetzung direkt oder indirekt (bspw. über Charakterentwicklung) voranzutreiben. Am Ende des Tages würde ich hierzu das Zitat von einem meiner Lieblingsschriftsteller Antoine de Saint-Exupéry unterschreiben: „Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn es nichts mehr hinzuzufügen gibt, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann.“ Wenn also Personen, Orte oder Gegenstände auftauchen, die in keinster Weise die von Euch aufgeworfenen Fragen und ihre Beantwortung vorantreiben, sollte ihr mit dem Gedanken spielen diese im Sinne des roten Fadens einfach aus der Geschichte zu schmeißen, so schwer dies auch manchmal fällt.

Check Nr. 4: Feintuning des Schreibstils

Nun sind wir schon bei Check Nr. 4. Innerhalb dieses Durchgangs würde ich zunächst checken, ob die verwendete Zeit überall stimmt. Dafür muss man sich natürlich erst einmal klar machen, welche Zeit man ursprünglich für welche Bereiche des Romans benutzen wollte. Bspw. für den Hauptteil das Präsens („ich schreibe einen Roman“) und für Rückblenden die Vergangenheit? Möchte ich in der Vergangenheit im Präteritum („Ich schrieb einen Roman“) oder im Perfekt („Ich habe einen Roman geschrieben“) bleiben? Wenn ich das alles noch einmal für mich zusammengefasst habe, was ich beim Schreiben eigentlich vorhatte, gilt es dies sorgfältig zu überprüfen. Ein praktischer Tipp, es kann helfen bei anderen Runde bereits einzelne Teile farblich zu markieren, die bspw. eine Rückblende darstellen, um nachher auch visuell Bereiche deutlich abgrenzen und überprüfen zu können, in denen die Zeit wechselt. Derselbe Check gilt für die Schreibgeschwindigkeit (Erklärung, siehe Teil 2 „Das Handwerk eines Schriftstellers“). Kommt die Geschichte an manchen Stellen ins Stocken, weil ich mich in Details verliere und die Geschwindigkeit zu langsam wird? Gibt es Stelle, die evtl. zu schnell abgearbeitet werden und die „sprachliche Perfektion“ etwas auf der Streckte bleibt? Oft macht es Sinn, den Text ein paar Wochen unberührt zu lassen, um solche Feinheiten besser sehen zu können. Hierbei steht auch die Frage im Raum: Finde ich ein gutes Mittelmaß zwischen stilistischen Mitteln und einer flüssigen Erzählung die vorangetrieben wird? Falls ihr länger an Eurem Roman schreibt, kann es auch vorkommen, dass sich Euer Sprachstil im Rahmen des Schreibprozesses spürbar weiterentwickelt. In diesem Fall würde ich Euch empfehlen, an dieser Stelle die ersten Kapitel noch einmal anzupassen, um das Gesamtwerk auf das bestmögliche Level zu heben. Was oft bereits unbewusst passiert, ist der konsistente Einsatz sehr charakteristischer stilistischer Mittel, die man mit Eurem individuellen Schreibstil in Verbindung bringen kann und die einen gewissen Wiedererkennungswert ausmachen (bspw. das wiederholte Arbeiten mit Anaphern, siehe Teil 3 „Das Handwerkszeug eines Schriftstellers“). Selbst wenn dies unbewusst stattfindet, kann man auch hier noch einmal bewusst darauf achten, was den eigenen Schreibstil eigentlich ausmacht und ob dieser konsistent eingesetzt wird.

Wie anfangs erwähnt, müssen die Checks nicht nacheinander und isoliert voneinander durchlaufen werden, die Unterteilung dient hier lediglich der Übersichtlichkeit. Nichtsdestotrotz möchte ich an dieser Stelle noch einmal erwähnen, dass es oft Sinn macht, sich in jedem Durchgang zumindest primär auf einen Check zu konzentrieren, sonst wird man nicht ganz so ordentlich arbeiten können. Wenn dann zufällig etwas anderes mit auffällt, dann kann man dies natürlich auch in einem Durchgang mit anmerken.

Check Nr. 5 & 6: Rechtsschreib- und Grammatikcheck

Nun ist der Text an sich konsistent, der rote Faden und Schreibstil angepasst. Da bis zu dieser Phase noch einige Änderungen im Text vorgenommen werden, würde ich erst nach diesen Anpassungen einen detaillierten Rechtschreib- und Grammatikcheck vornehmen. Selbstverständlich kontrolliert man diese zwei Sachen auch schon während des Schreibprozesses und wenn man einzelne Kapitel abgeschlossen hat, jedoch liegt hier der Teufel im Detail. Jeder der schon einmal einen Fehler in einem bereits veröffentlichten Buch eines renommierten Verlags entdeckt hat, kann sich ausmalen, dass selbst monatelange Checks nicht perfekt sind und man schlichtweg viele Dinge überliest. Ein paar kleinere Fehler werden wahrscheinlich gar nicht auffallen, aber unser eigener Anspruch ist und sollte es ja immer sein, ein möglichst fehlerfreies Buch zu veröffentlichen. Daher macht es an dieser Stelle Sinn, sich Kapitel für Kapitel vorzunehmen und noch einmal auf Fehlersuche zu gehen. Nutzt in jedem Fall das Internet und den Duden, wenn ihr Euch nicht 100% sicher seid. Als kleiner Tipp, es bietet sich an, die Kapitel auch einmal in zufälliger Reihenfolge aufzupicken. Wenn ihr immer ganz vorne mit der Fehlersuche anfangt und bspw. an einem Tag Kapitel 1-5 durchgeht und am nächsten 6-10, dann werdet ihr immer ab Kapitel 4 oder 5 und 9 oder 10 müde und unaufmerksam werden. Das heißt die Fehler in diesen Kapiteln werden signifikant häufiger übersehen. Also auch hier einfach mal mit Kapitel 4 anfangen oder mit Kapitel 9.

Check Nr. 7: Flow der gesamten Geschichte

Jetzt habt ihr einen hoffentlich möglichst fehlerfreien Text, der sprachlich gut gestaltet und konsistent ist und zudem noch einen roten Faden aufweist.

Nun kommt die Königsdisziplin: Der Flow der gesamten Geschichte. Auch hier kann es nicht schaden, das Manuskript 2-3 Wochen liegen zu lassen, bevor ihr Euch an den nächsten Check wagt.

Also was genau ist nun unter „Flow“ zu verstehen? Um einmal das Gabler Wirtschaftslexikon zu zitieren: „[Flow ist ein] besonders positives emotionales Erleben bei einer Tätigkeit, das dadurch charakterisiert ist, dass eine Person ganz auf ihr Tun konzentriert ist und darin aufgeht, sich selbst dabei vergisst, das Zeitgefühl weitgehend verloren ist („Die Zeit vergeht wie im Flug”).“ Fast jeder kennt diesen Zustand, das Gefühl in einem Tunnel zu sein, alles außer der Tätigkeit selbst verschwimmt und wird unwichtig. Im wahrsten Sinne des Wortes sind die Scheuklappen aufgesetzt. Willkommen im „Flow“. Genau diesen Zustand soll der Leser Deines Buches möglichst von vorne bis hinten erreichen. Aber was sind Dinge, die den Flow hervorrufen? 1. Klarheiten und Konsistenzen in der Geschichte und im Schreibstil. 2. Ein einfaches Leseerlebnis durch unkomplizierte und klare Sätze, Storyelemente und Handlungen. Hierbei darf kompliziert nicht mit komplex verwechselt werden. Viele Geschichten werden erst durch ihre Komplexität besonders, aber sie sollten dabei niemals unnötig kompliziert sein (siehe Check Nr. 3). 3. Der Leser sollte sich in Deinen Text möglich gut einfühlen können. Hierbei sind der Schreibstil und die Lesegeschwindigkeit essentiell.

Als nächstes sollte in diesem Schritt noch einmal der Spannungsbogen gecheckt werden (siehe Teil 3: „Handwerkszeug eines Schriftstellers“). Wie viel Zeit vergeht am Anfang der Geschichte bis ein bestimmtes Spannungslevel aufgebaut ist? An welchem Punkt ist die Spannung am höchstens? Wie schnell fällt die Spannung nach dem Höhepunkt wieder ab? Auch hier gilt es den Leser bei Laune zu halten. Es geht also immer darum, dass die Geschichte spannend ist und sich trotzdem gleichzeitig mühelos und rund anfühlt. Hört sich kompliziert an? Ist es auch, denn oft fühlen sich einzelne Passagen gar nicht rund an, aber man weiß einfach nicht so genau weshalb. Es ist einfach ein Gefühl. In diesem Fall macht es Sinn andere Personen einmal Probelesen zu lassen und nach ihrer Meinung zu fragen.

Check Nr. 8: Flow der einzelnen Kapitel

Nun ist die Geschichte in sich in einem guten Flow! Meiner Erfahrung nach gibt es allerdings manchmal einen kleinen Zielkonflikt zwischen den „perfekten“ Kapiteln in einer isolierten Betrachtung und der „perfekten“ Story in ihrer Gesamtheit. Ihr können die Gesamtgeschichte so weit optimieren, dass es für ein Leseerlebnis am Stück eine super Geschichte ist, allerdings müsst ihr dabei berücksichtigen, dass nur die wenigstens Leser die Zeit oder Konzentrationsfähigkeit haben einen etwas längeren Roman an einem Stück zu lesen. Das heißt, wenn ihr jetzt alles in Bewegung gesetzt habt, um die Gesamtgeschichte zu optimieren, bleiben vllt. manchmal einzelne Kapitel etwas auf der Strecke. Nehmen wir nun einmal an, der durchschnittliche Leser liest zwischen 50 und 100 Seiten an einem Tag. Wie verhält es sich mit dem Flow, wenn der Leser hier stoppt und wie gut kommt er wieder in die Geschichte rein, wenn er 2-3 Tage später genau dort wieder ansetzt. Dies sind alles Fragen, die man im letzten Check noch einmal aufgreifen kann, um das bestmögliche Lesererlebnis hinzubekommen. Ich bin mir sicher, dass es auch andere Meinungen zu diesem Thema gibt, die sicherlich ebenfalls ihre begründeten Vor- und Nachteile haben, jedoch glaube ich persönlich, dass es hier auf ein gesundes Mittelmaß zwischen einem guten Flow der Einzelkapitel und der Gesamtgeschichte ankommt. Wenn Ihr nur die einzelnen Kapitel optimiert, kann dies auf Kosten der Gesamtgeschichte geben. Wenn ihr nur die Gesamtgeschichte optimiert, kann darunter das einzelne Kapitel leiden, was für eine normale Lesesession von vllt. 50 bis 100 Seiten nicht zu vernachlässigen ist. Im Zweifel würde ich immer zu Gunsten der Gesamtgeschichte entscheiden, jedoch sollte man es hier nicht übertreiben und auch berücksichtigen, dass Leser oftmals nach 3-4 Kapiteln den ersten Stopp machen, manch einer nimmt sich sogar vor, jeden Tag ein Kapitel zu lesen. Somit war es mir hier im letzten Check noch einmal wichtig für das Thema zu sensibilisieren.

Checkübergreifend ist natürlich noch einmal deutlich zu erwähnen, dass ich selbstverständlich auch während anderen Checks noch Rechtschreib- oder Grammatikfehler verbessere, wenn ich sie zufällig finde oder hier und da mal den Schreibstil anpasste. Aber die Idee an sich ist es, ein klares Hauptziel bei jedem Check zu haben und sich auf dieses Ziel primär zu fokussieren, was Eure Überarbeitung erheblich genauer und besser macht, als alles auf einmal zu wollen.

Wenn Ihr jetzt denkt: „Wow, das hätte ich mir irgendwie etwas einfacher vorgestellt!“ dann habe ich jetzt noch einen kleinen Tipp für Euch. Folgende Checks:

Check Nr. 3: Roterfaden Check

Check Nr. 4: Feintuning des Schreibstils

Check Nr. 7: Flow der gesamten Geschichte

Check Nr. 8: Flow der einzelnen Kapitel

können und sollten immer wieder in weiteren Runden erneut durchlaufen werden. Solange bis Du wirklich zufrieden bist. Erst wenn ihr denkt es gibt nicht besser, dann geht es ab an die Probeleser. Hier würde ich Euch ebenfalls empfehlen, sucht Euch für jeden Check einen anderen Probeleser, der nur auf diesen einen Check achten soll und in diesem Bereich Eurer Meinung nach besonders gut ist. Im Anschluss erst 1-2 richtige Probeleser, die, nach der Einarbeitung der entdeckten Fehler, wie „wirkliche Leser“ lesen. Es kann also nicht schaden einen großen Freundeskreis zu haben. 😊

Um Euch eine kleine Zeiteinschätzung zu geben. Die verschiedenen Checks und Probeleserunden haben bei meinem Roman „Notizen eines Gewinners“ etwas mehr als 2 Jahre in Anspruch genommen. Dies geht selbstverständlich schneller bei hauptberuflichen Schriftstellern oder mit etwas mehr Übung, aber schon alleine die Möglichkeit das Manuskript einmal 1-2 Monate unberührt liegen zu lassen und frisch in eine neue Checkrunde zu starten, verbessert die Qualität Eures Romans enorm.

Ich hoffe, ich konnte Euch auf dem Weg zu Eurem Roman mit dem heutigen Beitrag zur Manuskriptüberarbeitung etwas weiterhelfen. 😊

Liebe Grüße und bis zum nächsten Teil von „How to write a Novel“, in dem wir folgendes Thema etwas genauer beleuchten werden „Das Exposé und vieles mehr“.

Gerrit C. Paulson

How to write a novel? Teil 3: Das Handwerkszeug eines Schriftstellers

Teil 3 unserer großen Serie „How to write a novel“ beschäftigt sich mit einigen Schreibtechniken, die ein Schriftsteller so im Repertoire haben kann. Es geht also um Charakterkunde, Dramaturgie und verschiedene Erzähltechniken. Nachdem in Teil 1 beschrieben wurde, wie aus einer Idee ein Storybuch entsteht und in Teil 2, wie der innere Antrieb aussehen sollte, um aus dem Storybuch einen Text zu machen, befassen wir uns heute mit der Frage: „Was macht eigentlich einen guten Text aus?“

Wie bereits in Teil 1 erwähnt, ist es essentiell lebendige und spannende Charaktere innerhalb eines Romans zu erschaffen. Aber wie kriegt man das hin? Macht es vielleicht Sinn einfach einen perfekten Charakter zu kreieren, den sich jeder als Vorbild nehmen kann? Wahrscheinlich nicht! Und meist ist sogar genau das Gegenteil der Fall, gerade Ecken und Kanten machen einen guten Charakter erst greifbar und interessant für den Leser. Diese Person muss dabei noch nicht einmal sonderlich sympathisch sein, manchmal führen gerade negative Eigenschaften dazu, dass Eure Charaktere in Erinnerung bleiben. Aber egal ob Held oder Antiheld, was gegeben sein muss, ist, dass diese Person in ihrer eigenen Gedankenwelt recht nachvollziehbar handelt. Und das ist tatsächlich eine der wenigen Grundregeln. Ihr könnte also durchaus einen Serienkiller auftreten lassen, der für normale Menschen total verrückt handelt. Innerhalb der Gedankenwelt es Serienkillers, müssen seine Handlungen und Reaktionen allerdings einen gewissen Sinn ergeben und dieser Sinn sollte nicht (zumindest nicht ohne nachvollziehbaren Grund) durch eine zukünftige Handlung ad absurdem geführt werden. Diese Gabe, sich in Personen hineinzuversetzen und sie in ihrer Gedankenwelt zu verstehen, bescherte schon einigen Krimi-autoren den Stempel: Durchgeknallt! Man kann es sehen wie man möchte, aber diese Eigenschaft der Empathie ist zweifelsohne unerlässlich für einen guten Schriftsteller und keine einfache Sache. Damit hätten wir die erste Grundbedingung also bereits gefunden, Empathie und die Beschreibung von Handlungen, die zumindest in der Gedankenwelt der Romanfigur einen gewissen Sinn ergeben.

Noch komplizierter wird es jedoch, wenn sich ein Charakter im Laufe der Geschichte „entwickeln“ soll. Hierfür sollte dem Leser immer ein Ereignis geschildert werden, das diese Entwicklung in ihm und seiner Gedankenwelt hervorruft. Und sei es auch nur die Zeit, die ein Charakter im Laufe des Buches „lebt“. Auch der Alterungsprozess ist ein Ereignis, das bestimmte Charakterveränderungen mit sich bringen kann. Falls dieses oder jenes Ereignis jedoch nicht eintrifft gilt: Konsistenz und Stringenz machen einen Charakter glaubwürdig und helfen dem Leser, sich in die Person hineinzufühlen.

Ist diese grundlegende Bedingung der Glaubwürdigkeit erfüllt, gilt es den Charakter möglichst lebendig und plastisch darzustellen. Hierfür gibt es viele Möglichkeiten. Aufgrund des Blogcharakters werde ich allerdings nur auf zwei von ihnen eingehen, die ich persönlich besonders hilfreich finde.

1) Die Schönheit liegt im Detail. Wenn Du eine Person beschreibst, probiere Details mitzunehmen, die einem unaufmerksamen Beobachter vielleicht verborgen geblieben wären. Diese Details sollten nicht willkürlich gewählt werden, sondern immer einen bestimmten Zweck erfüllen, der in Zukunft für die Geschichte noch einmal von Wichtigkeit sein wird. Beispielsweise könnte man bei einer Personenbeschreibung folgendes anbringen; „[…] die akkurat hochgesteckten Haare, die lediglich eine einzige Strähne ihres goldblonden Haars preisgaben […]“, um die Eleganz und Eitelkeit einer jungen Dame zu betonen, die ihr später vielleicht noch zum Verhängnis werden könnte. Oder „[…] seine ausufernden Augenbrauen, zwischen denen sich bereits einige graue Härchen eingenistet hatten.“, um zu zeigen, dass der Charakter bereits etwas in die Jahre gekommen ist, ohne dagegen anzukämpfen, weshalb er in der Geschichte bestimmte Handlungsweisen an den Tag legt.

2) Die Rückblende. Meiner Meinung nach gehören gut platzierte Rückblenden mit zu den wohl schönsten Arten, einen Charakter kennenzulernen. Durch das beschreiben von längst vergangenen Erlebnissen, hat man die Chance das Handeln der Personen im Hier und Jetzt erheblich besser nachzuvollziehen. Auch wenn der Leser die Handlung des Charakters nicht gutheißt, kann eine Rückblende an der richtigen Stelle dazu führen, dass sich der Leser fragt: „Wenn ich dasselbe erlebt hätte, würde ich dann vielleicht genauso handeln.“ Eine Figur, die etwa ihre Eltern umbringt, wirkt plötzlich viel nachvollziehbarer, wenn eine Rückblende enthüllte, dass die Eltern den Protagonisten jahreslang körperlich und seelisch misshandelt haben. Eine oder mehre Rückblenden haben zudem den Vorteil, dass die „Erkenntnis“ zur Begründung einer Handlung im Hier und Jetzt für den Leser oft häppchenweise kommt und erst im Laufe der Geschichte ein vollständiges Bild ergibt, die den Charakter greifbar macht. Hierdurch springt der Leser immer wieder zwischen verschiedenen Emotionen hin und her. Genau diese gedankliche Beschäftigung, führt dazu, dass man Empathie aufbaut und das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte.

Bei allen hier beschriebenen Techniken gilt natürlich: Übung macht den Meister! Wenn Ihr also das Schreiben kontinuierlich praktiziert und Ihr Euch von sehr guten Büchern aus Eurem Genre inspirieren lasst, wird der Fortschrift mit der Zeit ganz automatisch kommen. Es hilft natürlich auch immer sehr, einzelne Textpassagen oder Kapitel an geübte Leser zu geben und sich Feedback von Freunden und Profis einzuholen.

Um bei dieser ganzen Gemengelage den Überblick zu bewahren, weise ich noch einmal auf Teil 1 und die Empfehlung hin, während des Schreibens ein Charakterbuch zu führen.

Wenn wir uns einmal den zweiten Bereich „Dramaturgie“ anschauen, dann sprechen wir überwiegend über die Handlung einer Geschichte (den Plot) und den Spannungsaufbau. Auf der einfachsten Ebene besteht ein Roman, wie jede andere Geschichte auch, aus einem Anfang, einer Mitte und einem Ende. Innerhalb dieser drei Bereiche wird versucht, den Leser stets durch Spannungsaufbau zum Weiterlesen zu animieren. Was sich so einfach anhört, gehört wohl zu den schwierigsten Bereichen des Handwerks der Schriftstellerei. Bereits Aristoteles befasste sich mit dem heiklen Thema des Spannungsaufbau und unterschied dabei zwischen zwei Erzählformen, dem Dramen und der Komödie. Unter einem Drama verstand er die Geschichte eines guten Menschen, der unverschuldet in einen Konflikt gerät. Eine Komödie stellte für ihn die gegenteilige Situation dar: Ein schlechter Mensch gerät selbstverschuldet in einen Konflikt und wird der Lächerlichkeit preisgegeben. Schauen wir uns einmal den Aufbau eines Dramas beispielhaft an. Hierbei werden die Akte meist in 5 verschiedenen Phasen eingeteilt: 1. Die Exposition, in der die Personen und das Setup zunächst beschrieben und vorgestellt werden. Oftmals kündigt sich hier bereits ein Konflikt an. 2. Die Komplikation, in der der Konflikt deutlich herausgearbeitet wird. 3. Die Peripetie, hier erreicht die Handlung ihren Höhepunkt. In dieser Phase findet ein entscheidender Wendepunkt statt. 4. Die Retardation, in der sich die Handlung verlangsamt, um auf den letzten und entscheidenden Akt zuzusteuern. 5. Die Katastrophe. Innerhalb derer es zwei mögliche Ausgänge gibt. A) Die Katastrophe tritt ein oder B) die Katastrophe wird im letzten Moment abgewandt.

Innerhalb dieser einzelnen Phasen wird meist damit gespielt, Hoffnung und Pessimismus im Leser auszulösen, ob die Katastrophe eintrifft oder abgewandt werden kann. Spannung wird dadurch erzeugt, dass der Leser im Laufe der Geschichte stets hin und her gerissen ist und somit dem Ende entgegensehnt, das diese innerliche Spannung auflöst.

Das hört sich vielleicht auf den ersten Blick etwas theoretisch an, findet sich allerdings erstaunlich oft genau so in vielen modernen Filmen, Büchern und sogar Liedern wieder. Es macht also schon Sinn, sich grob an diese etablierte Einteilung zu halten, falls ihr die Struktur eines Dramas übernehmen möchtet. Wie ausgeprägt welcher Teil am Ende genau ist und wie schnell ihr die einzelnen Phasen durchlauft, ist oft sehr individuell und entscheidet sich sicherlich auch nach dem persönlichen Geschmack des Schriftstellers. Als praktischen Tipp würde ich Euch empfehlen Euer Storybuch einmal zur Hand zu nehmen und in Ruhe anzuschauen, welche Phasen ihr in Eurer Geschichte wann genau durchlauft, wie diese anhand der archetypischen Phasen optimiert werden können und wie der Spannungsaufbau verbessert werden kann. Diese Optimierung führt oftmals dazu, dass am Ende noch einmal einzelne Kapitel herausfallen oder weitere Zwischenkapitel eingefügt werden, die für einen besseren „flow“ mit einer optimierten Spannungskurve sorgen. Soviel als kurzer Abriss zur Dramaturgie.

Schauen wir uns einmal den dritten Bereich „die Erzähltechnik“ etwas genauer an, die eigentlich ein Oberbegriff für ziemlich viel ist. Zuerst natürlich die Erzählform, in der der Schriftsteller zwischen dem „ER/SIE Erzähler“ und dem „Ich-Erzähler“ wählen kann. Und natürlich die Erzählsituation, in der meist zwischen dem „neutralem Erzählen“, das sich allein auf das Beschreiben von objektive Handlungen von Personen bezieht und dem „personalen Erzählen“, das das Innenleben des Protagonisten/oder auch anderen Personen samt Gedanken und Emotionen mit einschließt. Noch bevor der erste Satz überhaupt geschrieben ist, gilt es sich hier einzuordnen. Daher auch der Hinweis in Teil 2 unserer Serie, dass die Reihenfolge zwischen Teil 2 „Motivation und Durchhaltevermögen“ und dem Teil 3 „Das Handwerkszeug eines Schriftstellers“ sicherlich auch in umgekehrter Reihenfolge hätte erfolgen können. Nichtsdestotrotz, finde die hier zu treffenden Entscheidung in der Erzählform und -situation meiner Meinung nach meist sehr intuitiv statt. Manchmal ist es allerdings gar nicht so schlecht mit den verschiedenen Formen gedanklich zu spielen und im Vorfeld zu schauen, welche der verschiedenen Möglichkeiten sich für Dich besser anfühlt und zu Deiner individuellen Geschichte passt.

Was ebenfalls spannend ist, ist die Unterscheidung verschiedener Erzählgeschwindigkeiten, mit denen du deinen Roman „laufen lassen“ kannst. Hierbei gibt es drei Möglichkeiten. 1) Die Erzählzeit im Buch ist in etwas genauso schnell wie die „wirkliche Zeit“, die der Leser für das Lesen der entsprechenden Passagen im Hier und Jetzt benötigt. 2) Die Erzählung ist schneller als die „wirkliche Zeit“, indem einige Passagen im Buch kürzer dargestellt werden als die Realität und damit zeitlich gestaucht werden. Und 3) die Zeitdehnung, in der einzelne Gedankengänge, Passagen oder Details so sehr ausgeschmückt werden, dass die Erzählung langsamer verläuft als die „wirkliche Zeit“. Zudem kommen auch in diesem Bereich noch Zeitsprünge und die oben bereits erwähnten Rückblenden hinzu. Ihr seht also, alleine diese zwei Bereiche der Erzähltechnik sind bereits sehr vielfältig und können einen guten von einem schlechten Roman unterscheiden.

Sind all diese grundlegenden Dinge einmal in Fleisch und Blut übergegangen, geht es tiefer in den Text und um die Möglichkeit, verschiedene Stilmittel einzubauen. Auch diese werden oft intuitiv benutzt, da sie bei vielen Menschen bereits in den alltäglichen Sprachgebrauch übergangen sind. Ich möchte Euch jedoch trotzdem an dieser Stelle ein paar Möglichkeiten vorstellen, da die Bandbreite wirklich enorm ist und das Erlernen der Stilmittel und deren zielführender Einsatz sicherlich eine Lebensaufgabe für jeden Schriftsteller darstellt. Nr. 1) Die Anapher, bei der sich bestimmte Worte in aufeinanderfolgenden Sätzen wiederholen. Ein Beispiel aus meinem Roman „Notizen eines Gewinners“ wäre: „Er merkte, dass er müde wurde, es war okay. Er spürte, dass seine Augen langsam zufielen, doch es war okay.“ Diese Wiederholung hat oft eine große Wirkung und kann die Wichtigkeit der beschriebenen Situation betonen. Nr. 2) Die Hyperbel, die eine Übertreibung darstellt, wie bspw. „Sie hatte Beine, die bis zum Himmel reichten“. Hierdurch können Dinge verbildlicht werden und führen in der Übertreibung oftmals zu einer Auflockerung des Textes. Nr. 3) Der Vergleich: „Er war gelenkig wie eine Eisenstange.“. Auch hier handelt es sich um eine Art Verbildlichung von Situationen oder Personen. Ist es entscheidend, Bilder im Kopf des Lesers entstehen zu lassen, wofür Vergleiche bestens geeignet sind. Dieser Vergleich wird umso stärker, ne näher und realitätsgetreuer man ihn ausführt. Allerdings kann ein Text mit zu vielen Vergleichen auch schnell etwas „sperrig“ wirken. Dies gilt ebenfalls für Nr. 4) „Die Metapher“. Hierbei werden zwei Bereiche miteinander verbunden, die eigentlich nicht zusammengehören. Wie beispielweise die Beschreibung: „Wenn Sie einmal richtig loslegte, konnte ihr keiner das Wasser reichen!“. Nr. 5) Die rhetorische Frage: „Wer möchte schon der letzte sein, der beim Sport gewählt wird?“. Diese Frage dient dazu, dass sich der Leser direkt angesprochen fühlt und eine Antwort in seinem Kopf abruft. „Natürlich niemand!“, denkt er sich und tritt dadurch mit dem Text in Interaktion. Auch hier gilt, desto stärker die Gedankliche Auseinandersetzung mit dem Text, desto besser.

Noch stärker werden Stilmittel, wenn der Leser die Situation selbst schon einmal erlebt hat. Bspw. „Er schlug das verstaubte Buch auf, schloss die Augen und grub seine Nase tief in die Seiten. Ein Geruch, den er unweigerlich mit dem alten Dachboden seiner Oma verband, auf dem er als Kind stundenlag Bücher durchblätterte, die er nicht verstand.“ Hier wird eine Situation beschrieben, mit der jeder Leser etwas anfangen kann, nämlich seine Nase in Bücher zu stecken und schon einmal auf dem Dachboden seiner Oma gewesen zu sein. Wenn du solche vertrauten Dinge an der ein oder anderen Stelle nutzen kannst, dann wird der Leser sich noch stärker mit dem Charakter identifizieren können.

Dies ist, wie gesagt, nur ein kleiner und sehr verkürzter Auszug von möglichen Stilmitteln, um Euch eine Idee von der Komplexität zu geben, die jedem Text innewohnt. Abschließend ist noch zu sagen, dass bei allen eingesetzten Stilmitteln oft ein gesunder Mittelweg vom Leser als angenehm empfunden wird. Ein Text ohne Stilmittel wirkt viel zu nüchtern für einen Roman, wenn du es allerdings übertreibst und in jedem zweiten Satz einen Vergleich anführst, dann wirst du den Leser schnell ermüden und die Story nicht vorantreiben können. Selbstverständlich wird bei all diesen Entscheidungen der persönliche Schreibstil des Schriftstellers sichtbar, jedoch gilt es auch die Lesbarkeit für denjenigen im Auge zu behalten, für den der Roman am Ende geschrieben wird: Den Leser!

Einen kleinen Tipp kann ich Euch zu guter letzte noch mitgeben. Es lohnt sich immer mit den Beschreibungen von Situation möglichst viele Sinne anzusprechen. Ihr müsst Euch vorstellen, wenn wir die Welt erleben, dann nehmen wir diese immer über alle unsere fünf Sinne war. Wenn ihr jetzt Situationen beschreibt, dann reicht es daher nicht aus, lediglich auf einen einzigen Sinn, bspw. auf das gesehene einzugehen, denn dann würdet ihr vier weitere Sinne komplett außenvorlassen. Statt also zu schreiben „Er wachte auf und sah seine Frau neben sich liegen“ (LEDIGLICH SEHEN) ist es erheblich plastischer, wenn ihr probiert möglichst viele verschiedene Sinne gleichzeitig anzusprechen: „Er wachte auf und roch den vertrauten Duft ihrer Haare (RIECHEN), spürte ihre weiche Haut auf seiner (FÜHLEN). Eine angenehme Wärme durchflutete ihn (FÜHLEN), als er sie leise neben sich atmen hörte (HÖREN). Langsam öffnete er die Augen und vor ihm erstrahlte das Gesicht seiner geliebten Frau (SEHEN).  Ihm wurde wieder einmal klar, wie schön es doch war, jemanden wie sie an seiner Seite zu haben.“ Ich glaube anhand dieses Beispiels wird es recht deutlich, dass es sich lohnt, mehr als eine Sinneswahrnehmung zu berücksichtigen.

Ich hoffe, Euch hat der kleine Ausflug in die Handwerkskiste eines Schriftstellers gefallen! Der Moment, in dem ich selbst die Vielschichtigkeit von Texten zum ersten Mal verstanden und erkannt habe und mir klar wurde, wie viel ein Autor beachten muss, um ein halbwegs vernünftiges Buch zu schreiben, war der Moment an dem ich kein einziges Buch mehr kritisiert habe. Es gibt einfach zu viele Dinge, die man falsch machen kann, zu viele Fallstricke, zu viele Hürden (das war übrigens jetzt eine Anapher 😉), um dem Autor nicht auch mal hier und da kleinere Fehler zu verzeihen. Niemand ist perfekt, vor allem nicht Schriftsteller. Daher freue ich mich für alle Kollegen, die bereits ein Buch herausgebracht haben und bewundere alle, die sich an die Aufgabe heranwagen, trotz der Komplexität. Haltet durch, es lohnt sich!

Liebe Grüße und bis zur nächsten Woche, in der wir einen Blick auf „Die erste eigene Überarbeitung des Manuskripts“ werfen. Bis dahin viel Spaß beim fleißigen Schreiben und der Weiterentwicklung Eures Handwerks. 😊

Gerrit C. Paulson

How to write a novel? Teil 2: Motivation und Durchhaltevermögen

Herzlich Willkommen bei Teil 2 unserer großen Serie „How to write a novel“, die ab jetzt wöchentlich für Euch erscheint. Falls Ihr bislang noch keine Zeit gefunden hab, in den ersten Teil „Von der Idee zur Struktur“ reinzuschauen, würde ich Euch dies gerne an dieser Stelle mitgeben. Die verschieben Bereiche bauen aufeinander auf und werden oftmals sequenziell bei der Entstehung eines Romans durchlaufen. Selbstverständlich ist diese Anordnung kein perfektes Konzept, sondern viel mehr ein Sammelsurium an Erfahrungen, die ich im Rahmen meiner schriftstellerischen Tätigkeit sammeln durfte und gerne mit Euch teilen möchte.

Nachdem im letzten Teil unserer Reihe schon beschrieben wurden, dass eine klare Struktur entscheidend ist, um eine Idee in ein Storybuch zu überführen (siehe Teil 1), widmen wir uns heute der Motivation und dem Durchhaltevermögen, um dieses Storybuch in einen Text umzuwandeln. Dabei ist natürlich vollkommen klar, dass es für einen guten Text erheblich mehr bedarf, als eine konsistente Struktur und die Motivation, diese auch niederzuschrieben. Nichtsdestotrotz möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass selbst das beste schriftstellerische Handwerk, zu keinem fertigen Roman führen kann, wenn der Autor keine Motivation und kein Durchhaltevermögen an den Tag legt. Daher betrachte ich im Entstehungsprozess eines Romans die Motivation als absolut notwendige und erste Bedingung für den Schreibprozess. Ohne Motivation, wird es sicherlich auch schwierig werden, sich ernsthaft mit Charakterkunde, Dramaturgie, Formenkunde oder Erzähltechniken auseinanderzusetzen. Daher würde ich gerne diesen zweiten Teil zur Motivation nahtlos anschließen und erst im dritten Teil näher auf das Handwerkszeug eines Schriftstellers eingehen, im vollen Bewusstsein, dass auch eine andere Reihenfolge durchaus möglich wäre.

Im Folgenden möchte ich meine Schilderungen so ehrlich wie möglich formulieren, auch wenn ich dabei Gefahr laufen sollte, die ein oder anderen Illusion zum romantischen Schriftstellerdasein zu zerstören. Sprechen wir es am Anfang einmal ganz schonungslos aus:

Punkt 1: Es dauert verdammt lange einen Roman zu schreiben, diesen anschließend mühsam zu überarbeiten und am Ende noch einen Verlag zu finden und

Punkt 2: Ihr könnt Euch sicher sein, dass es im Entstehungsprozess mehr Rückschläge geben wird als Euch lieb ist!

Ich sage dies nicht, um Euch zu entmutigen, abzuschrecken oder unnötig Angst zu machen, sondern, um an dieser Stelle keine falschen Erwartungen zu schüren und noch einmal zu betonen, wie wichtig die langfristige Motivation und das Herzblut ist, das ihr für solch ein Projekt aufbringen müsst. Um nur mal ein paar einfache Beispiele zu nennen, die mir während den Arbeiten an meinem ersten Roman widerfahren sind: Ich erinnere mich an einen Computervirus, der monatelange Schreibarbeit in Sekunden auf meiner Festplatte vernichtete, an Dateien, die ich versehentlich überspeichert habe, verlorene USB Sticks mit ungesicherten Texten, ganze Kapitel, in denen man sich so sehr verrannt hatte, dass sie später komplett gelöscht werden mussten. Momente in denen ich am liebsten den Laptop aus dem Fenster geworfen hätte. Wenn es mal nicht so Rund läuft, und glaubt mir, der Moment wird kommen, ist eine einzige Frage entscheidend:

Was genau ist Deine Motivation?

Vielleicht kennt ihr den golenden Kreis von Somon Sinek, der einem helfen soll, Projekte erfolgreich umzusetzen. Bei dem Schaubild handelt es sich um einen Kern in der Mitte (dem WARUM), der von zwei Ringen umgeben ist, einen mittleren (dem WIE) und einen äußeren (dem WAS). Laut Sinek funktionieren Erfolgsstrategien nur, wenn sie von innen nach außen gerichtete sind. Sprich, wir müssen uns zuerst die Frage stellen, WARUM wir etwas tun wollen, welche Bedürfnis wollen wir mit der Tätigkeit für uns abdecken? Desto näher diese Bedürfnisse, an unseren eigentlichen Grundbedürfnissen liegen, desto besser. Daher ist der Anreiz: „Ich möchte Geld verdienen“ ein ziemlich schwacher, weil wir hier nicht wirklich bis zum innersten Kern unseres Bedürfnisses vordringen. Wenn ich weiterfragen würde „Weshalb ist es dir so wichtig Geld mit einem Roman zu verdienen?“ Dann kommen wir langsam in eine Kategorie, die vllt. das Grundbedürfnis nach finanzieller Absicherung oder Sozialer Anerkennung ausdrückt. Und genau dort solltet ihr probieren hinzukommen, zu dem Kern Eures WARUMs.

Mir ist noch einmal wichtig zu sagen, dass ich es mir keineswegs anmaße individuelle Bedürfnisse von anderen zu hinterfragen oder, noch schlimmer, diese zu bewerten. Es gibt die verschiedensten Gründe, weshalb Menschen großartige Dinge tun. Und viele dieser Gründe werde ich niemals verstehen, aber das muss man auch nicht. Sei es ein Geltungsbedürfnis, Selbstverwirklichung, andere unterhalten zu wollen oder das Bedürfnis, die Welt ein wenig besser zu machen. Diese unterschiedlichen Motivationen können für verschiedene Menschen starke oder weniger starke Antriebsmotoren darstellen. Am Ende geht es einzig und allein um das Resultat.

Das einzige was ich dabei als fundamental wichtig empfinde, ist, dass man, bevor man ein Projekt beginnt, das WARUM für sich selbst ehrlich und tiefgreifend beantwortet. Nur so kann wahre intrinsische Motivation aufgebaut werden, wie auch immer diese am Ende für Euch aussieht. Für mich persönlich, war es immer sehr hilfreich mir zu vergegenwärtigen, dass eine Motivation immer stark emotional getrieben ist. Wenn Euer WARUM also nicht stark genug emotional aufgeladen und nur rational begründet ist, dann wird Eure Motivation wahrscheinlich irgendwann auf der Strecke bleiben. Im besten Fall brennt Ihr mit jeder Zelle Eures Körpers für das was Ihr vorhabt und behalten dieses Gefühl, dass ihr dabei in Euch spürt, stehts vor Augen. Als praktischen Tipp, kann ich nur empfehlen, das WARUM in einem prägnanten Satz aufzuschreiben, am besten in folgender Form „Ich werde einen Roman schreiben, weil…“. Diesen Zettel solltet ihr gut sichtbar an dem Ort aufzuhängen, an dem Ihr am liebsten schreibt. Zusätzlich lohnt es sich, einen weiteren Zettel an einem Platz in Eurer Wohnung aufzuhängen, an dem ihr täglich vorbeikommt (bspw. die Tür Eures Kühlschranks). Denn erst wenn dieses WARUM in Fleisch und Blut übergegangen ist, macht es Sinn, sich mit der eigentlichen Umsetzung (dem WIE) und dem konkreten Ergebnis (dem WAS) zu beschäftigen. Hierunter fällt natürlich auch die Frage:

Wie sieht Deine Zeitplanung aus?

Bereits im ersten Teil unserer Serie wurde erwähnt, dass ein Storybuch dabei helfen kann, den Schreibprozess in kleine „Häppchen“ einzuteilen, denn ein zu großes Ziel kann oft übermächtig wirken und die Motivation regelrecht erschlagen. Das Gehirn lässt sich jedoch zum Glück recht einfach austricksen und merkt bei der Bewältigung von vielen kleinen Teilziele gar nicht mehr, was eigentlich noch vor ihm liegt. Es hilft also für eine langfristige Motivation seine Ziele in einzelne Unterziele aufzuteilen und damit regelmäßig kleine Erfolge zu feiern. Nutzt diese Strategie, nicht nur um Kapitelweise zu denken, sondern selbst das Kapitel in einzelne Abschnitte und Seiten einzuteilen, die ihr in einem gewissen Zeitrahmen runterschreiben möchtet. Selbstverständlich wird das ein oder andere am Ende auch wieder gelöscht und editiert werden, aber aus eigener Erfahrung ist es erheblich motivierender schon einmal etwas auf dem „Papier“ stehen zu haben, als frustriert auf ein leeres Blatt zu starren. Es gilt also die Motivation durch kleine Erfolge aufrecht zu halten. Wenn man nun an die konkrete Zeitplanung denkt, stellt sich jedoch unweigerlich eine weitere Frage, nämlich:

Wie viel bist Du bereit zu opfern?

Fakt ist, dass wir alle nur 24 Stunden pro Tag und 365 Tage im Jahr zur Verfügung haben. Eine Tatsache, die alle Menschen auf diesem Planeten eint und die in unserer Zeitplanung die wohl wichtigste Restriktion darstellt. Nun müssen wir uns überlegen, was sind Dinge, die zwangsläufig in unserem alltäglichen Leben verankert sind. Neben unseren sechs bis sieben Stunden Schlaf, die wir alle brauchen, um leistungsfähig zu sein, müssen wir uns also die Fragen stellen: Wie viele Stunden nimmt unser Hauptberuf/unser Unialltag/unser Schulalltag in Anspruch? Haben wir eine Familie, für die wir Verantwortung tragen? Haben wir Kinder oder einen Pflegefall, um die wir uns kümmern müssen? Praktizieren wir eine Religion, die unweigerlich Teil unseres Lebens ist? Zusammengefasst: Was sind Dinge in unserem Leben, die einfach laufen MÜSSEN, ohne Wenn und Aber? Wenn wir dies einmal für uns geklärt haben, dann können wir uns relativ leicht ausrechnen, wie viel Zeit uns am Tag noch für andere Dinge bleibt. Sicherlich fällt diese Zahl bei dem einen höher und bei dem anderen niedriger aus, was vollkommen ok ist. Viel wichtiger ist es, eine realistische Einschätzung vorzunehmen.

Als nächstes sollten wir uns die Frage stellen, was sind Dinge, die wir gerne tun, die jedoch nur optional in unserem Leben sind? Ich treffe gerne meine Freunde, gehe zum Sport, mache Musik, schaue Filme, liege am Wochenende auch mal gerne auf dem Sofa rum, usw. Alles Dinge, die zur normalen Freizeitgestaltung gehören, aber die eher als optional anzusehen sind. Sicherlich ist der ein oder andere Punk sehr individuell. Für einen Menschen mit einem sehr starken Bedürfnis nach sozialen Kontakten, ist es wahrscheinlich ein MUSS sein, seine Freunde mehrmals in der Woche zu sehen. Für einen Einzelgänge würde dieser Punkt wahrscheinlich eher in die Kategorie „optional“ fallen. Für viele Personen ist es ein MUSS mehrmals in der Woche zum Sport zu gehen, für andere ist dieser Punkt ebenfalls eher optional. Welcher Punkt bei Dir in welcher Kategorie landet, entscheidest nur du allein. Wenn Du diese Einordnung für Dich vorgenommen hast, kommt der wohl schwierigste Teil. Nun müssen wir uns überlegen, was wir letzten Endes bereit sind von unserem optionalen Bereich für unseren großen Traum zu opfern? Wie weit möchte ich gehen, um mein Ziel zu erreichen? Opfere ich Zeit vor dem Fernseher, Sportkurse, den wöchentlichen Kinobesuch oder sogar Treffen mit Freunden für mehr Schreibzeit? Wenn ich ein gutes WARUM gefunden habe, sollte die Frage hier nicht mehr lauten: Möchte ich etwas opfern? Sondern lediglich: Wie viel bin ich bereit zu opfern? Und dies ist durchaus eine berechtigte und schwierige Frage, denn ich verspreche Euch, dass Ihr mit großer Wahrscheinlichkeit nicht glücklich werdet, wenn ihre Eure Freunde, Eure Hobbys und alles was Euch im Leben lieb ist, aufgebt, nur um ein Ziel in Rekordzeit zu erreichen. Hier geht es vielmehr darum, den goldenen Mittelweg zu finden. Sich genug Freiräume zu schaffen, um das Projekt mit der nötigen Ernsthaftigkeit angehen zu können, aber auch nicht sein ganzes Leben in Isolation und Einsamkeit zu verbringen und gar nicht mehr zu leben. Für eine langfristige Motivation ist es nämlich essentiell ein intaktes Sozialleben zu führen und nicht am Rande eines Burnouts unterwegs zu sein. Eure Freunde und Eure Partnerin/Euer Partner werden es Euch danken. Zudem ist das Schreiben ein kreativer Prozess, der, meiner Meinung nach, genau diesen Gegenpol unbedingt benötigt. Wenn Du weißt, wie viel Du bereit bist zu opfern, ohne dich selbst aufzugeben, erst dann ist es möglich einen realistischen und vor allem nachhaltigen Zeitplan aufzustellen, in dem Wochen-, Monats-, Quartals- und Jahresziele mit konkreten Seiten- und Kapitelangaben festgelegt werden.

Ich hoffe sehr, dass dieser schonungslos ehrliche Abriss zum Thema Motivation bei Dir für etwas kribbeln in den Fingern gesorgt hat. Nun gibt es nichts weiter zu tun als den Laptop aufzuklappen und in die Tasten zu hauen. Das Schriftstellerdasein kann beginnen! Nach dieser kleinen Einführung gibt es also drei wichtige Dinge hin zum fertigen Manuskript zu beachten: DURCHHALTEN, DURCHHALTEN, und nochmals DURCHHALTEN!

Liebe Grüße und bis zur nächsten Woche, zum dritten Teil unserer Serie „How to write a novel“, in dem es um folgendes Thema gehen wird: „Das Handwerkszeug eines Schriftstellers“.

Gerrit C. Paulson

How to write a novel? Teil 1: Von der Idee zur Struktur

Für alle, die sich schon einmal gefragt haben, wie eigentlich ein Roman entsteht, startet hiermit Teil 1 unserer großen Serie „How to write a novel“, die für Euch ab jetzt wöchentlich im Blogformat erscheinen wird.

Von der Idee über die Veröffentlichung bis hin zur Buchpromotion ist es ein ziemlich weiter weg. Meist einer, der sich über mehrere Jahre hinwegzieht und mit einigen Fallstricken gepflastert ist. Wir werden die einzelnen Schritte für Euch einmal genauer betrachten und Euch damit einen Blick hinter die Kulissen der Schriftstellerei geben.

Zunächst fängt natürlich alles mit der Idee an und ich bin mir sicher, dass jeder von Euch schon einmal eine ziemlich geniale Idee für eine Romangeschichte hatte. Ich möchte daher an dieser Stelle nicht darauf eingehen, wie man gute Ideen generiert, da dies glaube ich eine sehr persönliche und individuelle Sache ist. Manche haben ihre „hellen Momente“ unter der Dusche, andere beim Sport und wieder andere bei monotonen Tätigkeiten, wie Albert Einstein bei seiner Arbeit im Patentamt. Wie ihr Eure Idee findet ist, meiner Meinung nach, eigentlich relativ egal und die Tatsache, dass wahrscheinlich jeder schon einmal eine gute Idee hatte, zeigt ja auch recht deutlich, dass hier meist gar nicht das größte Problem lieg. Die Schwierigkeit beginnt viel mehr bei der Frage: Wie kriege ich diese Geschichte vernünftig auf Papier gebracht? Und dies ist keineswegs alleine eine Motivationsfrage, sondern hat darüber hinaus ziemlich viel mit guter Organisation und Struktur zu tun, die ich gerne für Euch einmal ein bisschen stärker beleuchten möchte. Vielleicht ist der ein oder andere Tipp dabei, der Euch dabei helfen kann, Euer eigenes Buchprojekt besser zu realisieren.

Wahrscheinlich habt ihr schon einmal gehört, dass viele Autoren mit einem „Storybuch“ und einem „Charakterbuch“ arbeiten, um sich zu strukturieren. Aber was genau steckt hinter diesen beiden Begriffen? Bei meiner Recherche, fand ich die abenteuerlichsten Forumsbeiträge, die mir noch einmal deutlich gemacht haben, dass es Zeit wird, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. Fangen wir einmal mit dem ersten Begriff „Storybuch“ an. Im Rahmen eines Storybuchs probiert man als Schriftsteller seine Idee in verschiedene Abschnitte (erst grob, dann immer feiner) und anschließend bereits in klar unterteilte Kapitel einzuordnen. Das Storybuch lässt sich also als eine Art Zusammenfassung und Unterteilung des Buchinhalts verstehen. Hierbei habe ich mir persönlich angewöhnt, bereits zu jedem Abschnitt oder Kapitel einige Stichpunkte aufzulisten, was genau an dieser Stelle des Buchs passieren soll. Dies bedeutet keinesfalls, dass nicht im Schreibprozess noch das ein oder andere Kapitel hinzukommen kann, oder sich die Story nicht doch noch einmal ändern könnte. Das Storybuch gibt dem Autor aber zumindest am Anfang eine gewisse Richtung, damit er den Faden nicht verliert. Falls sich die Geschichte am Ende doch noch einmal ändern sollte, wird das Storybuch kurzerhand angepasst. Hierdurch ist es ebenfalls möglich, Änderungen und ihre Auswirkungen auf den Rest der Geschichte besser abschätzen. Nichtsdestotrotz hilft es, wenn der Anfang und das Ende mehr oder weniger gesetzt sind, damit man sich nicht zu sehr verläuft und ein klares Ziel vor Augen hat, auf das man in der Handlung zusteuert. Dazwischen hat sich bei mir eigentlich immer der ein oder andere Umweg oder auch manche Storyveränderung ergeben, was den Schreibprozess auch für den Schriftsteller immer wieder spannend und ein wenig unberechenbar macht. Dies auch zuzulassen und nicht „zu streng“ zu sein, ist meiner Meinung nach wichtig, da das Schreiben ja genau von dieser Kreativität und Freiheit der Gedanken lebt. Ein Storybuch sollte also niemals die Kreativität des Schriftstellers einschränken oder beschneiden, sondern eher die oftmals etwas zerstreuten Gedanken (ich spreche aus eigener Erfahrung) des Autors auf eine gute und stringente Storyline fokussieren.

Ein weiterer Vorteil neben der Strukturierung ist es, dass man im Schreibprozess eher kleine Happen als ein ganzes Buch „zu bewältigen“ hat. Mithilfe eines ausgearbeiteten Storybuchs fällt es dem Autor oft erheblich leichter, bestimmte Kapitel in einem Quartal oder einem Monat zu schreiben, was motivierender ist als sich das Ziel zu setzen, gleich das ganze Buch schreiben zu wollen. Die Ziele sollten also immer möglichst kurzfristig umgesetzt werden können und nicht zu abstrakt sein. Ein Storybuch hat also hier erhebliche Vorteile, um weiter motiviert zu bleiben und den Überblick nicht zu verlieren. Zudem bietet Euch dies auch die Möglichkeit, die komplette Geschichte mit Freunden, Kollegen und evtl. auch einem Verlag zu besprechen, was helfen kann kleinere Ungereimtheiten oder auch den Spannungsbogen zu optimieren. Innerhalb meines Storybuchs habe ich mir angewöhnt, zudem auf der ersten Seite einen Zeitstrahl der Geschichte aufzuzeichnen, der mir stets zeigt, wo und zu welcher Zeit bestimmte Ereignisse passieren. So ist es erheblich einfacher auch Rückblenden sauber in die Story einzubauen und nicht den Faden zu verlieren.

Neben dem Storybuch macht es meist auch Sinn ein Charakterbuch anzulegen. Während des Schreibprozesses, kann hier jeder einzelne Charakter, der im Zeitverlauf auftritt, beschrieben und klassifiziert werden. Essenzielle Informationen sind hierbei: Wann ist der Charakter das erste mal aufgetreten? Wie wurde sein Aussehen beschrieben? Wie wurde sein Charakter beschrieben? Wie und wodurch soll sich der Charakter im Laufe des Buchs wandeln/weiterentwickeln?  Mit wem steht der Charakter in welchem Verhältnis? Wie soll sich dieses Verhältnis im Laufe des Buchs wandeln/weiterentwickeln?

Dieses Charakterbuch füllt sich also parallel zum Schreibprozess und bieten ebenfalls eine gewisse Struktur, allerdings auf einer tieferen Ebene als das Storybuch. Konsistenz, Weitsicht und eine gute Charakterentwicklung gehören zu den wohl wichtigsten Eigenschaften, um dem Leser die nötige Tiefe zu vermitteln. Gerade das wiederaufgreifen von Informationen, die man dem Leser am Anfang des Buchs gegeben hat und die sich erst am Ende wie ein Puzzle zusammenfügen, sorgt für Spannung und das gewisse etwas. Dies fällt mit einem Charakterbuch auf der Ebene der auftretenden Personen erheblich einfacher.

Gerade wenn Ihr Euch vorstellt, dass viele Autoren jahrelang an einem Buch schreiben und dazu noch öfter mal eine kreative Schreibpause einlegen müssen, scheinen diese beiden Hilfsbücher essenziell, um eine Idee in einen guten Roman umzuwandeln. Eine befreundete Schriftstellerin hat einmal zu mir gesagt: Gerrit, wenn du einen Roman schreiben willst, dann musst du nicht ein Buch schreiben, sondern Drei. Vielleicht hilft auch Euch dieser kleine Tipp weiter, um Euer Buchprojekt zu realisieren.

Liebe Grüße und bis zur nächsten Woche, in der Teil 2 auf Euch wartet: „Motivation und Durchhaltevermögen“

Gerrit C. Paulson

Das Team Paulson freut sich auf ein neues Jahr!

Wir wünschen allen ein frohes neues Jahr mit vielen glücklichen Momenten, Zeit mit Freunden und der Familie und dem Fokus auf die wichtigen Dingen im Leben. Für viele ist der Jahresanfang eine Zeit, in der man etwas nachdenklich wird, sich selbst reflektiert und Ziele für das nächste Jahr setzt. Genau das haben wir natürlich auch für das Project Paulson gemacht. Alles was rund um das Buch „Notizen eines Gewinners“ im Jahr 2019 passiert ist war eine Teamleistung, die ohne die Unterstützung von hochmotivierten Leuten in der Form niemals möglich gewesen wäre. Daher danke ich als Autor für das Jahr 2019 vor allem folgenden Leuten: Joseph Gogolos, Dimitrij „Dimi“ Rozhkovskyy, Chiara S. Schmidt, Jessica „Jess“ Belorukow, Alexandra „Alex“ Schmidt. Durch Euren Einsatz im Projekt haben wir im Jahr 2019 Lesungen, Verteilaktionen, und Social Media Marketing gemeinsam durchgeführt und angefangen den Buchmarkt besser zu verstehen. Es ist mir eine Ehre mit Euch zusammenzuarbeiten! Zudem gilt mein Dank Hannes Lüxmann und Nastasja „Nasti“ Brückner, sowohl bei Fotoshooting, Videoaufnahmen, als auch musikalischer Untermauerung war auf Euch immer verlass! Vielen Dank dafür, das hat 2019 besonders gemacht! Wir freuen uns auf ein weiteres erfolgreiches Jahr und bedanken uns auch vor allem bei Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, für den Rückhalt und die Unterstützung. 2020 wird einiges passieren und wir werden Sie auf der Website und allen anderen Kanälen selbstverständlich auf dem Laufenden halten. Ich freue mich darauf! Alles Gute! Euer Gerrit C. Paulson

Notizen eines Gewinners und Thalia in Weihnachtsstimmung

Wir bedanken uns ganz herzlich bei dem Thalia Store in der Thier-Galerie Dortmund und bei all den netten Personen, die an unserem Weihnachtsstand vorbeigeschaut haben! Die Unterstützung der Buchhandlungen ist wirklich überwältigend und zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Es war uns eine Ehre und Euch allen ganz viel Spaß beim Lesen! Zudem planen wir gerade eine Weihnachtsgeschenkaktion, die wir hier auf der Homepage in Kürze bekannt geben werden.

Infostand am 07.12 im Thalia Store Thier-Galerie

Der Thalia Store in der Thier-Galerie Dortmund, veranstaltet am kommenden Samstag (07.12. ab 13 Uhr) einen „Notizen eines Gewinners“ Infostand. Hier habt ihr nicht nur die Möglichkeit mit meinem Team und mir ins Gespräch zu kommen, sondern auch zu jedem Buch den limitierten „Notizen eines Gewinners“ Notizblock umsonst abzustauben. Zudem werden wir am Stand Süßigkeiten, Info-Material und ein Gewinnspiel für Euch haben. Also schaut gerne in der Zeit zwischen 13 und 15 Uhr vorbei. Ich freu mich auf Euch!